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Syrisches Regime jagt Ärzte

Die Regierung von Präsident Assad soll bereits 250 Ärzte und Apotheker festgenommen haben. Offenbar will das Regime verhindern, dass diese sich ohne es zu melden um verletzte Demonstranten kümmern.

Die Stimmung wird zusehends gehässiger: Anti-Assad-Demonstranten im Libanon. (21. Oktober 2011)
Die Stimmung wird zusehends gehässiger: Anti-Assad-Demonstranten im Libanon. (21. Oktober 2011)
Reuters
Müssten von Ärzten gemeldet werden: Demonstranten im Zentrum von Homs. (16. Oktober 2011)
Müssten von Ärzten gemeldet werden: Demonstranten im Zentrum von Homs. (16. Oktober 2011)
Reuters
Syrische Soldaten beobachten die Grenze zur Türkei in der Provinz Idlib. Die Zahl der in die Türkei geflohenen Syrer ist Ende Juni leicht zurückgegangen, nachdem der Exodusim Nordwesten des Landes wochenlang angehalten hatte. (29. Juni 2011)
Syrische Soldaten beobachten die Grenze zur Türkei in der Provinz Idlib. Die Zahl der in die Türkei geflohenen Syrer ist Ende Juni leicht zurückgegangen, nachdem der Exodusim Nordwesten des Landes wochenlang angehalten hatte. (29. Juni 2011)
AFP
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Menschenrechtsaktivisten werfen der syrischen Regierung ein gezieltes Vorgehen gegen Ärzte vor, die bei regierungskritischen Demonstrationen verletzte Menschen behandeln. Man habe allein in den vergangenen Wochen die Festnahme von 25 Ärzten und Apothekern aus privaten Krankenhäusern dokumentiert, teilten die örtlichen Koordinierungskomitees mit, die die Proteste gegen das Regime des syrischen Präsidenten Bashar Assad mitorganisieren und Menschenrechtsverletzungen dokumentieren. Das Regime wolle durchbringen, dass die Ärzte die Behörden über Demonstranten informieren, welche sie behandeln.

Demnach wurden seit Beginn der Unruhen vor sieben Monaten 250 Ärzte und Apotheker festgenommen. Auch internationale Menschenrechtsgruppen haben bereits entsprechende Vorwürfe gegen das syrische Regime erhoben. Ausserdem beschuldigen sie die Regierungskräfte, Krankenhäuser gezielt nach Demonstrationsteilnehmern zu durchsuchen.

Deserteure treffen auf Assads Truppen

Syrische Sicherheitskräfte und mutmassliche Deserteure haben sich nach Angaben von Menschenrechtlern am Montag in mehreren Orten Kämpfe geliefert. Allein aus Kussair nahe der Grenze zum Libanon wurden fünf getötete Soldaten und weitere Todesopfer unter den Sicherheitskräften gemeldet, wie die in London ansässige Organisation Syrian Observatory for Human Rights erklärte.

Seit Wochen kommt es in der Stadt immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Regierungssoldaten und mutmasslichen Abtrünnigen aus den Streitkräften. Bei Kämpfen in der Stadt Hass seien 17 Menschen verletzt worden, hiess es weiter. Auch aus der umliegenden Region wurden Kämpfe gemeldet. Bei Razzien von Sicherheitskräften in Homs wurden nach Angaben der Menschenrechtsorganisation zwei Bewohner getötet und sechs weitere verletzt.

Die Arabische Liga hält zu Assad

Die Arabische Liga behält das Mitglied Syrien trotz der brutalen Unterdrückung der Protestbewegung durch das Assad-Regime in seinen Reihen. Eine von den Golfstaaten vorgeschlagene Suspendierung Syriens wurde in der Nacht zum Montag in Kairo nicht angenommen. Die Aussenminister der Liga-Staaten forderten bei einer Dringlichkeitssitzung Syrien lediglich auf, die Gewalt binnen 15 Tagen zu beenden und in dieser Zeit auch am Sitz der Arabischen Liga in Kairo einen Dialog mit der Opposition zu beginnen.

Syrien lehnte dies ab. Die Nachrichtenagentur Sana meldete, Damaskus habe Vorbehalte gegen den Entscheid der Aussenminister und wolle keinen Dialog ausserhalb Syriens. Basma Kadmani, die Sprecherin des oppositionellen Nationalrates, zeigte sich zutiefst enttäuscht von dem Ergebnis der Sitzung in Kairo. Die Syrer fühlten sich von den Arabern im Stich gelassen, sagte sie im Interview mit dem Nachrichtensender al-Arabiya. Die 15- Tage-Frist sei eine Einladung für weiteres Blutvergiessen.

Noch vernichtender fiel das Urteil der Führung des syrischen Aufstandes aus. In einer Erklärung der «Revolutionäre» hiess es, die Liga habe ein Regime zum Dialog aufgefordert, «das immer mehr einer kriminellen Söldnertruppe von Gesetzlosen ähnelt».

Widerstand aus Angst

Ein hartes Vorgehen gegen Syrien sollen dem Vernehmen nach der Jemen, Algerien, Libanon und Sudan strikt abgelehnt haben. Bis auf Libanon sind dies allesamt Staaten mit Regierungen, die selbst Sorge haben, von ihrer eigenen Bevölkerung oder – wie im Falle des Sudan – von der internationalen Staatengemeinschaft zur Rechenschaft gezogen zu werden.

Libanon gibt sich unter seiner neuen Regierung, die von der pro- iranischen Schiiten-Bewegung Hizbollah dominiert wird, solidarisch mit dem Regime von Präsident Bashar Assad. Auch der Irak, der Oman und Dschibuti wollten Syrien nicht ausschliessen. Sie plädierten nach Angaben aus Delegationskreisen für eine «friedliche Lösung» und führten die Intervention in Libyen als Negativ-Beispiel an.

SDA/kpn

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