Kein Rezept gegen die Bombenbauer

US-Soldaten töten den Chef der Khorasan-Terrorgruppe. Sie haben kaum Alternativen.

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Nur weil eine Bedrohung unsichtbar ist, ist sie noch lange nicht vorüber, das ist eine der Lehren aus dem Kampf gegen den internationalen Terrorismus, bald 14 Jahre nach den Anschlägen des 11. September 2001 in den USA. Mehr, als al-Qaida in den Untergrund zu drängen, haben die Amerikaner mit den gezielten Tötungen von Terror-Kadern bisher nicht erreicht, sei es mit Drohnen oder herkömmlichen Luftangriffen.

Sieht man einmal ab davon, dass die Taktik völkerrechtlich zumindest fragwürdig ist: Der Nachweis, dass sie mehr erreichen kann, als Terrorgruppen vorübergehend zu schwächen, steht aus. Zivile Opfer dagegen, die bei solchen Angriffen immer wieder zu beklagen sind, treiben den Extremisten neue Rekruten in die Arme.

Das Problem ist allerdings komplex: Wenn im Irak, in Syrien, Pakistan, Afghanistan, Somalia oder Libyen Extremisten Terrorattacken gegen westliche Ziele planen, dann tun sie das in Gebieten, die sich jeder Staatsgewalt entziehen. Deswegen gehen Jihadisten wie die Khorasan-Gruppe gezielt in solche Gebiete. Das war schon in Afghanistan so, wo die Idee und Planung für den Massenmord in New York, Washington und Shanksville ihren Ausgang nahm.

Unverantwortliche Alternative

Die Alternative, die Terroristen in ihren Rückzugsgebieten unbehelligt ihrem Geschäft nachgehen zu lassen, wäre unverantwortlich. Einen Trupp Polizisten dorthin zu schicken, um ihnen anschliessend den Prozess zu machen, nach rechtsstaatlichen Gesichtspunkten der Idealfall, ist ebenfalls nicht möglich. Und passive Sicherheitsmassnahmen, etwa beim Flugverkehr, oder die Terrorabwehr durch Geheimdienste und Polizei aber werden auf Dauer nicht ausreichen, um weitere Anschläge zu verhindern.

Es war vor allem Glück und Stümperei der Bombenbauer zu verdanken, dass die in Jemen ansässige Al-Qaida-Filiale mit ihren bisherigen Versuchen gescheitert ist, eine Passagiermaschine über Detroit und zwei Frachtflugzeuge auf dem Weg in die USA mit neuartigen Sprengsätzen in der Luft zur Explosion zu bringen. An Bord gelangt und zündfähig waren die Bomben nämlich schon.

Erstellt: 22.07.2015, 22:34 Uhr

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