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Überlebt und vergessen

Ein Viertel der Holocaust-Überlebenden in Israel lebt in Armut. Sie fühlen sich vom Staat und von der Gesellschaft alleingelassen.

Von Joëlle Weil, Tel Aviv
Ein Stillleben von Dow Y.s Zimmer in Tel Aviv: Der gebürtige Ungar ist einer von heute noch 193'000 Holocaust-Überlebenden in Israel. Foto: Ronen Zvulun (Reuters)
Ein Stillleben von Dow Y.s Zimmer in Tel Aviv: Der gebürtige Ungar ist einer von heute noch 193'000 Holocaust-Überlebenden in Israel. Foto: Ronen Zvulun (Reuters)

Was kann Dow schon tun? Tagein, tagaus sitzt er in seinem Zimmer, der Verputz der Wände bröckelt, es ist kalt, das Sofa ist zum Bett ausgezogen. Gäste hat er keine. Für den Fall, dass doch welche kommen sollten, stehen zwei Plastikstühle aufeinandergestapelt in der Ecke. Aber es kommt keiner.

Dow Y. ist 87 Jahre alt, hat keine Familie, seine Freunde sind alt oder tot. Eine Schwester lebt noch, sie ist 93 und so krank, dass sie seit zwei Jahren bettlägerig und nicht mehr ansprechbar ist. Dow würde gern ab und zu in einem Restaurant essen, aber dafür reicht das Geld nicht. Das Geld reicht eigentlich für fast gar nichts, denn Dow lebt von 3000 Schekel pro Monat, umgerechnet 750 Franken, an der israelischen Armutsgrenze. Die Hälfte seines Einkommens ist Wiedergutmachungsgeld aus Deutschland, den Rest erhält er vom israelischen Staat.

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