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Somalias Piraten kosten die Weltwirtschaft Milliarden

Über 400 Millionen Dollar Lösegeld haben somalische Piraten schon erpresst. So eine Studie, welche die Geldströme der Piraterie untersuchte. Der Schaden für die Wirtschaft ist jedoch noch grösser.

In den vergangenen Jahren gingen die Piratenangriffe zurück: Ein somalischer Pirat steht vor einem gestrandeten Schiff aus Taiwan.
In den vergangenen Jahren gingen die Piratenangriffe zurück: Ein somalischer Pirat steht vor einem gestrandeten Schiff aus Taiwan.
Keystone

Mit dem Film «Captain Phillips» findet dieser Tage erstmals das Thema Piraterie am Horn von Afrika seinen Weg auf die grossen Leinwände. Der Hollywood-Streifen erzählt den Überfall somalischer Piraten auf das Schiff Maersk Alabama im Jahr 2009 nach. Fast gleichzeitig mit dem Kinostart des Films haben Weltbank, UNO und Interpol die Studie «Pirate Trails» veröffentlicht.

Die Autoren des Papiers analysierten die Organisation und die Geldströme der Seeräuber. In der Studie kommen sie zum Schluss, dass zwischen 2005 und 2012 bis zu 413 Millionen Dollar Lösegeld an Piraten vor der Küste Somalias und am Horn von Afrika geflossen sind. «Pirate Trails» stützt sich unter anderem auf Aussagen aktueller und ehemaliger Piraten.

Bonus für denjenigen, der eine Leiter bringt

Der Löwenanteil der von Reedereien gezahlten Millionenbeträge – zwischen 30 und 75 Prozent – landet nicht bei den Piraten, sondern bei ihren finanzkräftigen Hintermännern. Unter den Drahtziehern fänden sich ehemalige Polizisten und Militärs, Beamte, Drogendealer oder Fischer. Diese brauchten das Geld zum Teil für kriminelle Machenschaften wie Waffen- und Menschenhandel sowie Finanzierung von Milizen.

Ein kleinerer Teil des Lösegelds fliesst in die Region; Köche, Prostituierte und Milizen, welche die Häfen bewachen, werden bezahlt. Bei den Piraten verbleibe nur ein winziger Teil der Lösegelder, nämlich weniger als 0,1 Prozent. Ein gewöhnlicher Pirat erhält demnach 30'000 bis 50'000 Dollar pro Einsatz. Hinzu kommen Boni von bis zu 10'000 Dollar für denjenigen, der eine eigene Leiter oder Waffe mitbringt oder der als Erster an Bord eines gekaperten Schiffs geht.

Das Geld für die Einsätze stammt grösstenteils aus dem Ausland, fliesst über Wareneinkäufe somalischer Importfirmen aus Kenia, den Vereinigten Arabischen Emiraten oder Djibouti nach Somalia. Ebenso verlässt das Gros des Gewinnes über die Hintermänner das Land wieder. Im Ausland geht laut der Studie ein Drittel des Profits an weitere kriminelle Machenschaften, das Geschäft mit Drogen, den Menschenhandel oder an religiöse Extremisten.

Höhere Prämien, bewaffnetes Personal

Der Schaden, welchen die Piraten anrichten, geht laut der Studie weit über die bezahlten Lösegelder hinaus. Die Autoren von «Pirate Trails» schätzen, dass die Piraterie vor Afrikas Küste die Weltwirtschaft jährlich 18 Milliarden US-Dollar kostet. Die Seeräuberei hat demnach den gleichen Effekt wie die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 1,1 Prozent auf alle Güter, die durch die betroffenen Gewässer transportiert wurden.

Der wirtschaftliche Schaden setzt sich laut der Studie aus mehreren Faktoren zusammen: Erstens stiegen die Versicherungsprämien für Schiffe, Crew und Transportgüter, welche das Horn vor Afrika passieren. Zweitens entstehen Reedereien Zusatzkosten, wenn Schiffsrouten verändert oder gar gestrichen werden müssen. Drittens mussten Reedereien in die Sicherheit investieren und stellen teilweise bewaffnetes Sicherheitspersonal ein.

Hintermänner verlagern Investitionen

Mit rund 237 Überfällen hatte die Piraterie am Horn von Afrika 2011 einen Höhepunkt erreicht. Seither ist die Zahl der Vorkommnisse auf 75 im letzten Jahr und zehn zwischen Januar und Oktober 2013 zurückgegangen. Die Studie führt dies auf verstärkte Militäraktionen vor Somalia zurück – darunter auch der EU-Einsatz Atalanta.

Die Autoren geben jedoch zu bedenken, dass die Angriffe der Piraten in der Region nach wie vor beträchtliche Schäden anrichteten. Mehr noch: Wie das «Wall Street Journal» schreibt, hat der erhöhte Druck auf die Seeräuber zur Folge gehabt, dass sich die Hintermänner noch stärker auf andere kriminelle Geschäfte konzentrieren. So haben einige von ihnen ihre Investitionen fast ganz in den Waffenschmuggel und Drogenhandel verlagert und spannen teilweise mit der islamistischen Al-Shabaab-Miliz zusammen.

Mit Material von der SDA angereichert.

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