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Tweets aus der belagerten Stadt

IS-Milizen beschiessen Kobani in Syrien seit Tagen. Journalisten harren dort aus – und berichten von offenen Kebapständen und Granateinschlägen.

ajk
Wollen in ihre Heimat Kobani zurückkehren: Syrische Kurden an der Grenze zur Türkei. (28. September 2014)
Wollen in ihre Heimat Kobani zurückkehren: Syrische Kurden an der Grenze zur Türkei. (28. September 2014)
Reuters

Seit mehr als einer Woche belagert der Islamische Staat (IS) die an der syrisch-türkischen Grenze gelegene Stadt Kobani (Redaktion Tamedia berichtete). Noch wird der für den IS strategisch wichtig gelegene Ort mit 50'000 Einwohnern von kurdischen Peshmerga-Kämpfern verteidigt. Wie lange sie den vorrückenden Milizen aber standhalten können, ist ungewiss – denn der IS ist den Kämpfern waffentechnisch und zahlenmässig weit überlegen.

Laut der syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte haben die Islamisten bereits drei Fronten um Ain al-Arab, wie die Stadt auf Arabisch heisst, aufgebaut. Während regelmässig Granaten im Westen einschlagen, werden nach Augenzeugenberichten auch von Osten her Artilleriegeschosse abgefeuert. Beobachter von der türkischen Grenze sprachen in den vergangenen Tagen wiederholt von «schwerem Beschuss», auch ein Korrespondent des kurdischen Nachrichtenportals «Rudaw» berichtete von Angriffen auf das Zentrum der Stadt.

«Mehrere Explosionen in kurzer Folge»

Ähnliches hat auch der schwedische Journalist Joakim Medin, der sich in Kobani befindet, zu berichten. «Viele verletzte Zivilisten und Kämpfer werden in das örtliche Krankenhaus eingeliefert», so der Reporter auf Twitter. «Erneut Beschuss. Mehrere Explosionen in kurzer Folge. Einschläge in Türkei. So heftig waren Angriffe tagsüber noch nie», so schildert auch der deutsche Journalist Dirk Emmerich, der sich auf der türkischen Seite der Grenze aufhält, heute die Lage.

«Die Leute brauchen dringend Hilfe»

Wegen der andauernden Kämpfe zwischen dem IS und den Peshmerga mussten immer mehr Bewohner der Stadt zuletzt fliehen. Schätzungen zufolge haben bereits Zehntausende Kobani in Richtung Türkei verlassen. Wie die arabische Journalistin Jenan Moussa schreibt, würden reihenweise Autos Richtung Norden aus der Stadt fahren.

Mahmud Basar, Sprecher der Stadtregierung von Kobani, fühlt sich durch diese Bilder der Menschenströme an das irakische Sinjar erinnert, wo der IS im August Hunderte Anhänger der religiösen Minderheit der Jesiden getötet und Tausende zur Flucht gezwungen hatte. «Es besteht die Gefahr eines neuen Massakers, wie in Sinjar», erklärte er gestern gegenüber der «SonntagsZeitung». «Die Leute in Kobani brauchen dringend Hilfe – und zwar heute und nicht morgen», so Kriegsreporter Kurt Pelda, der sich als einer der wenigen westlichen Journalisten bis vor kurzem in Kobani aufhielt, noch am Freitag gegenüber dem SRF.

«Das Blatt hat sich gewendet»

Am Kampf um Kobani beteiligt sich seit letzter Woche auch die von den USA geführte Anti-IS-Allianz, die Stellungen der Miliz einige Kilometer vor den Toren der Stadt bombardiert. Zwar konnte der IS die Stadt bisher nicht einnehmen. Doch am Erfolg der Luftangriffe haben viele Beobachter dennoch ihre Zweifel. «Bisher haben sie nichts Nennenswertes getroffen», erklärte etwa Idris Naasan, Mitglied der Stadtverwaltung, gegenüber der «SonntagsZeitung».

Inzwischen konnte der Vormarsch des IS laut Pelda aber offenbar vorerst gestoppt werden. «Das Blatt hat sich dank der US-Luftschläge gewendet, die Bewohner kehren langsam in die Stadt zurück», berichtete der Reporter heute gegenüber dem deutschen Radiosender HR-info.

«Einige Läden sind wieder offen»

Die Stimmung in der umstellten Stadt selbst bezeichneten mehrere Beobachter zuletzt aber als «relativ ruhig». Viele Restaurants und Geschäfte seien weiterhin geöffnet, berichtete ein Reporter der «SonntagsZeitung». Die Bewohner würden versuchen, ein normales Leben zu führen – auch Medikamente und Nahrungsmittel seien grösstenteils vorhanden, zitiert die Zeitung einen lokalen Politiker. Kurt Pelda schilderte sogar, dass viele Flüchtlinge nach Kobani zurückkehren. «Einige Läden und Kebapstände sind wieder offen, das Leben kehrt in die Stadt zurück», so der Journalist gestern auf Twitter.

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