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Streit um Tempelberg eskaliert

Nach einem versuchten Attentat auf einen jüdischen Hardliner und der Erschiessung des mutmasslichen palästinensischen Täters droht die Lage in Jerusalem ausser Kontrolle zu geraten.

Palästinensische Jugendliche liefern sich ein Gefecht mit der israelischen Polizei. (30. Oktober 2014)
Palästinensische Jugendliche liefern sich ein Gefecht mit der israelischen Polizei. (30. Oktober 2014)
Keystone

Die israelischen Behörden haben am Donnerstag erstmals seit der zweiten Intifada vor 14 Jahren den Tempelberg komplett abgesperrt. Am Abend wurde er teilweise wieder geöffnet. Muslimische Männer über 50 und Frauen aller Altersstufen könnten die dort liegende Al-Aksa-Moschee zu den Freitagsgebeten wieder besuchen, teilte die Polizei mit.

Die Behörden reagierten mit der Sperrung auf ein versuchtes Attentat auf einen jüdischen Aktivisten. Dieser setzte sich dafür ein, dass Juden mehr Zugang zu dem Hochplateau bekommen, das von den Muslimen als Edles Heiligtum verehrt wird und auf dem Felsendom und Al-Aksa-Moschee stehen.

Der mutmassliche palästinensische Angreifer, der Jehuda Glick am Mittwochabend mit Schüssen aus nächster Nähe schwer verletzte, wurde von israelischen Polizisten erschossen. Glick wurde in einem Krankenhaus behandelt, sein Zustand wurde am Donnerstag als ernst bezeichnet. Im arabischen Teil Jerusalems brachen Unruhen aus. Die Polizei ging mit Gummigeschossen gegen die Demonstranten vor und riegelte den betroffenen Stadtteil Abu Tor ab.

USA rufen zur Ruhe auf

Nach der Gewalteskalation in Jerusalem hat US-Aussenminister John Kerry die Konfliktparteien zur Ruhe aufgerufen. Er sei «sehr besorgt» angesichts der Spannungen in der Stadt und es sei nun entscheidend, dass alle Seiten sich zurückhaltend verhielten und von «provokanten Aktionen absehen», sagte Kerry am Donnerstag.

Er verurteilte ausserdem die Schüsse auf den jüdischen Ultranationalisten Jehuda Glick, der neben der israelischen auch die US-Staatsbürgerschaft hat. US-Aussenminister Kerry erklärte, die USA seien im Austausch mit den Vertretern aller Seiten, um die Lage zu entschärfen.

Vorwürfe gegen Abbas

Die israelische Regierung warf dem palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas vor, die Gewalt zu schüren. «Der Attentatsversuch auf Jehuda Glick ist ein weiterer schwerer Schritt palästinensischer Aufstachelung gegen Juden und den Staat Israel», sagte Verteidigungsminister Mosche Jaalon. Abbas hatte kürzlich dazu aufgerufen, Juden den Zugang in das Edle Heiligtum zu sperren.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanyahu sagte, er habe von der Welt noch kein Wort der Verurteilung von Abbas' Rhetorik gehört, der das Verhalten jüdischer Gläubiger auf dem Hochplateau mit dem einer Viehherde gleichgesetzt hatte. «Die internationale Gemeinschaft muss ihre Heuchelei beenden und gegen die Brandstifter vorgehen», forderte Netanyahu. Jaalon sagte, wenn Abbas «Lügen und Gift über die Rechte der Juden zum Gebet in ihrem Land verbreitet, dann ist das Ergebnis Terror, so wie wir es gestern gesehen haben.»

Scharons Besuch auf dem Tempelberg

Der Streit um Zugang und Religionsausübung auf dem Tempelberg wirft ein Schlaglicht auf das religiöse Element im Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Der letzte palästinensische Aufstand gegen Israel begann im September 2000, nachdem der damalige Oppositionspolitiker Ariel Scharon das Edle Heiligtum besucht hatte. Viele Palästinenser sahen darin eine Provokation; wegen Zusammenstössen wurde der Tempelberg damals geschlossen. Die Intifada begann und wurde erst 2005 durch einen Waffenstillstand beendet. den Abbas und Scharon - damals Ministerpräsident - schlossen.

Der Tempelberg ist aber nicht der einzige Konfliktpunkt, der in den vergangenen Wochen für eine Zunahme der Spannungen gesorgt hat. Die Palästinenser wollen Ostjerusalem zur Hauptstadt ihres geplanten Staats machen, Israel baut jedoch immer mehr Wohnungen und droht, mit einem neuen Bauprojekt die Verbindung zum palästinensischen Westjordanland kappen.

SDA/ldc/chk

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