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Iran wirft Saudis «Vertuschen von Verbrechen» vor

Irans Präsident Hassan Rohani hat Saudiarabien erneut scharf kritisiert. Die Krise zwischen dem Iran und Saudiarabien könnte weite Kreise ziehen.

Iran-Präsident Hassan Rohani hat Saudiarabien scharf kritisiert. Die saudische Regierung habe die diplomatischen Beziehungen zur Islamischen Republik abgebrochen, «um ihre Verbrechen zu vertuschen», sagte er.
Iran-Präsident Hassan Rohani hat Saudiarabien scharf kritisiert. Die saudische Regierung habe die diplomatischen Beziehungen zur Islamischen Republik abgebrochen, «um ihre Verbrechen zu vertuschen», sagte er.
Keystone
Welt in Aufruhr: Schiitische Demonstranten monieren die Hinrichtung ihres Geistlichen Nimr al-Nimr durch Saudiarabien. (4.1.2015)
Welt in Aufruhr: Schiitische Demonstranten monieren die Hinrichtung ihres Geistlichen Nimr al-Nimr durch Saudiarabien. (4.1.2015)
Haidar Mohammed Ali, AFP
Eine Anhägerin der shiitischen Huti-Miliz im Jemen demonstriert für Nimr vor der saudischen Botschaft in Sanaa. (18. Oktober 2014)
Eine Anhägerin der shiitischen Huti-Miliz im Jemen demonstriert für Nimr vor der saudischen Botschaft in Sanaa. (18. Oktober 2014)
Yahya Arhab, Keystone
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Der iranische Präsident Hassan Rohani hat die Entscheidung Saudi-Arabiens kritisiert, die diplomatischen Beziehungen abzubrechen. Die saudische Regierung habe die diplomatischen Beziehungen zur Islamischen Republik abgebrochen, «um ihre Verbrechen zu vertuschen», erklärte Rohani am Dienstag.

Gleichzeitig signalisierte er Bereitschaft zu Gesprächen mit Riad. «Die eigenartige saudische Entscheidung, die Beziehungen abzubrechen, kann nicht die Enthauptung eines geistlichen Kritikers vertuschen», sagte Rohani am Dienstag. Dennoch glaube der Iran, dass diplomatische Verhandlungen die beste Option seien, Differenzen auszuräumen.

Unterdessen rief die türkische Regierung den Iran und Saudiarabien zur Deeskalation auf. «Die politische Spannung zwischen diesen beiden Ländern kann nicht zum Frieden in der Region beitragen, die ohnehin schon einem Pulverfass gleicht», teilte Vize-Regierungschef Nurman Kurtulmus am Dienstag über Twitter mit.

Er nannte Saudiarabien und den Iran «die beiden wichtigsten Länder der islamischen Welt». Das türkische Aussenministerium zeigte sich besorgt über die Angriffe auf diplomatische Vertretungen Saudi-Arabiens im Iran und forderte beide Seiten zu besonnenem Handeln auf.

Kuwait beordert Botschafter zurück

Nach den Übergriffen auf die saudische Botschaft im Iran ruft auch Kuwait seinen Botschafter aus dem Nachbarland zurück. Das meldete die staatliche Nachrichtenagentur Kuna unter Berufung auf das kuwaitische Aussenministerium. Der Erstürmung der saudischen Botschaft in Teheran stelle einen «groben Bruch» internationaler Verträge dar, hiess es.

In den vergangenen Tagen hatten das sunnitische Saudiarabien sowie seine Verbündeten Bahrain und Sudan ihre diplomatischen Beziehungen zum schiitischen Iran beendet. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate zogen ihren Botschafter ab und ersetzen ihn durch einen Geschäftsträger.

Rechtfertigung vor UNO

Saudiarabien hatte zuvor die umstrittene Hinrichtung von 47 Menschen wegen Terrorismus-Vorwürfen verteidigt. Die Angeklagten hätten faire und gerechte Verfahren ohne Berücksichtigung ihrer religiösen Zugehörigkeit gehabt. So hiess es am Montag in einer Erklärung der saudiarabischen Vertretung bei den Vereinten Nationen. Das Königreich bedauere zutiefst, dass UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sich besorgt über die Vorwürfe gegen die Delinquenten und die Prozesse geäussert habe.

Die Eskalation der Spannungen zwischen dem Iran und Saudiarabien ruft die Weltmächte auf den Plan. Nach den USA forderten am Montag auch China, Russland, Frankreich und Deutschland, die Krise umgehend mit diplomatischen Mitteln beizulegen.

Schweiz verurteilt Todesstrafe

Auch die Schweiz warnte vor einer Anheizung der konfessionellen Spannungen in der Region und brachte nach der Serie von Exekutionen in Saudiarabien ihre Ablehnung der Todesstrafe zum Ausdruck. Dazu berief das Aussendepartement in Bern den saudi-arabischen Geschäftsträger ein, wie es am Montag mitteilte.

Am Sonntag kommt die Arabische Liga in Kairo zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Riad habe das Treffen beantragt, um über die Angriffe auf die saudi-arabische Botschaft und das Konsulat im Iran zu sprechen, teilte Liga-Vizegeneralsekretär Ahmed Ben Helli am Montag mit. Überdies solle «die iranische Einmischung in arabische Angelegenheiten verurteilt werden».

