Unliebsame Aktivistin

Die US-Studentin Lara Alqasem sitzt seit zwei Wochen am Flughafen von Tel Aviv fest. Israel lässt sie nicht einreisen.

Wartet auf dem Flughafen in Tel Aviv auf den nächsten Gerichtstermin: Lara Alqasem.

Wartet auf dem Flughafen in Tel Aviv auf den nächsten Gerichtstermin: Lara Alqasem.

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Warum fürchtet sich Israel vor dieser jungen Amerikanerin, fragten Bret Stephens und Bari Weiss, zwei konservative Kolumnisten der «New York Times». Gemeint ist Lara Alqasem, die sich seit zwei Wochen auf dem Flughafen Ben Gurion in Tel Aviv befindet. Die US-Amerikanerin darf nicht nach Israel einreisen, trotz eines für ein Jahr gültigen Studentenvisums, das ihr das israelische Konsulat in Miami ausgestellt hat. Die Sicherheitsbehörden und der für strategische Angelegenheiten zuständige Minister Gilad Erdan werfen ihr vor, Boykottaktionen gegen den Staat Israel gefördert zu haben. Sie wollen die 22-Jährige in die USA zurückschicken. Ein 2017 beschlossenes Gesetz sieht vor, dass Israel Unterstützern von Boykottmassnahmen die Einreise verweigern darf.

Hiergegen ist Alqasem vor Gericht gezogen. Eine erste Klage wurde abgewiesen. Aber am Sonntag setzte der Oberste Gerichtshof in Israel ein neues Verfahren für Mittwoch an. Bis dann muss Alqasam auf dem Flughafen ausharren, darf aber nicht abgeschoben werden.

Einreisesperre wegen Hochschulverein

Die Studentin aus Fort Lauderdale hat einen Studienplatz an der Hebräischen Universität in Jerusalem, wo sie ihren Master in Menschenrechtsstudien absolvieren will. Die Universität unterstützt sie in ihrem Rechtsstreit, 300 Akademiker weltweit haben einen Protestbrief unterzeichnet. Alqasem gibt an, sie sei bei der Einreise am Flughafen am 2. Oktober durch vier Beamte nach ihrer ethnischen Zugehörigkeit gefragt worden. Ihre Grosseltern sind Palästinenser. Alqasem war nach eigener Aussage von 2014 bis 2017 Mitglied der Vereinigung Students for Justice for Palestine an der Universität von Florida – laut Minister Erdan «eine der extremsten, hasserfülltesten BDS-Gruppen in den USA».

«BDS» steht für «Boykott, Desinvestition, Sanktionen» und ruft wegen der Besetzung der Palästinensergebiete zum Boykott Israels auf. Zwei Jahre lang sei sie die Präsidentin der Hochschulgruppe gewesen, sagt Alqasem, diese habe nie mehr als acht Mitglieder gehabt. Sie selbst habe aber nie aktiv an Boykottkampagnen teilgenommen und habe sich vor anderthalb Jahren von der Bewegung distanziert.

Ein Exempel statuieren

Israels Behörden ziehen diese Angaben in Zweifel. Penibel hat der Geheimdienst Shin Bet Alqasems Äusserungen in sozialen Medien studiert. Als Beweis dafür, dass sie an zwei Veranstaltung der früher von ihr geleiteten Organisation teilgenommen habe, nannte die Staatsanwaltschaft zwei Facebook-Einträge von Alqasem.

Ehemalige Professoren und Gastlektoren beschreiben Alqasem als neugierige, sehr offene Studentin, die auch an Vorträgen von Holocaust-Überlebenden teilgenommen habe. Sie habe auch Arabisch und internationale Beziehungen studiert, sei vielfältig interessiert, etwa auch an japanischer Folklore. Ein Brief ihrer Anwälte mit der Versicherung, Alqasem werde sich in Israel nicht an Boykottaufrufen beteiligen, hat bislang nichts an der Einschätzung von Minister Erdan geändert. Der Likud-Politiker gibt offen zu, dass seine Regierung an Alqasem ein Exempel statuieren wolle: «Ich will, dass solche Boykottaktivisten verstehen, dass ihre Taten einen Preis haben.»

Erstellt: 15.10.2018, 18:35 Uhr

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