Sie hat die Hölle überlebt – und daraus berichtet

Friedensnobelpreisträgerin Nadia Murad war Geisel der Terrormiliz IS. Eine Begegnung.

Hat der Welt die Geschichte des Völkermords an den Jesiden erzählt: Nadia Murad. Video: AFP

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Auf ihren vielen Reisen rund um die Welt ist Nadia Murad nicht nur von Staats- und Regierungschefs empfangen worden, sondern auch von den Clooneys. Amal und George. «Einfache, bodenständige Leute», sagt sie. Tee und Wasser seien serviert worden in dem zehn Millionen Pfund teuren Häuschen, das die Clooneys in der Nähe von London bewohnen. Amal Clooney, eine Menschenrechtsanwältin, will die Männer vom «Islamischen Staat», die Nadia Murads Leben zerstört haben, vor den Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag bringen.


Dieser Artikel erschien erstmals am 13. September 2016 in der «Süddeutschen Zeitung». Aus aktuellem Anlass publizieren wir ihn an dieser Stelle mit angepassten Zeitangaben erneut.


Vier Stunden lang besprachen die beiden Frauen ihr weiteres Vorgehen, sie hatten sich zuvor schon in New York getroffen. Und George? Den, sagt sie, kannte sie bis zu dem Treffen nicht. Mittlerweile hat sie zumindest einen Film mit Clooney gesehen, auf einem Flug nach Australien. Einen Action-Film. Der Titel? Nadia Murad schüttelt müde den Kopf. Sie hat ihn vergessen.

Einen winzigen Moment lang ist man versucht, das für eine irgendwie ironische Wendung zu halten: Eine junge Jesidin aus dem nordirakischen Dorf Kocho steigt, zwei Jahre nach dem historischen Massaker des Islamischen Staats an den Jesiden, zur weltweit bekannten Aktivistin auf, ist zu Gast bei George Clooney, obwohl sie George Clooney gar nicht kennt. Doch nicht der Hauch eines Lächelns zeichnet sich in ihrem Gesicht ab. Es gibt keine Ironie in ihrer Geschichte, keine Zwischentöne, keine Erlösung, keine Absolution. Nur diese alles umfassende, grosse Traurigkeit in einem aschgrauen Gesicht.

Nadia Murad mit Menschenrechtsanwältin Amal Clooney. (9. März 2017) (Bild: Lucas Jackson/Reuters)

«Sexsklavin des IS» wird Nadia Murad genannt, ein ebenso reisserischer wie zutreffender Titel. Sie ist, weil sie die Geschichte ihres Leidens wieder und wieder erzählt, zu einer Ikone des Widerstands geworden, die irakische Regierung hat sie vor zwei Jahren für den Friedensnobelpreis nominiert. Heute wurde er ihr verliehen.

Selten sah man die Delegierten so entsetzt

Ihr heiliger, fast kindlicher Ernst zieht alle Welt in den Bann. Sitzt man ihr zwei Stunden lang gegenüber, macht einem dieser Ernst aber auch ein wenig Angst. Gegen Ende des zweistündigen Gesprächs, als es um die Zukunft ihrer Familie geht, wird sie sagen: «Mir wäre es immer noch lieber, sie hätten uns damals alle erschossen.» Kann es wirklich gutgehen, wenn eine 25-jährige, traumatisierte Frau versucht, die Politik zu moralischem Handeln zu bewegen?

Nadia Murad trägt an diesem Tag einen schwarzen Blazer über einem weissen T-Shirt und eine schwarze Hose. Stoffschuhe mit hoher Sohle, darunter rosa Söckchen. Ihr schwarzes Haar hängt, lose geflochten, über die rechte Schulter. Sie hat sich auf einer Wiese niedergelassen, begleitet von der Übersetzerin. Diese Wiese befindet sich in einer kleinen Stadt im Bundesland Baden-Württemberg, mehr darf man nicht verraten, aus Sicherheitsgründen. Murad gehört zu einem Sonderkontingent missbrauchter jesidischer Frauen und Kinder, denen die baden-württembergische Regierung Schutz bietet.

Nadia Murad hat, weil sie so viel reist, mittlerweile besser Englisch als Deutsch gelernt. Ihre Geschichte erzählt sie aber in ihrer Muttersprache Kurmandschi, einer der drei kurdischen Sprachen. Während sie redet, fixiert sie ihr Gegenüber mit einem Blick, als gehe sie fest davon aus, dass jedes einzelne Wort verstanden wird, schon bevor die Übersetzerin sich ans Werk macht. Und tatsächlich, müsste einem das Leid in der nordirakischen Region Sindschar nicht noch sehr präsent sein? Es ist erst vier Jahre her, dass Ermordung, Vertreibung und Versklavung der Jesiden die Welt in Atem hielten. Die USA begannen damals ihre Luftangriffe auf den IS auch im Irak. Aber das Mitgefühl der Weltöffentlichkeit ist ein flüchtiges Gut, auch dafür ist der Fall Murad ein Lehrbeispiel.

Mittlerweile fühlen sich die Jesiden alleingelassen. Sie sind Opfer eines Völkermords, das haben die Vereinten Nationen gerade förmlich festgestellt, und dieser Völkermord sei nach wie vor im Gange. Viele Jesiden befinden sich nach wie vor in Gefangenschaft des IS, viele sind auf der Flucht. Die Islamisten haben mindestens 5000 Jesiden getötet. Nadia Murad hat in Kocho ihre Mutter und sechs ihrer Brüder verloren. 18 Familienmitglieder sind verschollen, 20 ihrer Neffen und Nichten wurden zu Waisen. Sie selbst wurde, wie Tausende andere Frauen und Kinder, verschleppt und verkauft, drei Monate lang immer wieder vergewaltigt, ehe ihr die Flucht gelang.

Nadia Murad hat diese Geschichte Ende 2015 vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen erstmals einer grösseren Öffentlichkeit erzählt. Sie war dem Zusammenbruch nahe, in den Gesichtern ihrer Zuhörer stand das schiere Entsetzen. Wenn eine junge Frau schildert, wie sie von einem halben Dutzend Männern bis zur Bewusstlosigkeit missbraucht wurde, verstummen alle Debatten. Am Wahrheitsgehalt ihrer Geschichte gibt es keine vernünftigen Zweifel.

Eine Rede von Nadia Murad vor den Vereinten Nationen. (Video: The Guardian/Youtube)

Das «Time Magazine» zählte sie wegen der sanften Gewalt ihrer Worte 2016 zu den hundert einflussreichsten Menschen der Welt. Staats- und Regierungschefs haben ihr Hilfe versprochen. Damals hatte Nadia Murad über Twitter einige bemerkenswerte Sätze in die Welt geschickt, ohne ersichtlichen Anlass: «Ich habe so viele Worte verloren und sehe so wenige Taten. 3500 Jesidinnen bleiben in Gefangenschaft des IS. Niemand fragt nach ihrem Schicksal. Frauen und Kinder tragen die Hauptlast des Unrechts in Kriegen. Und sie bleiben vergessen.»

Gerechtigkeit, keine Rache

Haben Sie Ihre Kraft und Ihren Glauben verloren, Frau Murad?

Es gehe ihr gut, erwidert sie. Angesichts der vielen Reisen mache ihr der Jetlag zu schaffen. Manchmal sei ihr übel. Und jeden Morgen mit der Furcht aufzuwachen, es könnten schlechte Nachrichten aus ihrer Heimat auf sie warten, sei zermürbend. Aber sie schlafe passabel. Und nein, ihren Mut habe sie nicht verloren. Sie würde sich nur wünschen, dass alles viel schneller geht. Sie verlangt keine persönliche Rache, sondern Gerechtigkeit. Was sie sich wünscht für die Jesiden: Die Welt solle den IS militärisch besiegen, die Gefangenen befreien, die Verantwortlichen zur Rechenschaft ziehen, den Jesiden eine sichere Zukunft in ihrer Heimat bieten. Wenn es denn so einfach wäre.

Sie erzählt von ihrem Neffen Malik, damals 13 Jahre alt. Als der IS kam, mussten die jesidischen Jungs ihre Arme nach oben strecken. Wer unter den Achseln behaart war, galt als nicht mehr indoktrinierbar und wurde erschossen. Malik hatte noch keine Haare unter den Achseln. Er werde in Syrien gerade zum Kindersoldaten ausgebildet, wie Hunderte andere Jugendliche auch, sagt Nadia Murad. Der Mutter habe er gerade am Telefon vorgehalten, sie sei eine Ungläubige. Er werde niemals mehr zu ihr zurückkehren.

Die Erschöpfung ist Nadia Murad anzusehen. Dass sie traumatisiert ist durch den sexuellen Missbrauch, ist klar. Aber die Therapie, die man ihr anbot, hat sie nach zwei Sitzungen abgebrochen. Sie könne sich nicht um sich selbst kümmern, solange ihr Volk und ihre Familie leiden, sagt sie. Selbst jesidische Interessenvertreter, die ihre vielen Reisen finanzieren und koordinieren, warnen: Sie dürfe sich nicht überfordern. Sie solle auch mit Therapeuten über ihre Erlebnisse sprechen, nicht nur mit Politikern und Journalisten. Doch Murad lässt den Einwand nicht gelten. Andere jesidische Frauen hätten sich von Brücken gestürzt, sich die Pulsadern aufgeschnitten, um der Vergewaltigung zu entgehen. Sie, immerhin, könne etwas tun.

Trotz Traumatisierung reist Nadia Murad für die Sache der Jesiden um die Welt: Die Aktivistin ihrem Heimatdorf Kojo im Irak. (1. Juni 2017) (Bild: Alkis Konstantinidis/Reuters)

Nadia Murad weiss, dass die Stimmung gegenüber Flüchtlingen sich gedreht hat, auch in Deutschland. Sie kennt die Bedeutung der drei Buchstaben AfD. Sie verstehe die Angst vor dem IS-Terror und vor Überfremdung, sagt sie. Aber man solle doch bedenken, dass auch Muslime vom IS verfolgt würden. Kann eine Frau, die einen Genozid erlebt hat, wirklich verstehen, dass dieses Deutschland wegen der Flüchtlinge um seine Identität fürchtet und deshalb Obergrenzen diskutiert? Sie hat ja erlebt, dass deutsche Politiker wirklich handeln können. Andernfalls würde sie vielleicht noch heute in einem nordirakischen Flüchtlingslager leben.

«Ich habe mit Präsidenten und mit Abgeordneten gesprochen», sagt sie, «aber niemand hat für uns Jesiden so viel getan wie Ministerpräsident Kretschmann.»

Winfried Kretschmann beschloss im Herbst 2014 nach dem Besuch einer jesidischen Delegation spontan: Man müsse etwas tun. Er kündigte an, ein Sonderkontingent traumatisierter jesidischer Frauen und Mädchen aus dem Nordirak ins Land zu holen und sie hier behandeln zu lassen. Das Vorhaben geriet sofort in den Verdacht des taktischen Kalküls. Wollte der Grüne ablenken von Versäumnissen der eigenen Flüchtlingspolitik, die seine politischen Gegner als zu lasch geisselten und Parteifreunde als zu hart?

Es dauerte Monate, bis das Projekt in Gang kam, von der Auswahl der Frauen über die Visa-Beschaffung bis hin zur Unterbringung in geeigneten Einrichtungen. Tausend Frauen und Kinder fanden Aufnahme in Baden-Württemberg, knapp hundert Millionen Euro will sich das Land die Aktion binnen drei Jahren kosten lassen. Sie steht mittlerweile exemplarisch für den «pragmatischen Humanismus», den Kretschmann als Leitbild seiner Flüchtlingspolitik predigt: Hilfsbereitschaft bis an die Grenzen der eigenen Möglichkeiten, aber nicht darüber hinaus.

Umstrittene Vorschriften

Gemeinsam mit Amal Clooney besuchte Nadia Murad Winfried Kretschmann in Stuttgart, ein PR-Termin für die Sache der Jesiden. Die beiden empfahlen Baden Württembergs Jesiden-Projekt dem Rest der Welt als Vorbild. Leute, die daran mitarbeiten, schwärmen vom Integrationswillen der Jesidinnen und ihrer Kinder, von den Fortschritten, die sie in der Traumatherapie machen. Die anonymisierte Geschichte einer dieser Frauen ist mittlerweile in einem Buch festgehalten, Jan Kizilhan hat es geschrieben, ein Psychologe und Orientalist, der das baden-württembergische Projekt federführend betreut. Der Titel: «Ich bleibe eine Tochter des Lichts». Es ist ein Dokument der Hoffnung. Aber es gibt immer noch Gründe zu verzweifeln. Einige Frauen aus dem Projekt, so ist zu hören, sind mittlerweile auf eigene Faust in den Nordirak aufgebrochen, um in einigen inzwischen wieder befreiten Gegenden nach den Leichen ihrer Söhne zu suchen. Viele Massengräber sind bereits entdeckt worden, aber niemand kümmert sich bislang darum, sie systematisch zu erfassen.

Im Berliner Nieselregen trafen sich am 3. August 2016, genau zwei Jahre nach dem Beginn der IS-Attacke in Sindschar, Jesiden aus ganz Deutschland, um in einem Trauermarsch gegen das Vergessen zu protestieren. Als Nadia Murad mit einiger Verspätung an dem Sammelpunkt am Alexanderplatz eintraf, richtete sich die Menschenmenge nach ihr aus, wie nach einem Magneten. Nadia-Rufe, Blitzlichter, Umarmungen. Schwarz gekleidet, grau im Gesicht, hielt Nadia Murad ihren Gefühlen eine Weile stand, dann brach sie in Tränen aus. Rundherum flatterten im Wind deutsche Fahnen und jesidische Fahnen, eine Sonne auf rotem Grund.

«Die lebensfrohe Frau wird es nicht mehr geben»

Nadia Murad ist zu einem Vorbild für alle Jesidinnen geworden. Sie könnte aber auch Beispiel geben für ein moderneres Frauenbild unten den Jesiden – in Deutschland. Schon seit Jahrzehnten leben etwa 100'000 Jesiden hier, die meisten kamen aus den kurdischen Gebieten der Türkei, wo sie oft zwischen alle Fronten gerieten. Die Ursprünge ihrer Religion reichen so weit zurück, dass sie im Dunkel der orientalischen Schöpfungsmythen verschwinden. Im Grunde sind die Jesiden Sonnenanbeter. Von Islamisten werden sie als «Teufelsanbeter» verachtet, weil sie «Melek Taus» verehren, den Engel Pfau, der in Gottes Auftrag die Welt erschuf. Jesiden missionieren nicht, aber sie grenzen sich ab, zum Beispiel durch die Vorschrift, nur innerhalb der eigenen Religionsgemeinschaft zu heiraten. Und das macht sie auch in westlichen Gesellschaften zu Aussenseitern.

Eine Reihe von sogenannten Ehrenmorden haben die Jesiden in Deutschland in Verruf gebracht, vor allem der spektakuläre Fall Arzu Özmen. Die junge Frau wurde vor sieben Jahren von ihrem Bruder unter Beihilfe ihres Vaters und ihrer Geschwister getötet, weil sie sich mit einem Nicht-Jesiden eingelassen hatte.

Kastensystem, Zwangsverheiratung, Kinderhochzeiten, Brautgeld. Manche Jesiden leugnen die Probleme, andere diskutieren sie offen und treten für Modernisierungen in ihrer Gemeinschaft ein. Der Kulturkampf tobt bis hinein in die Interessenvertretungen der Jesiden. In der Region Sindschar, Nadia Murads Heimat, heisst es, sei ein Grossteil der Jesiden fortschrittlicher eingestellt als manche Jesiden in Deutschland. Nadia Murad sagt, ihre Mutter sei sehr religiös gewesen. Aber für sie selbst habe der Glaube nie eine grosse Rolle gespielt.

Es gibt alte Bilder von ihr, aufgenommen, bevor der IS-Terror ihr Dorf heimsuchte. Ein selbstbewusst wirkendes junges Mädchen ist zu sehen, stark geschminkt, grosse Ohrringe, bunte Kleider, hohe Absätze. Ob sie sich darauf wiedererkennt?

Sie sehe sich solche Fotos nur noch selten an, sagt Nadia Murad. Beiläufig wischt sie einen fetten Käfer zur Seite, der in der deutschen Wiese auf ihre Schulter gekrabbelt ist. Von fern ist die Sirene eines Rettungswagens zu hören. Ja, sie sei eine ziemlich gute Schülerin gewesen, Lehrerin habe sie werden wollen. Aber ein Traum von ihr sei es auch gewesen, Kosmetikerin zu werden und einen Schönheitssalon zu eröffnen. «Vielleicht werde ich mich irgendwann wieder schön machen. Aber die lebensfrohe Frau auf diesen Bildern, die wird es niemals mehr geben.»

Die systematische Versklavung und Vergewaltigung von jesidischen Frauen und Mädchen gehörte zum zynischen Kalkül des IS. Eine Frau, die einmal Geschlechtsverkehr mit einem Nicht-Jesiden hatte, wird der Tradition zufolge aus der Glaubensgemeinschaft ausgeschlossen. Der Hohe Priester der Jesiden hat diese Regel für die vergewaltigten Frauen aufgehoben. Ob aber Frauen wie Nadia Murad wirklich Vertrauen fassen können zu einem Mann, glücklich werden in einer Partnerschaft? Sie fühle sich unendlich alt, sagt sie, jeder Teil ihres Körpers, jede Haarsträhne habe sich verändert in ihren drei Monaten in den Händen der Islamisten.

Was der schlimmste Moment gewesen ist, vermag sie nicht zu sagen. Die Blicke und Griffe, als sie mit den anderen Frauen auf Pick-ups von Kocho nach Mossul gebracht wurde? Ihre Panik, als dort ein Monstrum von IS-Kämpfer sie kaufen wollte und ihr zurief: «Frau in der rosa Jacke, steh auf für mich», der erniedrigende Moment, als sie einen kleineren Mann anflehte, sie zu kaufen, sie werde alles für ihn tun? Die Gruppenvergewaltigung nach einem ersten, gescheiterten Fluchtversuch?

Mann sei nicht gleich Mann, sagt Nadia Murad. Es sei auch ein Mann gewesen, der ihr beim zweiten Fluchtversuch geholfen habe. Aber heiraten, Kinder zur Welt bringen, eine Familie gründen? Das schliesse sie aus. Jetzt und für alle Zeiten.

Nadia Murad trägt einen violetten Punkt auf der rechten Schläfe und einen auf dem Kinn. Zwei weitere auf den Handrücken. Es handelt sich um eine Art Tattoo, ein Bruder hat sie dazu animiert, als sie zehn Jahre alt war. Die vier Punkte erinnern an ihre Kindheit, die grosse Familie, das Haus und den Hof mit Obst, Gemüse, Vieh. Zu Hause war Nadia Murad beliebt und auch gefürchtet als grosse Erzählerin, beim gemeinsamen Abendessen redete sie alle in Grund und Boden. Nun ist sie zu einer Erzählerin des Grauens geworden. Am Ende bittet man um Verständnis für möglicherweise allzu persönliche Fragen. Sie antwortet, ohne die Übersetzung abzuwarten, mit einem feinen Lächeln, dem ersten des Tages. Sie sagt: «It's okay.»

Erstellt: 05.10.2018, 14:12 Uhr

Artikel zum Thema

Ex-Sexsklavin wird Botschafterin der UNO

Eine 23-jährige Jesidin wurde im Irak sexuell ausgebeutet und verkauft. Nun ernannte die UNO sie zur Sonderbotschafterin für die Würde der Opfer von Menschenhandel. Mehr...

Von IS-Chef Baghdadi als Sklavin gehalten

Eine 16-jährige Jesidin spricht in einem CNN-Interview über ihre traumatische Gefangenschaft beim IS und ihre Flucht. Mehr...

Jesiden bangen um ihre Glaubensbrüder

Hunderttausende Flüchtlinge trotzen dem Winter in Syrien und Irak-Kurdistan. Die Jesiden sorgen sich um die Menschen, die noch in den Bergen ausharren oder in den Händen der IS-Terroristen sind. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Hoher Blutdruck: Senken Sie das Risiko

Ein zu hoher Blutdruck kann gefährlich werden. Vor allem, wenn er lange nicht erkannt wird. Die jährliche Blutdruckmessung in der Rotpunkt Apotheke hilft mit, die Risiken zu senken.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Feuerschweif: Eine Spezialeinheit demonstriert am Indian Navy Day in Mumbai ihr Können. (4. Dezember 2019)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...