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«Sie hängen hier überall ihre Banner auf»

Ein Journalist berichtet aus dem von Jihadisten belagerten Mosul, von gespenstischen Szenen und welche Fluchtwege die Bewohner wählen.

Nachtsichtbild eines Kämpfers mit dem Isis-Banner vor einem erbeuteten Fahrzeug. (12. Juni 2014)
Nachtsichtbild eines Kämpfers mit dem Isis-Banner vor einem erbeuteten Fahrzeug. (12. Juni 2014)
Reuters
Explosion bei der angeblichen Eroberung eines irakischen Checkpoints durch Jihadisten. Bild von der Jihadisten-Website Welayat Salahuddin. (11. Juni 2014)
Explosion bei der angeblichen Eroberung eines irakischen Checkpoints durch Jihadisten. Bild von der Jihadisten-Website Welayat Salahuddin. (11. Juni 2014)
HO / WELAYAT SALAHUDDIN, AFP
Ausgebrannt: Kämpfer vor einem brennenden Humvee der irakischen Armee. (12. Juni 2014)
Ausgebrannt: Kämpfer vor einem brennenden Humvee der irakischen Armee. (12. Juni 2014)
AP Photo/Iraqi0Revolution, Keystone
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Eine halbe Million Iraker befindet sich auf der Flucht vor den Kämpfern der Isis (Islamischer Staat im Irak und in Syrien). Die Extremisten haben die nordirakische Metropole Mosul und die Stadt Tikrit faktisch unter ihre Kontrolle gebracht. Die Angst in der Bevölkerung sei gross, sagt ein irakischer Journalist gegenüber dem britischen TV-Sender BBC. Der Mann, der aus Sicherheitsgründen nicht namentlich genannt werden möchte, befindet sich in Mosul.

Er berichtet von gespenstischen Szenen nach der Eroberung der Stadt durch die Isis-Kämpfer: «Nachdem sie die Regierungsgebäude gestürmt hatten, begannen sie, mit ihren Jeeps in den Strassen zu patrouillieren. Sie tragen schwere Waffen und hängen überall ihre Banner auf.» Der AFP-Journalist Mohamad Ali Harissi veröffentlichte auf Twitter ein Bild aus Mosul. Darauf zu sehen: eine an einer Brücke befestigte Fahne der Extremisten. « Die Isis-Flagge heisst dich willkommen», schreibt Harissi.

Bis jetzt habe es keine Schiessereien oder Bombenangriffe gegeben, so der irakische Journalist. Die Einwohner und die Kämpfer seien nicht aneinandergeraten, «aber wir wissen nicht, wie lange das noch so bleibt».

Kurdistan als Zufluchtsort

Tausende Familien befinden sich laut dem Journalisten auf der Flucht. Es gebe fünf Wege, die aus der Stadt hinausführten, aber die meisten Menschen flüchteten in Richtung der Autonomen Region Kurdistan im Norden des Irak. «Die Flucht ist nicht leicht, die Sicherheitsvorkehrungen sind streng. Es dauert sieben bis zehn Stunden, um ins Kurdengebiet zu gelangen – aber viele Flüchtlinge schaffen es gar nicht dorthin. Sie müssen nach Mosul zurückkehren oder Zuflucht im Umland finden.» Der Exodus aus Mosul habe seit gestern wieder abgenommen, da viele Menschen realisierten, «dass sie sich nicht in Sicherheit bringen können. Ihnen bleiben nur noch zwei Optionen: Entweder sie finden bei Familienangehörigen auf dem Land Unterschlupf oder in der Wildnis.»

Der Fotograf Sebastian Meyer befindet sich bei einem Checkpoint kurdischer Truppen ausserhalb Mosuls. Er berichtet gegenüber BBC von grossen Flüchtlingsgruppen, die den Checkpoint in Richtung Norden passieren. Meyer besuchte zudem ein nördlich von Mosul gelegenes Dorf, in dem Isis-Kämpfer vor zwei Tagen zwei Selbstmordattentate begangen hatten. Dann wurden sie von kurdischen Kämpfern zurückgedrängt. «Die Dorfbewohner sind dankbar für die Hilfe der Kurden. Sie fühlen sich nun wieder sicher.»

«Soldaten erhielten keine Befehle mehr»

Eine weitere Journalistin berichtet aus einem Flüchtlingscamp bei der Stadt Arbil, wo die kurdische Regierung ihren Hauptsitz hat. «Im Moment werden etwa 30 Zelte aufgebaut, eine Familie ist bereits eingezogen. Der Rest der Unterkünfte ist leer, denn die meisten Flüchtlinge ziehen direkt weiter Richtung Norden.» Die Behörden von Arbil machten sich grosse Sorgen, dass sie nicht alle Flüchtlinge unterbringen können, die sich noch auf dem Weg in die Stadt befinden. Man bemühe sich zwar, alle Flüchtenden aufzunehmen, «aber in die Stadt hineingelassen werden nur noch Menschen, die hier Familienangehörige oder Bekannte haben, die für sie bürgen».

Die Journalistin konnte auch mit einem jungen irakischen Soldaten sprechen, der Mosul gestern Morgen verlassen hat. «Er sagte mir, dass er und seine Kollegen keine Befehle von ihren Vorgesetzten mehr erhalten hätten. Deshalb sei er geflüchtet, ‹denn ein Soldat, der keine Befehle mehr erhält, kann seinen Job nicht weitermachen›.»

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