Südafrika muss Zuma hart bestrafen

Der zurückgetretene Präsident gehört ins Gefängnis. Vor allem seine Partei, der ANC, sollte seinen schwersten Fehler zugeben.

Der südafrikanische Präsident Jacob Zuma beugt sich dem Druck seiner Partei und tritt mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurück. Video: Reuters

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Zehn Jahre lang sass Jacob Zuma auf der Gefängnisinsel Robben Island, zehn Jahre lang haben ihn die weissen Diktatoren der Apartheid dort eingesperrt. Zehn Jahre lang hatte er viel Zeit, er gründete den Schachclub der Gefangenen, er schaute aufs Festland, auf die unfassbar riesigen Häuser der Weissen, gebaut mit dem Blut und dem Schweiss der Schwarzen. Es war eine Zeit, die Zuma zu dem machte, der er heute ist: ein grosser Taktiker, für den die Politik wie ein Schachspiel ist. Schwarz gegen Weiss. Wir oder sie.

Zuma und der ANC, seine Partei, haben das Spiel gewonnen, die Apartheid besiegt. Aus seinem Zellengenossen Nelson Mandela wurde der grosse Versöhner. Aus Zuma wurde einfach einer, der sagte: Jetzt sind wir dran, jetzt werden wir belohnt für unseren Kampf. Zuma belohnte sich, in dem er den Staat ausplünderte, zu einem korrupten Verbrecher wurde.

Entscheidend für einen Neuanfang

Jetzt ist er weg, was eine gute Nachricht ist für Südafrika. Aber an der gedämpften Stimmung im Land sieht man auch, dass damit noch lange nicht alles gut ist. Der ANC hat es bis heute nicht geschafft, die Verbrechen von Zuma auszusprechen, die mit einer mutmasslichen Vergewaltigung begannen und dann mit dem Kapern eines ganzen Staates weitergingen. Südafrika war so schwach, dass es das alles zuliess. Südafrika war aber auch so stark, dass es nun doch ein Ende hat mit dem Schachspieler Zuma, dessen Züge nur noch ins Leere liefen.

Wollte der Abwahl zuvorkommen: Jacob Zuma an der 54. Konferenz der ANC im Dezember 2017 in Johannesburg. (Foto: Siphiwe Sibeko, Reuters)

Er ist zurückgetreten, um seiner Abwahl zuvorzukommen. Die Justiz in Südafrika muss ihn nun ins Gefängnis schicken, das ist entscheidend für den Neuanfang, für ein neues Südafrika. Das Land hat Grosses geschafft, es hat die Apartheid beendet und einen einigermassen friedlichen Übergang in eine neue Zeit begonnen.

Spielt der neue Präsident auch Schach?

Der Preis war aber hoch. Man hat sich zu vergeben versucht, sich angeblich verziehen. Das war wichtig, hatte aber eben auch die Konsequenz, dass es fast keine Konsequenzen gab für all die Verbrechen. Das spürt man bis heute, das machte den Verbrecher Zuma auch möglich, der immer sagen konnte, die anderen waren doch viel schlimmer. Der nie fürchtete, dass sein Handeln Folgen haben könnte.

Die müssen nun kommen. Der ANC muss reinen Tisch machen. Er muss sagen, wir haben den Verbrecher Zuma zugelassen, fast zehn Jahre lang. Der neue Präsident Cyril Ramaphosa muss um Verzeihung bitten, vor allem die Millionen Schwarzen, die der ANC im Stich gelassen hat. Es ist die Frage, ob es das kann. Oder ob auch er die Politik Schachspiel sieht, in dem es nur darum, geht zu gewinnen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 15.02.2018, 14:27 Uhr

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