Krieg in Syrien

UNO setzt Hilfslieferungen für Syrien nach Angriff fort

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Hilfskonvoi in Syrien will die UNO ihre Hilfslieferungen rasch wieder aufnehmen. Die Vorbereitungen für neue Lieferungen seien bereits im Gange.

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Neue Luftangriffe, fehlende Hilfen, gegenseitige Schuldzuweisungen: Eine tatsächliche Waffenruhe für ganz Syrien scheint wieder weiter entfernt denn je. Ein Lichtblick: Die Vereinten Nationen kündigen an, ihre Hilfslieferungen wieder aufzunehmen. Mehrere Konvois sollen bereits am Donnerstag dringend notwendige Güter in betroffene Regionen bringen, sagte der Sprecher des UN-Büros für Nothilfekoordinierung, Jens Laerke, am Mittwoch.

Wohin sie fahren werden, verriet Laerke nicht, machte aber klar, dass sie nicht nach Aleppo gehen würden. Die Lieferungen waren nach einem Angriff auf einen Hilfskonvoi in der Provinz Aleppo vorübergehend ausgesetzt worden. Dabei waren rund 20 Menschen getötet und Lastwagen mit Essen und Medikamenten zerstört worden.

Russland beschuldigt

Augenzeugen, die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte und eine weitere Aktivistengruppe, die Örtlichen Koordinationskomitees, machten russische und syrische Kampfjets für den Angriff verantwortlich. Auch die US-Regierung hatte Russland am Dienstag zumindest indirekt zum Verantwortlichen erklärt. Moskau stritt jegliche Beteiligung ab.

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow sagte bei einer Sitzung des UN-Sicherheitrates in New York, es könne eine Reihe verschiedener Erklärungen für den Zwischenfall geben. Ein sichtlich aufgebrachter Kerry erklärte, er sei diese immer wieder wechselnden Darstellungen Russlands leid. «Das ist kein Scherz.» Es gehe um Leben und Tod und nicht um Wortspielchen. Lawrow beklagte seinerseits Verstösse der von den USAunterstützten Rebellen gegen die Waffenruhe und erklärte, der Konflikt in Syrien sei ohnehin eine direkte Konsequenz der militärischen Einmischung von aussen.

Die Reden der beiden machten die tiefen Gräben im Syrien-Konflikt deutlich. Dabei hätte sich der UN-Sicherheitsrat am Mittwoch eigentlich treffen wollen, um die Waffenruhe offiziell zu verankern.

Luftangriffe gehen weiter

Dem Schlagabtausch folgten aber auch konkrete Vorschläge, wie die Feuerpause in Syrien wiederbelebt werden könnte. Um wieder glaubhaft zu sein, müssten alle beteiligten Staaten ihre Kampfjets am Boden lassen und Hilfslieferungen zulassen, verlangte etwa Kerry. Die Hilfe soll nun zwar nicht in Aleppo, aber zumindest in anderen Teilen Syriens wieder rollen.

Doch dort ging auch die Gewalt weiter. Am Mittwoch gab es im Norden des Landes unter anderem einen Luftangriff, der fünf medizinische Mitarbeiter einer Hilfsorganisation tötete. Das teilte die in Paris ansässige Union of Medical Care and Relief (UOSSM) mit. Die Getöteten hätten zu einem Notfallteam gehört, das gerade im Einsatz gewesen sei.

Die Beobachtungsstelle meldete zudem, dass mutmassliche Luftangriffe der syrischen Regierung in der Stadt Aleppo und in der Provinz Idlib 23 Zivilisten getötet hätten. Es sei wahrscheinlich, dass die Opferzahl noch steige.

(mch/sda)

Erstellt: 21.09.2016, 20:33 Uhr

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