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Tür an Tür mit Osama

Monate vor dem Zugriff haben sich offenbar CIA-Agenten in Osama Bin Ladens nächster Nachbarschaft angesiedelt, um dessen Lebensgewohnheiten auszuspionieren. Dieser entzog sich jedoch bis zum Schluss ihren Blicken.

Die CIA hofft, hier wichtige Fingerabdrücke zu finden: Osama Bin Ladens Haus in Abbottabad.
Die CIA hofft, hier wichtige Fingerabdrücke zu finden: Osama Bin Ladens Haus in Abbottabad.
Keystone
Die Zerstörung gibt einen Eindruck über das Ausmass der Intervention: Im Innern von Bin Ladens Anwesen.
Die Zerstörung gibt einen Eindruck über das Ausmass der Intervention: Im Innern von Bin Ladens Anwesen.
Reuters
Einer der Söhne Osama Bin Ladens, Omar Bin Laden, in Saudiarabien im Jahr 2007.
Einer der Söhne Osama Bin Ladens, Omar Bin Laden, in Saudiarabien im Jahr 2007.
Reuters
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Mehrere Monate lang lebten Agenten der CIA in nächster Nachbarschaft von Osama Bin Laden. Dies berichten mehrere amerikanische Medien unter Berufung auf Regierungsquellen. Als die USA im vergangenen August davon Wind bekamen, dass sich der Terrorist möglicherweise in der pakistanischen Stadt Abbottabad aufhalte, richteten sie für ein kleines Team ein Haus in der Ortschaft ein. Die Agenten hatten den Auftrag, das Gelände auszuspionieren. Sie sollten herausfinden, welche Personen im verdächtigen Haus wohnten und was sie darin trieben.

Die modernsten Hightech-Geräte kamen dabei zum Einsatz. Gemäss der «New York Times» sassen die Agenten hinter verspiegeltem Glas und beobachteten das Haus mit Teleobjektiven. Infrarotkameras sollten den Grundriss erfassen, hochsensible Abhörgeräte Stimmen und Telefongespräche im Innern des Hauses aufzeichnen. Mit einem Radar suchten die Spione nach möglichen Fluchttunneln.

Aktion kostete mehrere Millionen Dollar

Die Operation war offenbar so teuer, dass die CIA im Dezember den Kongress um einen Zusatzkredit ersuchte, wie die «Washington Post» berichtet. Offenbar ging es um Dutzende von Millionen Dollar. Die Zeitung beruft sich auf eine Quelle aus der Regierung, die nicht namentlich zitiert werden will, weil sie nicht befugt sei, derartige Informationen preiszugeben. Die CIA wollte die Gerüchte nicht kommentieren.

Trotz des grossen Aufwands soll es den Agenten in Abbottabad aber nicht gelungen sein, ein Foto von Bin Laden zu schiessen. Ebenso wenig schafften sie es, die Stimme des grossen schlanken Mannes aufzunehmen, der täglich im Hof spazierte. Bin Laden konnte somit vor dem Angriff der Navy Seals nicht eindeutig identifiziert werden. Aktive und ehemalige Mitglieder des Geheimdiensts zollen dem Terroristen für dessen Disziplin, mit der er sich neugierigen Blicken entzog, Respekt. Als ihn Drohnen vor zehn Jahren lokalisiert hätten, sagte ein ehemaliger CIA-Agent gegenüber der Zeitung, seien jeweils Bodyguards, mehrere Geländewagen und dergleichen auf den Bildern zu erkennen gewesen.

Wahl des Verstecks war ein Fehler

Offenbar verzichtete Bin Laden in seinen letzten Jahren auf ausgeklügelte Sicherheitsvorkehrungen. Auch der Umstand, dass der Terrorist Abbottabad als Versteck gewählt hatte, erstaunt Experten. Einerseits sei der Ort zwar ideal gewesen, weil die Stadt keine Hochburg der Islamisten sei und die CIA-Analysten einen Terroristen eher in Städten wie Peschawar, Quetta oder Karachi vermuten würden. «Abbottabad wäre eher nicht auf der Liste des Geheimdienstes», sagt ein ehemaliger CIA-Mann. Trotzdem sei Bin Ladens Wahl ein verhängnisvoller Fehler gewesen: «Abbottabad war für Bin Laden die Achillessehne. Denn jeder kann dorthin gehen. Das machte es für die CIA einfacher.»

Der Geheimdienst profitierte davon, dass er sich in der Stadt frei bewegen konnte. Er schaffte es unbemerkt, verdeckte Informanten anzuheuern und in Ruhe seine Basis in Bin Ladens Nachbarschaft einzurichten. Beim Zugriff der Navy Seals spielte diese dann allerdings keine Rolle mehr. Und nach der erfolgreichen Operation wurde gemäss der «Washington Post» die Unterkunft der US-Spione geschlossen – einerseits aus Sicherheitsgründen, andererseits weil sie nun nicht mehr benötigt werde.

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