Zum Hauptinhalt springen

Schon wieder fährt Auto in Menschenmenge

Der Streit um den Jerusalemer Tempelberg bringt Juden und Muslime in Rage. Ein Palästinenser raste mit seinem Auto auf Passanten zu. Wenig später tat es ihm ein anderer Fahrer im Westjordanland gleich.

Die israelische Polizei geht von einem Anschlag aus: Die Polizei inspiziert das Tatfahrzeug. (5. November 2014)
Die israelische Polizei geht von einem Anschlag aus: Die Polizei inspiziert das Tatfahrzeug. (5. November 2014)
AFP

Bei zwei Attacken in Ostjerusalem und im Westjordanland sind Autofahrer offenbar gezielt in Gruppen von Passanten gefahren. Ein Attentäter und eines seiner Opfer wurden getötet, wie die israelische Polizei mitteilte. Insgesamt 16 weitere Personen wurden verletzt, darunter drei Soldaten. Zu dem Anschlag in Ostjerusalem bekannte sich die radikalislamische Hamas. Israels Regierungschef Benjamin Netanyahu gab Palästinenserpräsident Mahmud Abbas eine Mitschuld.

Vor allem in Ostjerusalem wachsen seit Wochen die Spannungen zwischen Palästinensern und Israelis. Gestritten wird vor allem um den Zugang zum Tempelberg, der sowohl Juden als auch Muslimen heilig ist. Auch am Mittwoch protestierten dort vermummte Palästinenser gegen einen Besuch jüdischer Aktivisten und bewarfen Polizisten mit Steinen und Feuerwerkskörpern. Die Beamten trieben die Menge auseinander.

Erst vor kurzem aus Gefängnis entlassen

Wenig später fuhr ein Kleinbus in eine belebte Bahnhaltestelle in Ostjerusalem - aus Sicht der israelischen Behörden ein gezielter Anschlag. Die Polizei teilte mit, der Mann habe seinen Wagen in die Haltestelle gerammt, sei dann zurückgesetzt und habe anschliessend mehrere Fahrzeuge gestreift. Dann sei der Angreifer aus seinem Fahrzeug gesprungen, um zu Fuss zu fliehen. Er habe mehrere Zivilisten und Polizisten mit einer Brechstange attackiert. Schliesslich habe ihn die Polizei erschossen.

Der Verdächtige sei ein 38-jähriger Palästinenser aus Ostjerusalem, der erst vor kurzem aus dem Gefängnis entlassen worden sei. Die Hamas erklärte, der Mann habe zu ihr gehört. Die Palästinenserorganisation nannte seine Tat eine «glorreiche Operation» und rief zu weiteren Aktionen auf.

Fahrer flüchtete

Am Mittwochabend steuerte dann im Westjordanland der Fahrer eines grossen Geschäftswagens in eine Gruppe Soldaten und verletzte drei von ihnen, wie das israelische Militär mitteilte. Der Fahrer floh nach Polizeiangaben mit einem Wagen mit palästinensischen Nummernschildern. Nach ihm werde gesucht.

Ministerpräsident Netanyahu sagte, die jüngste Tat in Ostjerusalem gehe auf die fortgesetzte Anstachelung zur Gewalt durch Palästinenserpräsident Abbas und dessen «Partner in der Hamas» zurück. «Wir befinden uns in einer langen Schlacht in Jerusalem», sagte der Regierungschef. «Ich habe keinen Zweifel, dass wir gewinnen werden.»

Abbas hatte mit der Hamas eine palästinensische Einheitsregierung gegründet und zuletzt dazu aufgerufen, muslimische Heiligtümer auf dem Tempelberg - vor allem die Al-Aksa-Moschee - zu bewachen und das Eindringen von Juden zu verhindern. Muslime verehren das Plateau des Berges mit Felsendom und Al-Aksa-Moschee als «Edles Heiligtum» und sehen ihn als drittheiligsten Ort nach Mekka und Medina in Saudiarabien. Radikale Juden verlangen jedoch auch Zugang zu der Hochfläche, auf der früher der jüdische Tempel stand. Das empfinden Muslime als Provokation.

SDA/clp

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch