Er empfahl, Netanyahu anzuklagen – und wurde prompt entlassen

Roni Alsheich wurde von Premier Benjamin Netanyahu persönlich zum Polizeichef Israels ernannt – und dann liess er den Regierungschef über zehnmal vernehmen.

Wurde nach seiner Kritik entlassen: Roni Alsheikh. Foto: PD

Wurde nach seiner Kritik entlassen: Roni Alsheikh. Foto: PD

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Vor drei Jahren heftete ihm Premierminister Benjamin Netanyahu persönlich die Abzeichen an die Schulterklappe, die Roni Alsheich fortan als neuen Polizeichef Israels auswiesen. Damals war für den Politiker des rechten Likud offenkundig nicht absehbar, dass er mit Alsheich keinen treu ergebenen Gefolgsmann für diesen wichtigen Posten auserkoren hatte, sondern jemanden, der ernst meinte, was er bei seiner Ernennung sagte: «Ich stehe nicht auf der linken oder rechten Seite, sondern auf jener des Gesetzes.»

Das bekam Netanyahu denn auch rasch zu spüren, denn der Polizeichef erlaubte nicht nur Ermittlungen gegen den Regierungschef wegen Korruptionsverdachts in mehreren Fällen, sondern liess ihn auch mehr als zehnmal vernehmen. In einem Fall geht es um Geschenkannahmen, in zwei anderen Fällen um positive Berichterstattung im Austausch für Gefälligkeiten. In allen drei Fällen gibt es nach Erkenntnissen Alsheichs genügend Beweise für Untreue, Bestechung und weitere Delikte. Seine letzte Empfehlung gab Alsheich am Sonntag ab – dies war auch sein letzter Arbeitstag.

Dass ihn der Regierungschef loswerden will, war spätestens seit Februar abzusehen, als Alsheich die ersten Anklage-Empfehlungen an den Generalstaatsanwalt weiterreichte, bei dem nun die letzte Entscheidung liegt. Als durchsickerte, dass ihm die sonst übliche Verlängerung für zumindest ein viertes Jahr versagt bleiben würde, erklärte der 55-Jährige öffentlich: Wenn er dafür seine Werte aufgeben müsse, dann verzichte er ohnehin lieber. Ein weiteres Mal trat der ansonsten zurückhaltende Alsheich im Frühjahr an die Öffentlichkeit: «Sehr mächtige Kräfte» hätten Privatdetektive angeheuert, welche rund um die Ermittler in der Causa Netanyahu herumschnüffelten. Wer mit «sehr mächtig» gemeint war, musste der Polizeichef nicht erklären.

Als Grossinquisitor und Linksputschist wurde er von Netanyahu und seinen Anhängern beschimpft. Dabei würde Alsheich als Galionsfigur für die Siedlerbewegung taugen: Der Sohn eines jemenitischen Einwanderers und einer Mutter mit marokkanischen Wurzeln wuchs zuerst in Jerusalem auf, verbrachte aber vom achten Lebensjahr an seine Zeit in Kirjat Arba, einer Hochburg der radikalen Siedlerbewegung bei Hebron im Westjordanland. Später lebte er in der Siedlung Kochav Shachar im Westjordanland, inzwischen hat sich der Vater von sieben Kindern mit seiner Frau in einer religiösen Gemeinschaft in Israels Zentralraum angesiedelt. Alsheich ist orthodox, sein Markenzeichen ist die gehäkelte Kippa, über die er nur selten eine Polizeikappe stülpt.

Im Inlandsgeheimdienst Shin Bet brachte es Alsheich bis zum stellvertretenden Leiter. Der bullige Schnauzbartträger gilt als gutmütig, bis man ihn reizt. Sein Politikwissenschaftsstudium an den Universitäten Haifa und Tel Aviv schloss er mit Summa cum Laude ab und absolvierte noch weitere Studien in Kriminologie und Management in Israel und den USA.

Was er in Zukunft machen wird, weiss Roni Alsheich noch nicht. Netanyahu jedenfall hat sein Versprechen, ihn nach dem Polizeidienst an die Spitze des Inlandsgeheimdienstes zu hieven, nicht eingelöst.

(Redaktion Tamedia)

Erstellt: 05.12.2018, 08:49 Uhr

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