Tödlichster Angriff auf UNO-Blauhelme seit 1993

In Kongo-Kinshasa sind bei einem gezielten Angriff auf UNO-Friedenstruppen 14 Soldaten getötet worden. UN-Chef Guterres spricht von einem «Kriegsverbrechen».

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Bei einem Rebellenangriff auf Truppen der UNO-Friedensmission Monusco in Kongo-Kinshasa sind nach Angaben der Vereinten Nationen mindestens 14 Blauhelm-Soldaten und 5 Angehörige der kongolesischen Streitkräfte getötet worden. Weitere 53 UNO-Soldaten seien verletzt worden.

Der Angriff – vermutlich von Mitgliedern der Rebellengruppe ADF – habe einem Stützpunkt der Friedenstruppen in Semuliki in der Provinz Nord-Kivu gegolten. Es sei Verstärkung geschickt worden, twitterte der Leiter der weltweiten UNO-Friedenseinsätze, Jean-Pierre Lacroix. Die getöteten Blauhelmsoldaten stammten weitgehend aus Tansania.

Auch die Schweiz beteiligt sich an der Friedensmission Monusco, allerdings nicht mit Blauhelmen, wie EDA-Sprecherin Noémie Charton auf Anfrage bestätigte. Nach ersten Abklärungen liegen keine Berichte über Schweizer Opfer vor. Gemäss Informationen des Schweizer Kompetenzzentrum für Militärische Friedensförderung Swissint sind vier Schweizer Stabsoffiziere in Goma stationiert. Die Schweizer Armee unterstützt die Mission zusätzlich mit Spezialisten im Bereich der humanitären Minenräumung.

«Der schlimmsten Angriff der jüngeren Geschichte»

Der Leiter der UNO-Friedenstruppe, Maman Sidikou, verurteilte den Vorfall aufs Schärfste. Derartige Angriffe seien «feige und ein schwerer Verstoss». Die UNO-Mission werde alles Nötige tun, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen.

UNO-Generalsekretär Antonio Guterres äusserte im Kurzbotschaftendienst Twitter seine «Empörung». Sein Sprecher Stéphane Dujarric sprach auf Twitter vom «schlimmsten Angriff auf UNO-Blauhelme in der jüngeren Geschichte der Organisation». «Diese gezielten Angriffe auf UNO-Blauhelme sind inakzeptable und ein Kriegsverbrechen», so Guterres.

Seit dem Jahr 1993 hatte kein einzelner Angriff auf UNO-Soldaten mehr so viele Todesopfer unter Blauhelmen gefordert. In jenem Jahr kamen am 5. Juni 24 Soldaten aus Pakistan bei einer Friedensmission in Somalia ums Leben.

Hunderte zivile Opfer

Im Osten des Kongo sind zahlreiche Rebellengruppen aktiv, denen es vor allem um die Kontrolle über die reichen Bodenschätze der Region wie Gold, Kobalt oder Zinn geht. Die Armee liefert sich seit Jahren schwere Gefechte mit der von muslimischen Ugandern dominierten Rebellengruppe Alliierte Demokratischen Kräfte (ADF).

Mehr als 700 Zivilisten wurden seit Oktober 2014 getötet, viele von ihnen mit Messern und Macheten. Die Monusco und die kongolesische Regierung machen die ADF für diese Angriffe verantwortlich.

Grösste und teuerste UNO-Mission

Der Blauhelmeinsatz ist mit rund 16'000 Personen der grösste und teuerste der Welt. Die Soldaten sollen in dem afrikanischen Land für eine Beruhigung der Lage im Konflikt mit mehreren bewaffneten Gruppierungen sorgen. UN-Angaben zufolge wurden seit dem Beginn der Mission im Jahr 1999 fast 300 Blauhelme in dem Land getötet.

Der Kongo hat in etwa genauso viele Einwohner wie Deutschland, ist aber mehr als sechsmal so gross. In dem Land spielten sich bereits häufiger Gräueltaten ab, was teils mit den grossen Bodenschätzen des Landes zusammenhängt. Die Nation litt unter einer der brutalsten Kolonialherrschaften, bevor sie für Jahrzehnte zur Diktatur wurde. Es folgten eine Reihe von Bürgerkriegen.

(mch/sda/ap)

Erstellt: 08.12.2017, 18:06 Uhr

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