So wird Ost-Aleppo evakuiert

Die Waffenruhe in der syrischen Stadt ist brüchig. 50'000 Menschen wollen raus. Wie das funktionieren soll.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es ist eine gewaltige Mission: 50'000 Menschen aus dem fast völlig zerbombten Ost-Aleppo evakuieren. Dafür steht ein Konvoi bereit. Er wird von Fahrzeugen des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) sowie des Syrischen Halbmonds angeführt. Dahinter folgen 13 Krankenwagen und 20 grüne Busse. Mittwochmorgen hätte die Evakuierung beginnen sollen. Mittlerweile ist die Mission angelaufen, wurde aber bereits mehrfach unterbrochen.

Wie viele Menschen den Osten der einstigen Wirtschaftsmetropole bisher verlassen haben, ist unklar. Es gibt unterschiedliche Angaben: Laut syrischen Regierungskreisen sind es mehr als 8000 Menschen. Nach russischen Angaben rund 6500 Menschen. Unterdessen erklärt die russische Armee die Evakuierung sogar für beendet.

Diese Angaben widersprechen jenen von Hilfsorganisationen. Bis zum späten Donnerstagabend sind laut dem IKRK etwa 3000 Zivilisten und einige Verletzte aus der Stadt herausgebracht worden. Tatsächlich könnte die Evakuierung länger dauern. Das IKRK rechnet mit mehreren Tagen. Der Präsident des türkischen Roten Halbmonds spricht sogar von «20 bis 25 Tagen».

Dass sich die Evakuierung in die Länge zieht, liegt nicht nur an den enormen logistischen Herausforderungen im vom Krieg zerstörten Syrien, sondern vor allem am ständigen Unterbruch der Mission. Immer wieder wird die Waffenruhe gebrochen. Schüsse und Explosionen sind zu hören, wie Aktivisten und Mitglieder von Hilfsorganisationen berichten. Syriens Regierung und Regimegegner geben sich gegenseitig die Schuld dafür.

Wenn die Evakuierung fortgesetzt werden kann, muss noch ein grosser Teil der 50'000 Menschen transportiert werden:

  • 1500 bis 5000 Aufständische mit ihren Familien werden evakuiert und sollen Aleppo komplett verlassen. Diese rund 10'000 Menschen ziehen sich nach Idlib zurück. Ihnen wurde freies Geleit zugesichert. Die Region gilt als Hochburg der Rebellen. Das russische Militär beobachtete die Evakuierungsaktion nach eigenen Angaben unter anderem mit Drohnen.

  • Etwa 40'000 Zivilisten werden in den Westteil Aleppos gebracht, wie der UNO-Sondergesandte Staffan de Mistura sagte. Der Westen der Stadt ist während der jahrelangen Kämpfe mehrheitlich von Regierungstruppen kontrolliert gewesen.

Aleppo gehörte zu den am schwersten umkämpften Orten im syrischen Bürgerkrieg. Fast seit Beginn der Kämpfe war die Stadt zwischen der syrischen Armee und bewaffneten Aufständischen geteilt. Vor einem Monat hatte die Armee zusammen mit Verbündeten eine Grossoffensive auf die Rebellengebiete gestartet und fast alle Viertel im Osten Aleppos zurückerobert. Unterdessen hat der syrische Präsident Bashar al-Assad Aleppo für «befreit» erklärt.

Verständlich: Co-Ausland-Chef Christof Münger erklärt die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft Aleppos.

Mit Material von SDA und AFP.

Erstellt: 16.12.2016, 17:18 Uhr

Artikel zum Thema

Die Aleppo-Krise endlich verstehen

Video Wie verkam die blühende Handelsstadt zur Kriegsruine? Co-Ausland-Chef Christof Münger erklärt den Kampf um die Millionenmetropole in drei Minuten. Mehr...

UNO entsendet Beobachter nach Aleppo

Video Der UN-Sicherheitsrat hat einstimmig eine Beobachtermission für Aleppo beschlossen. Erneut sind mehr als tausend Menschen aus den Rebellengebieten der Stadt gebracht worden. Mehr...

So zog sich die Schlinge um die Rebellen zu

Vor gut einem Jahr hatten die syrischen Aufständischen grosse Teile von Aleppo unter Kontrolle – dann kamen die Russen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Lohncheck in Pflegeberufen

Qualifiziertes Pflegepersonal ist rar. Eine Pflegeinitiative setzt sich darum für höhere Löhne ein.

Kommentare

Abo

Abo Digital Light - 18 CHF im Monat

Unbeschränkter Zugang auf alle Inhalte und Services (ohne ePaper). Flexibel und jederzeit kündbar.
Jetzt abonnieren!

Die Welt in Bildern

Russische Torte: Indische Konditoren legen letzte Hand an eine essbare Kopie der Moskauer Basilius-Kathedrale, die sie für die 45. Kuchenausstellung geschaffen. (12. Dezember 2019)
(Bild: Jagadeesh NV) Mehr...