UNO schickt Syrien-Gesandten los

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon schickte unterdessen seinen Syrien-Gesandten Staffan de Mistura in beide Länder. Der schwedische Diplomat sei auf dem Weg in die saudi-arabische Hauptstadt Riad, sagte UNO-Sprecher Stephane Dujarric am Montag in New York. Im Laufe der Woche werde er auch nach Teheran fliegen.

Die seit langem schwelenden Spannungen zwischen dem sunnitischen saudischen Königshaus und der klerikal ausgerichteten schiitischen Führung im Iran haben sich durch die Hinrichtung des prominenten schiitischen Geistlichen und entschiedenen Regimegegners Nimr al-Nimr und 46 weiteren Menschen in Saudiarabien verschärft.

Der oberste geistliche und politische Führer Irans, Ayatollah Ali Khamenei, drohte dem saudischen Königshaus mit der «Rache Gottes». Auch die Revolutionsgarden kündigten «scharfe Vergeltung» an. Proteste gegen die Hinrichtung waren daraufhin am Wochenende in Teheran ausser Kontrolle geraten. Demonstranten stürmten und verwüsteten die saudi-arabische Botschaft in der iranischen Hauptstadt.

Keine diplomatischen Beziehungen, keine Flüge

Das saudische Königshaus reagierte mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen und der Ausweisung iranischer Diplomaten. Dem schlossen sich am Montag die ebenfalls sunnitische Golfmonarchie Bahrain und der Sudan an. Die Vereinigten Arabischen Emirate stuften die diplomatischen Beziehungen zum Iran herab.

Am Montag stoppte Saudiarabien zudem sämtliche Flugverbindungen mit dem Iran. Dies teilte die Luftverkehrsbehörde in Riad mit. Alle Fluggesellschaften seien informiert worden, dass sämtliche Flüge aus dem Iran und in das Land unterbleiben müssten, hiess es in einer von der Nachrichtenagentur SPA verbreiteten Erklärung der Behörde.

Moskau will vermitteln

In Moskau erklärte ein nicht namentlich genannter Mitarbeiter des Aussenministeriums der Agentur RIA, sein Land stehe als Vermittler zur Verfügung. Moskau unterhält enge Beziehungen zum Iran und hat sowohl bei dessen Einbeziehung in die Suche nach einer Lösung des Syrien-Konflikts wie auch beim Kompromiss um das iranische Atomprogramm eine entscheidende Rolle gespielt.

Teheran unterstützt im Gegensatz zu Riad in Syrien Machthaber Baschar al-Assad und im Jemen die schiitischen Huthi-Rebellen, die von einer von Saudiarabien angeführten Militärkoalition bekämpft werden.

Auch das in der Nahost-Region gewöhnlich zurückhaltende China zeigte sich alarmiert: Man sei hochgradig besorgt, dass der Konflikt sich ausweiten könnte, erklärte das Aussenministerium in Peking. China zählt zu den grössten Ölimporteuren.

Türkei vergleicht Region mit einem «Pulverfass»

Auch die Türkei rief Saudiarabien und den Iran zu Massnahmen zur Entspannung der Lage auf. Der Streit, der durch die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen im sunnitisch regierten Saudiarabien ausgelöst wurde, verschärfe die Spannungen im gesamten Mittleren Osten, sagte Vize-Regierungschef Numan Kurtulmus am Montagabend in Ankara.

Dabei gleiche die Region ohnehin schon einem «Pulverfass». In der ersten Reaktion der Türkei auf die Krise sagte Kurtulmus laut der Nachrichtenagentur Anadolu weiter: «Genug ist genug. Wir brauchen unseren Frieden in der Region.»

«Tor zur Hölle» geöffnet

Die Krise verschärft die Furcht vor weiteren konfessionellen Spannungen in der Region. Im Zentrum des Iraks wurden am Montagmorgen bei Bombenanschlägen auf zwei sunnitische Moscheen mehrere Menschen verletzt. Der Muezzin einer weiteren sunnitischen Moschee wurde nach Behördenangaben ermordet.

Bei einer Schiesserei in der saudi-arabischen Geburtsstadt des hingerichteten Geistlichen Al-Nimr wurden in der Nacht zum Montag ein Zivilist getötet und ein Kind verletzt. Wer die Schüsse abfeuerte, war zunächst unklar.

Der Führer einer schiitischen Miliz drohte, das Verbrechen an Scheich Al-Nimr habe «das Tor zur Hölle» geöffnet. Das iranische Aussenministerium warf Saudiarabien vor, die Gewalt gegen seine Botschaft als Vorwand zu nutzen, um die Spannungen anzuheizen. Am Montag gingen in Teheran erneut tausende Menschen auf die Strasse, um gegen Riad zu protestieren.

Die Beziehungen zwischen Riad und Teheran sind seit der islamischen Revolution im Iran 1979 angespannt. Das sunnitische Saudiarabien wirft dem schiitischen, persischen Iran immer wieder eine Einmischung in arabische Angelegenheiten vor.

SDA/chi

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