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Unter den Trümmern die Toten

Die Feuerpause im Gazastreifen hat das gesamte Ausmass der Gewalt sichtbar werden lassen: Überall nutzen die Bewohner die Waffenruhe, um ihre Toten aus den Trümmern zu bergen – mehr als 100 binnen weniger Stunden.

Die Verwüstung ist gross: Gaza-Stadt am 6. August 2014.
Die Verwüstung ist gross: Gaza-Stadt am 6. August 2014.
AFP
Palästinenser begutachten eine aus der Luft bombardierte Moschee. (30. Juli 2014)
Palästinenser begutachten eine aus der Luft bombardierte Moschee. (30. Juli 2014)
AP Photo/Lefteris Pitarakis
Eine Palästinenserin läuft durch ein verwüstetes Quartier in Shejaiya. (20. Juli 2014)
Eine Palästinenserin läuft durch ein verwüstetes Quartier in Shejaiya. (20. Juli 2014)
Mahmud Hams, AFP
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Kein Stein steht mehr auf dem anderen vom Haus der Familie Nadjar im Süden von Gaza. Am Vortag war es noch ein dreistöckiges Wohnhaus, jetzt ist nur ein grosser Krater geblieben, aus dem Rettungskräfte immer mehr Opfer bergen. Insgesamt 16 Mitglieder der Familie Nadjar wurden bei einem israelischen Luftangriff getötet, nur Stunden vor Beginn einer zwölfstündigen Waffenruhe am Morgen.

Überall in dem dichtbesiedelten Küstenstreifen nutzen die Bewohner die kurze Feuerpause, um ihre Toten aus den Trümmern zu bergen. «Ich war auf dem Balkon im zweiten Stock, als der Angriff einschlug. Die Wucht des Einschlags warf mich raus und fort von dem Gebäude», sagt Hussein al-Nadjar vor den Trümmern seines Hauses. Der Krater ist voll mit geborstenem Beton und verbogenem Metall, dazwischen liegen Kleidungsstücke verstreut. Nadjars eines Auge ist von einem Verband bedeckt, und auch seine Arme und Beine sind verbunden. «Meine beiden Söhne wurden getötet und meine Frau, sie war im fünften Monat schwanger», sagt der Mann, der so stark unter Schock steht, dass er kaum sprechen kann.

Seine Grossmutter dagegen schreit vor Wut und Verzweiflung. «Meine gesamte Familie, meine Söhne, meine Enkel, alle sind tot!», ruft die 85-Jährige, deren weisse Haare unter einem Kopftuch hervorschauen, bevor sie in Tränen ausbricht. Um sie herum stehen andere Frauen und Kinder, die weinend ihren Nachbarn ihr Beileid ausdrücken. Überall im Gazastreifen ereignen sich ähnliche Szenen. Laut den Rettungskräften werden bis zum Nachmittag mehr als 100 Leichen aus den Trümmern geborgen, manche verbrannt oder bereits in Totenstarre. Vielerorts bot sich ein Bild der Zerstörung: Ganze Wohnblocks waren dem Erdboden gleichgemacht, manche Palästinenser verglichen das Ausmass der Verwüstungen mit einem «Erdbeben der Stärke 10».

Israel: Hamas verantwortlich für die Toten

Im Osten von Shijaiyah, wo bei einigen der schlimmsten Angriffe ganze Wohnblocks zerstört wurden, ragen hier und dort Körperteile aus dem Schutt. Vielerorts ist der Gestank der in der Hitze verwesenden Leichen überwältigend. Die anhaltenden Kämpfe erschweren die Bergung der Toten wie auch die Versorgung der Verletzten. Während auf den Strassen unablässig die Krankenwagen fahren, nutzen viele Familien die Feuerpause, um sich mit Lebensmitteln und Gas zum Kochen einzudecken, bevor die Kämpfe wieder losgehen.

Nach UNO-Angaben haben bis Donnerstag mehr als 3300 Familien und damit 20'000 Menschen ihr Zuhause verloren. Ebenso viele werden vorläufig nicht zurückkehren können, weil ihre Häuser zu schwer beschädigt sind. Chader Sukar versucht wie viele andere Einwohner von Shijaiyah, wenigstens einige Habseligkeiten aus den Trümmern zu retten - trotz der Angst. «Wir haben Angst vor all den nicht explodierten Bomben auf den Dächern und den Minen am Boden. Angst, beim Öffnen einer Tür auf eine Bombe zu stossen», sagt der Mann.

Für Israel trägt die Hamas-Bewegung die Verantwortung für die Opfer, da sie ihre Waffen inmitten von Wohnhäusern oder gar in Schulen versteckt. Aber selbst bei seinen Verbündeten wächst die Kritik, dass Israel nicht genug zur Vermeidung ziviler Opfer tue. Mehr als tausend Palästinenser wurden seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen vor knapp drei Wochen getötet, der Grossteil davon Zivilisten.

AFP/ajk

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