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Schwerster Anschlag seit Beginn des Aufstands

Blutbad im morgendlichen Stossverkehr in Damaskus: Im Zentrum der syrischen Hauptstadt detonierten heute zwei Bomben. Rund 70 Menschen wurden dabei getötet. Assad macht Terroristen verantwortlich.

Bis zu 70 Personen starben bei einem Doppelanschlag in Damaskus: Brennende Autos nach der Explosion. (10. Mai 2012)
Bis zu 70 Personen starben bei einem Doppelanschlag in Damaskus: Brennende Autos nach der Explosion. (10. Mai 2012)
Keystone
Waren meilenweit zus sehen: Rauchsäulen nach dem Doppelanschlag. (10. Mai 2012)
Waren meilenweit zus sehen: Rauchsäulen nach dem Doppelanschlag. (10. Mai 2012)
AFP
Bei der Explosion wurde ein Gebäude des militärischen Geheimdienstes stark beschädigt. (10. Mai 2012)
Bei der Explosion wurde ein Gebäude des militärischen Geheimdienstes stark beschädigt. (10. Mai 2012)
Keystone
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Bei einem Doppel-Anschlag in der syrischen Hauptstadt Damaskus sind am Donnerstag mindestens 56 Menschen getötet worden. 372 Menschen wurden nach Angaben des Innenministeriums verletzt. Für die Anschläge machten sich Regime und Opposition gegenseitig verantwortlich.

Das Innenministerium berichtete, es seien 56 Leichen sowie Leichenteile von 50 weiteren Menschen geborgen worden. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte in London sprach von 59 Toten und meldete, die meisten Anschlagsopfer seien Mitarbeiter der Sicherheitskräfte. Gemäss dem Regime waren die meisten Opfer Zivilisten.

Der Anschlag galt offenbar dem sogenannten Palästina-Verhörzentrum. Dieses ist eines der gefürchtetsten Folterzentren des Sicherheitsapparates von Präsident Bashar Assad.

Die Regierung erklärte, die Explosion sei das Werk von zwei Selbstmordattentätern. Die Sprengsätze hätten insgesamt über eine Tonne gewogen. Wie die meisten Attentate in Syrien wurden die Explosionen am Morgen ausgelöst, als viele Menschen zur Arbeit gingen.

Wer sind die Terroristen?

Zum Anschlag bekannte sich bislang niemand. Das Staatsfernsehen machte «Terroristen» dafür verantwortlich. Der Kommandant der oppositionellen Freien Armee Syriens (FSA) wies jede Beteiligung zurück. Seine Einheiten seien überhaupt nicht in der Lage, derartig grosse Sprengsätze zu bauen.

Der Syrische Nationalrat (SNC) als wichtigstes Oppositionsbündnis beschuldigte das Regime. Dieses wolle so die UNO-Beobachter in Syrien einschüchtern. Das Regime habe den Anschlag verüben lassen, um die Revolution als Werk islamistischer Terroristen darzustellen.

Damaskus wird von der Regierung kontrolliert. Seit Dezember hatte es im Stadtzentrum wiederholt blutige Anschläge gegeben. Zu mehreren Attentaten hatte sich eine Al-Qaida-nahe Gruppe mit Namen Al-Nusra-Front bekannt. Westliche Geheimdienste vermuten, dass sie aus dem Irak stammt.

Anschlag in Aleppo?

Nach Angaben des UNO-Botschafters Syriens in New York explodierte in Aleppo, der zweitgrössten Stadt des Landes, zur selben Zeit wie in Damaskus eine weitere Bombe. Auch diese Explosion habe «zu zivilen Opfern und massiven Sachschäden» geführt, sagte Botschafter Baschar Dschaafari dem UNO-Sicherheitsrat. Weitere Einzelheiten nannte er nicht.

Der Rat forderte in einer Erklärung die sofortige Umsetzung des Friedensplans des UNO-Gesandten Kofi Annan, gemäss dem seit dem 12. April die Waffen in Syrien schweigen sollten.

UNO fordert Ende von Gewalt

Der Leiter der UNO-Beobachtermission, Robert Mood, begab sich am Donnerstag an den Anschlagsort in Damaskus. Er forderte von allen Seiten ein Ende der Gewalt. Am Vortag war nahe von Moods Konvoi in der Provinz Daraa eine Bombe explodiert, die sechs syrische Soldaten verletzte.

Auch der UNO-Gesandte Kofi Annan rief die Konfliktparteien auf, die Waffenruhe zu respektieren. Ein Sprecher von UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon sagte, beide Seiten müssten sich «von wahllosen Bombenattentaten und anderen terroristischen Akten» distanzieren.

Die US-Regierung verurteilte den Anschlag, forderte aber das Assad-Regime auf, den Friedensplan umzusetzen. Dieser sei «noch immer umsetzbar», sagte auch ein Sprecher der EU-Aussenbeauftragten Catherine Ashton, der die Anschläge als «reinen Terrorismus» bezeichnete. China und Russland wiederum riefen zur Ruhe auf.

Zur Zeit sind dank des Annan-Plans 70 UNO-Beobachter in Syrien, darunter ein Schweizer. Insgesamt sollen 300 unbewaffnete Beobachter in Syrien stationiert werden, darunter sieben weitere Schweizer.

Waffenstillstand gescheitert?

Der Aufstand gegen Assad begann im März 2011. Das Regime reagierte mit brutaler Gewalt auf die zunächst friedlichen Massenproteste, worauf sich die Regimegegner radikalisierten und militarisierten. Insgesamt starben bislang gemäss UNO-Schätzungen mindestens 10'000 Menschen.

Die Opposition hält den Waffenstillstand für gescheitert, wie Samir Naschar vom SNC der Agentur Reuters sagte. «Wir erwarten eine Erklärung von Annan, dass sein Plan in der Sackgasse steckt.» Ein Vertreter der FSA sagte, die Rebellen seien zur Wiederaufnahme der Angriffe bereit, sobald Annan das Scheitern eingestehe.

dapd/mrs/rbi

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