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Teil eines grösseren Plans

Der Angriff begann um 7 Uhr: Kurden wollen Sinjar im Irak zurückerobern. Dem IS soll endlich das Genick gebrochen werden.

7500 kurdische Kämpfer attackierten heute in den Morgenstunden die Stadt Sinjar im Norden des Irak, unterstützt von der US-Luftwaffe. Die Stadt nahe der Grenze zu Syrien ist strategisch wichtig. Sie liegt an der Hauptverkehrsachse, die die Städte Mosul und Raqqa verbindet. Es sind die Machtzentren des Islamischen Staates (IS) im Irak beziehungsweise in Syrien. Sinjar wird seit dem Sommer 2014 grösstenteils vom IS kontrolliert. Damals drangen die Jihadisten in einer Blitzoffensive in den Irak vor und bedrohten zwischenzeitlich sogar die Hauptstadt Bagdad. Gelingt die Eroberung und kann die Stadt danach auch gehalten werden, wäre dies ein entscheidender Schritt zur Teilung der IS-Gebiete im Irak und Syrien. Sicher ist der Erfolg trotz wochenlanger Vorbereitung nicht. Der IS hatte mehr als ein Jahr Zeit, um sich in der Stadt einzugraben. Die Rede ist von Minenfeldern, Sprengfallen in Häusern und Selbstmordattacken.

Sinjar hat darüber hinaus auch eine wichtige symbolische Bedeutung. In der Bergregion um die Stadt wurden als Folge der IS-Offensive Tausende Mitglieder der Minderheit der Jesiden eingeschlossen. Die Bilder von Alten, Frauen und Kindern, die im Sinjargebirge zu verhungern drohten, gingen um die Welt. Und waren der Anlass für den Start der Luftangriffe der von den USA geführten Koalition gegen den IS – zunächst ab August 2014 im Irak und dann ab September 2014 auch in Syrien.

Die Offensive des IS im Irak konnte seither gebremst werden. Die Jihadisten haben Teile des von ihnen kontrollierten Gebiets verloren. Die Angaben dazu, wie viel genau, sind widersprüchlich. Von 15 Prozent ist die Rede. Es sind vor allem Gebiete um Bagdad und mehrheitlich von Schiiten bewohnte Gebiete weiter südlich der Hauptstadt, aus denen der IS verdrängt werden konnte.

Nach einem Luftangriff durch US-Kampfjets: Rauch steigt über der Stadt Sinjar auf. (12. November 2015, Bild: Reuters)
Nach einem Luftangriff durch US-Kampfjets: Rauch steigt über der Stadt Sinjar auf. (12. November 2015, Bild: Reuters)

Insgesamt ist der Kampf gegen den IS sowohl im Irak als auch in Syrien, wo die USA seit Ende September 2014 Luftangriffe fliegen, jedoch viel weniger weit fortgeschritten, als ursprünglich geplant. Eigentlich sollte die Metropole Mosul, die Machtzentrale des IS im Irak, bereits seit Monaten befreit sein. Doch die geplante Offensive im Frühjahr konnte nicht zu Ende geführt werden. Stattdessen ging der IS im Mai weiter südlich sogar überraschend in die Offensive und eroberte die Stadt Ramadi, die Hauptstadt der fast ausschliesslich von Sunniten bewohnten Provinz Anbar. Wie schon im Sommer 2014 ergriffen irakische Soldaten panikartig die Flucht vor den anrückenden Jihadisten.

Die folgenden Karten des amerikanischen Institute for the Study of War zeigt die Situation in den beiden Ländern im Herbst dieses Jahres. Die vom IS kontrollierten Gebiete sind grau eingefärbt.

Die Lage im Irak. Zur vergrösserten Ansicht.
Die Lage im Irak. Zur vergrösserten Ansicht.
Die Lage in Syrien. Zur vergrösserten Ansicht.
Die Lage in Syrien. Zur vergrösserten Ansicht.

Über den Sommer wurde daher eine neue Strategie vorbereitet. Der Kommandant der Koalition gegen den IS im Irak und Syrien, US-General Sean MacFarland, beschrieb sie im Oktober folgendermassen: «Wir versuchen den Feind zu zwingen, an mehr als einer Front zu kämpfen.»

Derzeit laufen im Irak Angriffe auf vom IS gehaltene Gebiete, die mehrere Hundert Kilometer auseinanderliegen. Um Sinjar kämpfen seit heute Kurden mit US-Luftunterstützung, Ramadi wurde in den letzten Wochen von der irakischen Armee mit US-Unterstützung eingekesselt. Derzeit laufen die Vorbereitungen für den Angriff auf die Stadt. Und Ende Oktober wurde die Ölraffinerie von Baiji, einst die grösste des Landes, von regulären irakischen Truppen zusammen mit 10'000 schiitischen Kämpfern aus dem Süden des Landes zurückerobert.

In Syrien ist der IS seit dem Start der russischen Luftangriffe im September unter Druck geraten. Auch wenn die Russen neben dem IS vor allem andere Gegner ihres Verbündeten, des syrischen Machthabers Bashar al-Assad, attackieren. Anfang dieser Woche konnte die syrische Armee erstmals in diesem Jahr einen wichtigen Sieg erringen. Die Belagerung des IS um die Luftwaffenbasis der Armee ausserhalb von Aleppo konnte mit russischer Unterstützung durchbrochen werden. Die Basis war während fast dreier Jahre eingeschlossen.

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