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US-Anleitung zur Gegenoffensive

Isis-Kämpfer stürmen Richtung Bagdad. Die irakische Regierung bittet die USA deshalb um Hilfe. Washington reagiert mit der Entsendung von 300 «Militärberatern». Über Job und Einfluss dieser Spezialeinheiten.

Die Regierung könnte nun bald den Marschbefehl erteilen: Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien bei Suruc beobachten Kämpfe zwischen kurdischen Einheiten und Kämpfern des IS westlich von Kobane (Ain al-Arab). (2. Oktober 2014)
Die Regierung könnte nun bald den Marschbefehl erteilen: Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien bei Suruc beobachten Kämpfe zwischen kurdischen Einheiten und Kämpfern des IS westlich von Kobane (Ain al-Arab). (2. Oktober 2014)
Bulent Kilic, AFP
Könnten bald selber ins Geschehen eingreifen: Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien bei Suruc beobachten Kämpfe zwischen kurdischen Einheiten und Kämpfern des IS westlich von Kobane. (30. September 2014)
Könnten bald selber ins Geschehen eingreifen: Türkische Soldaten an der Grenze zu Syrien bei Suruc beobachten Kämpfe zwischen kurdischen Einheiten und Kämpfern des IS westlich von Kobane. (30. September 2014)
Burhan Ozbilici, Keystone
Führt IS an: Abu Bakr al-Baghdadi.
Führt IS an: Abu Bakr al-Baghdadi.
Reuters
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Mehrere Tage lang hat es gedauert, bis US-Präsident Barack Obama die US-Antwort formulierte auf den Blitzkrieg sunnitischer Islamisten um Isis, von Stammeskriegern und ehemaligen Anhängern des gestürzten Diktators Saddam Hussein. Es sind behutsame Schritte, die Obama gewählt hat. An deren vorläufigem Ende werden voraussichtlich US-Luftschläge gegen die Aufständischen erfolgen.

Als Erstes wollen die USA jedoch ein besseres Bild der Lage vor Ort erhalten. Mehr noch als vom schnellen Vorrücken der Isis-Kämpfer sei man in Washington vom schnellen Auseinanderbrechen der irakischen Armee überrumpelt worden, heisst es. Neben einer bereits Anfang Woche bekannt gegebenen Verstärkung der Einheiten zum Schutz des US-Botschaftsgeländes in Bagdad schickt Washington nun 300 «Berater», die den Irakern helfen sollen, den Vormarsch der Extremisten zu stoppen. Dabei soll es sich um Mitglieder von Spezialeinheiten des Central Command handeln, die bereits in der Region stationiert sind, schreibt die «Washington Post». Nach Angaben von Mitarbeitern des Verteidigungsministeriums werden sie mehrere Aufgaben wahrnehmen.

Hauptquartiere und Operationszentralen

Die Ersten, die in den nächsten Stunden vor Ort eintreffen sollen, werden in Gruppen von rund einem Dutzend in die Hauptquartiere grösserer irakischer Militäreinheiten geschickt. Dort sollen sie laut einem in der «New York Times» zitierten hochrangigen Offiziellen den Zustand der Verbände evaluieren, einschätzen, wie es um ihren Zusammenhalt steht und welchen Bedarf an zusätzlichen Mitteln sie allenfalls haben. In einer zweiten Phase sollen die «Berater» auch ausserhalb Bagdads und in den Hauptquartieren einzelner Brigaden eingesetzt werden.

Weitere Mitglieder der Special Operations Forces werden in zwei Operationszentralen zum Einsatz kommen, die die USA zusammen mit den irakischen Streitkräften betreiben wollen. Eine erste will man in Bagdad einrichten, eine zweite soll etwas später im Nordirak folgen. Dort werden Geheimdienstinformationen zusammenlaufen und ausgetauscht, heisst es. Zudem wollen die US-Streitkräfte gemeinsam mit den Irakern eine Gegenoffensive planen zur Bekämpfung der Aufständischen. Diese wird aber ausschliesslich durch die irakische Armee erfolgen. Obama hat weiterhin den Einsatz von US-Bodentruppen ausgeschlossen.

Der US-Präsident will hingegen die Aufklärung stark ausweiten. