Sie wollen keinen Frieden

Nach den Syriengesprächen in Lausanne sollten die Erwartungen nicht allzu hoch sein.

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Zurück am Tisch, das war das Motto der Syriengespräche in Lausanne. Man ist wieder da, wo man vor Wochen und Monaten auch schon war bei der Suche nach einem Weg für eine Waffenruhe, vor allem in Aleppo, für Hilfstransporte und eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche unter UNO-Vermittlung in Genf. Offiziell war es kein Zweiertreffen zwischen dem Amerikaner John Kerry und dem Russen Sergei Lawrow. Der Deal der beiden Aussenminister für eine Feuerpause ist obsolet und auch die Idee, dass die beiden Mächte unter sich einen Frieden für Syrien aushandeln könnten.

Nun soll ein neues Format unter Beteiligung der einflussreichen Regionalmächte Fortschritte bringen. Das hört sich gut an, sind doch Iraner und Saudis und Türken am Boden mit einigem Einfluss ausgestattet. Doch die Erwartungen sollten nicht allzu hoch sein. Auch die engere Einbeziehung dieser Akteure vermag nicht die grundlegenden Interessengegensätze aufzuheben, die einer politischen Lösung des Konflikts entgegenstehen und bislang noch jede Waffenruhe zum Kollaps gebracht haben.

Bashar al-Assad hat stets auf eine militärische Lösung gesetzt, nicht auf einen politischen Kompromiss. Denn der liefe auf ein Ende seiner Herrschaft hinaus.

Syriens Präsident Bashar al-Assad hat unumwunden und in verräterischer Diktion der russischen Zeitung «Komsomolskaja Prawda» gesagt, was er will: Aleppo «säubern» und dann das ganze Land erobern. Er hat stets auf eine militärische Lösung gesetzt, nicht auf einen politischen Kompromiss. Denn der liefe auf ein Ende seiner Herrschaft hinaus. Den Iran weiss er dabei an seiner Seite; für die Islamische Republik hat Syrien nur dann Wert, wenn es von Assad regiert wird.

In Teheran sieht man das Land als Brücke für die Hizbollah im Libanon, die ihrerseits Heere schiitischer Jihadisten in den Kampf um Aleppo schickt. Würde die Regierung in Damaskus die Zusammensetzung der Bevölkerungsgruppen mit ihrer grossen sunnitischen Mehrheit spiegeln, wäre Syrien für beide verloren. Saudis, Türken und Katarer werden ebenso wie die Rebellen keine Lösung akzeptieren, bei der Assad weiter das Land kontrolliert.

Russland hätte es in der Hand, ihn in einen Kompromiss zu zwingen. Doch auch in Moskau kann man mit dem Mann ganz gut leben.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 16.10.2016, 21:00 Uhr

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