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Selbst für radikale Islamisten zu brutal

Unter ihm wurde die Islamistengruppe Boko Haram rücksichtsloser, gewalttätiger und zerstörerischer als jemals zuvor. Nun verkündete Nigerias Armee Abubakar Shekaus Tod. Es ist nicht das erste Mal.

Übernahm 2009 nach dem Tod des Gründers Mohammed Yusuf die Führung von Boko Haram: Abubakar Shekau in einer seiner Video-Ansprachen.
Übernahm 2009 nach dem Tod des Gründers Mohammed Yusuf die Führung von Boko Haram: Abubakar Shekau in einer seiner Video-Ansprachen.
AFP

Die nigerianische Armee hat erstmals den Tod des Anführers der Islamistengruppe Boko Haram bestätigt. Militärsprecher Chris Olukolade sagte in der nigerianischen Hauptstadt Abuja, die Armee habe einen Islamistenkämpfer getötet, der als Doppelgänger des «verstorbenen Abubakar Shekau» aufgetreten sei. Der Mann namens Mohammed Bashir habe sich in Videos der Extremisten als Shekau ausgegeben. Der Kämpfer sei bei Gefechten mit der Armee in der Stadt Konduga im Bundesstaat Borno getötet worden, sagte Olukolade.

Shekaus Tod war von anderen nigerianischen Sicherheitsorganen bereits in den Jahren 2009 und 2013 gemeldet worden. In diesem Jahr hatte die Geheimpolizei Nigerias ebenfalls darauf beharrt, dass Shekau tot sei und in von Boko Haram veröffentlichten Videos ein «Betrüger» zu sehen sei. Erstmals bestätigte nun das Militär des westafrikanischen Landes den Tod des Anführers. Armeesprecher Olukolade sagte, die Extremisten würden Shekau als «Markennamen» verwenden.

Ziel: Ein islamischen Staat

Shekau übernahm 2009 nach dem Tod des Gründers Mohammed Yusuf die Führung von Boko Haram. Dabei legte er eine derartige Brutalität und Rücksichtslosigkeit an den Tag, dass sich selbst radikale Islamisten von ihm distanzierten.

Geboren im Nordosten Nigerias irgendwann zwischen 1965 und 1975, erhielt Shekau eine traditionelle islamische Ausbildung im Bundesstaat Borno. Dort entstand Boko Haram vor mehr als einem Jahrzehnt. Nach einem Treffen mit Yusuf schloss sich Shekau der sektenartigen Gruppe an, die sich vorwiegend aus jungen Muslimen zusammensetzt. Sie sehen in säkularer Bildung und westlichen Werten die Ursache für die Korruption und lähmende Armut in Nigeria.

Boko Haram lässt sich in etwa mit «westliche Bildung ist Sünde» übersetzen. Die Gruppe selbst lehnt diesen Namen allerdings ab und bezeichnet sich als Jama'tu Ahlis Sunna Lidda'awati wal-Jihad (Vereinigung für die Verbreitung der Lehren des Propheten und den Heiligen Krieg). Von Beginn an zielte sie auf die Schaffung eines islamischen Staates im mehrheitlich muslimischen Norden Nigerias. Doch nach der Tötung ihres Gründers Yusuf durch die Polizei 2009 gab sein Nachfolger Shekau ihr eine radikalere Richtung.

«Rücksichtsloser, gewalttätiger und zerstörerischer»

«Mit Shekau am Steuer ist Boko Haram rücksichtsloser, gewalttätiger und zerstörerischer geworden», schrieb die International Crisis Group (ICG) kürzlich in einem Bericht. Die Radikalität Shekaus wird womöglich am besten dadurch illustriert, dass sich selbst die Islamistengruppe Ansaru, die wiederholt Videos mit der Hinrichtung entführter Ausländer veröffentlichte, von ihm distanzierte. Laut dem ICG-Bericht missbilligte die Boko-Haram-Abspaltung «die wahllosen Morde» Shekaus.

Während die von Yusuf geforderte Einführung des islamischen Rechts der Scharia in Teilen der zutiefst konservativen Bevölkerung im Nordosten geteilt wurde, stossen Shekaus Gewaltorgien viele ab. Seine Leute metzelten nicht nur die Einwohner ganzer Dörfer nieder, sondern töteten auch schutzlose Schüler im Schlaf und entführten hunderte Mädchen. Neben Polizei, Militär und Behörden griff die Gruppe auch Kirchen und Schulen an. 2011 verübte sie zudem einen blutigen Anschlag auf das UN-Hauptquartier in der Hauptstadt Abuja.

Shekaus wirre Äusserungen

Nach dem Angriff spekulierten Experten, Shekau und andere Kommandeure könnten Verbindung zu ausländischen Terrorgruppen haben und womöglich in Algerien oder Somalia ausgebildet worden sein. Bestätigt wurde dies zwar nicht, doch im März 2013 erklärte die US-Regierung Boko Haram zur «globalen Terrorgruppe» und setzte ein Kopfgeld von sieben Millionen Dollar (5,4 Millionen Euro) auf Shekau aus.

Viele seiner öffentlichen Äusserungen sind wirr - so drohte er im Frühjahr der verstorbenen britischen Premierministerin Margaret Thatcher und auch dem verstorbenen Papst Johannes Paul II. Seine Motive und Ziele geben oft Rätsel auf, doch Experten sagen, ein Zitat aus einem seiner ersten Videos 2012 öffne womöglich einen Einblick in seine Gedankenwelt. «Ich geniesse es, jeden zu töten, den zu töten Gott mir den Auftrag gibt», sagte Shekau darin, «so wie ich es geniesse, Hühner oder Hammel zu töten.»

ts/mt

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AFP/kpn

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