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UNO will erstmals Drohnen einsetzen

Die Vereinten Nationen wollen ihre Mission im Kongo mit Aufklärungsdrohnen unterstützen. Der Plan stösst auf Ablehnung, besonders im Nachbarland Ruanda.

Werden laut UNO von Ruanda unterstützt: M23-Rebellen ziehen sich Ende November 2012 aus einer Siedlung in der Nähe von Goma zurück.
Werden laut UNO von Ruanda unterstützt: M23-Rebellen ziehen sich Ende November 2012 aus einer Siedlung in der Nähe von Goma zurück.
Keystone

Um die Mission im Kongo zu stärken, will die UNO im Krisengebiet Drohnen einsetzen. Kommt der Einsatz zustande, wäre es das erste Mal überhaupt, dass die Vereinten Nationen in einem friedensfördernden Einsatz unbemannte Fluggeräte zur Aufklärung einsetzen, schreibt «The Independent».

Laut der britischen Zeitung versucht UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon, den Plan auf diplomatischer Ebene in New York durchzusetzen. Die Ratsmitglieder USA, Grossbritannien und Frankreich haben sich bisher für einen Drohnen-Einsatz ausgesprochen; China und Russland klar dagegen. Die beiden Länder fürchten, die gesammelten Informationen könnten in falsche Hände geraten.

Schlecht ausgerüstete Truppen

Im rohstoffreichen Osten des Kongo kämpfen Regierungstruppen seit Monaten gegen die Rebellen der M23-Bewegung. Diese besteht aus früheren Tutsi-Rebellen, die infolge eines Friedensabkommens in die Armee eingegliedert worden waren. Unter anderem aus Protest gegen ihre schlechten Lebensbedingungen verliessen sie Anfang 2012 das Militär jedoch wieder und erhoben die Waffen gegen die Regierung.

Die UNO-Mission Monusco (Mission der Vereinten Nationen in der Demokratischen Republik Kongo ) ist mit 20'000 Soldaten im Krisenland vertreten. Im vergangenen Jahr stellten sich die Friedenstruppen jedoch mehrmals als machtlos heraus. So schaffte es die UNO etwa nicht, einen Einmarsch der M23 in Goma, der grössten Stadt im Osten des Landes, zu verhindern (Redaktion Tamedia berichtete).

Die im Kongo stationierten UNO-Einheiten gelten als schlecht ausgerüstet. Herve Ladsous, verantwortlich für die UNO-Friedensmissionen, forderte erst diese Woche vom Sicherheitsrat zusätzliche Helikopter, Nachtsichtgeräte und Flussboote für die Monusco-Mission.

«Labor für Spielzeuge der Nachrichtendienste»

Jason Stearns, Kongo-Analyst, bezeichnet einen Drohnen-Einsatz im Ostkongo gegenüber der Zeitung «The Independent» als Lösung eines der Schlüsselprobleme der UNO: «Der Einsatz unbemannter Aufklärer in diesem riesigen Land würde die Überwachung der Sicherheitslage massiv vereinfachen. Zusätzlich könnten die Vereinten Nationen mithilfe von Drohnen endlich eindeutige Beweise für ein mögliches Einmischen von Nachbarländern im Konflikt erhalten.»

Die UNO wirft dem benachbarten Ruanda vor, die kongolesischen M23-Rebellen mit Waffen und Proviant zu unterstützten. Die ruandische Regierung in Kigali wies die Berichte der UNO-Experten stets vehement zurück. Auch dem Plan eines Drohnen-Einsatzes im Kongo begegnet das Land mit Empörung. Der ruandische UNO-Diplomat Olivier Nduhungirehe kündigte an, dass sich sein Land massiv gegen einen solchen Einsatz sperren werde. «Wir wollen nicht, dass Afrika ein Labor für die Spielzeuge ausländischer Nachrichtendienste wird.»

Jason Stearn warnt gegenüber der Zeitung «The Independent» schliesslich davor, Drohnen als Allheilmittel für Friedensmissionen zu sehen. Ein Drohnen-Einsatz könnte die UNO von anderen wichtigen Problemen ablenken, etwa vom Zerfall des kongolesischen Staats oder der Tatsache, dass immer mehr Parteien im Konflikt mit Waffengewalt versuchten, an Macht zu gelangen.

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