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Syrischer Aufstand erreicht blutigen Höhepunkt

Laut Berichten der Opposition wurden in Syrien seit gestern über 90 Menschen getötet. Bei vielen Toten handle es sich um Soldaten von Präsident Assad. Diese würden immer öfter das Ziel von Deserteuren.

Trotz internationaler Kritik: Die Gewalt in Syrien nimmt zu. (Video: Reuters)

In Syrien hat der Aufstand gegen das Regime von Präsident Bashar al-Assad einen neuen, blutigen Höhepunkt erreicht. Wie Oppositionelle mitteilten, wurden allein am Montag mehr als 90 Menschen getötet. Viele von ihnen seien Soldaten gewesen, die von Deserteuren angegriffen wurden.

Aktivisten versicherten, die Proteste gegen die Regierung verliefen weitgehend friedlich. Daneben hat sich jedoch in den vergangenen Monaten ein bewaffneter Aufstand entwickelt, der vor allem Assads Militär und Sicherheitskräfte zum Ziel hat.

Laut regimetreuen Medien liess die syrische Führung in den vergangenen Tagen 1180 Gefangene frei. Aktivisten bestätigten die Freilassung von rund 40 Gefangenen, darunter des seit sechs Jahren inhaftierte Dissidenten Kamal Labwani. Berichte aus Syrien lassen sich wegen der Medienblockade der syrischen Regierung nur schwer überprüfen.

Langes Feuergefecht bei Daraa

Ein Bewohner der Region Daraa, einer der Hochburgen des Aufstands, berichtete, er habe ein mehr als vierstündiges intensives Feuergefecht gehört. Ein Aktivist aus der Gegend sagte, er habe zwölf Leichen gezählt. Wahrscheinlich seien es Zivilisten gewesen, die von Sicherheitskräften getötet worden seien. «Ich sah zwei gepanzerte Truppentransporter, die vollkommen ausgebrannt waren», teilte er der Nachrichtenagentur AP telefonisch mit.

Die örtlichen Koordinationskomitees der Opposition identifizierten 50 Personen, die am Montag getötet worden seien. Die in Grossbritannien ansässige syrische Beobachtergruppe für Menschenrechte berichtete über 69 Tote. Davon seien 34 Soldaten gewesen. Allein in der Stadt Homs wurden in der Leichenhalle 19 Tote gezählt, alle wiesen Schusswunden auf.

Bisher blutigster Monat

Unterschiedliche Angaben über Opfer sind nicht ungewöhnlich, da die Regierung Syriens jegliche unabhängige Beobachtung verhindert und die meisten ausländischen Journalisten ausgesperrt hat. Deshalb sind Berichte von Aktivisten und Augenzeugen die wichtigsten Quellen.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind beim Vorgehen des Regimes gegen seine Gegner bisher 3500 Personen getötet worden. Der November war mit 250 Toten bisher der blutigste Monat, teilten Aktivisten mit.

Assad ist mehr denn je isoliert

Die Unruhen in Syrien haben zugenommen, seit Assad unter zunehmendem internationalen Druck nicht nur aus dem Westen, sondern auch von arabischen Nachbarn gerät. Assad ist mehr denn je in der dreissigjährigen Herrschaft seiner Familie isoliert. Am Montag forderte König Abdullah II. von Jordanien Assad auf, zum Wohle seines Landes zurückzutreten. Es war der erste arabische Führer, der dies öffentlich verlangte. Am Samstag hatte die Arabische Liga Syriens Mitgliedschaft ausgesetzt.

Nachdem der Appell des Königs bekannt geworden war, wurde die jordanische Botschaft in Syriens Hauptstadt Damaskus angegriffen. Der Sprecher des Aussenministeriums in Amman, Mohammad Kayed, teilte mit, etwa 100 Demonstranten hätten sich vor der Botschaft versammelt. Drei seien über den Zaun geklettert und hätten Jordaniens Flagge heruntergerissen. Ins Gebäude selbst sei niemand eingedrungen.

Syrien hatte am Montag die Entscheidung der Arabischen Liga als «beschämend und böswillig» bezeichnet und ihr vorgeworfen, sich mit dem Westen zu verschwören, um seine Regierung zu schwächen. Damaskus fürchtet, dass die USA die Haltung der Liga nutzen würden, um bei der UNO schärfere Sanktionen gegen Syrien durchzusetzen.

Türkei droht mit Strom-Stopp

Die Türkei hat nach den Worten von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan das Vertrauen in die syrische Regierung verloren. Mit seinem brutale Vorgehen gegen seine Kritiker drohe Assad auf eine Liste führender Politiker zu gelangen, die sich «von Blut ernähren», sagte Erdogan in Ankara. Er forderte Assad auf, die Verantwortlichen für die Angriffe auf diplomatische Missionen der Türkei in Syrien vom Samstag zu belangen.

«Bashar, der du tausende Menschen im Gefängnis hast, du musst die Schuldigen finden und sie bestrafen,» sagte Erdogan. Er verurteilte die Angriffe scharf. Seine Äusserungen waren ein schwerer Schlag für Syrien, da beide Länder einmal enge Beziehungen gepflegt haben. Der türkische Energieminister Taner Yildiz drohte Syrien mit einer Aussetzung von Stromlieferungen, falls die Gewalt nicht beendet werde. Eine gemeinsame Suche nach Öl sei bereits eingestellt.

dapd/kpn

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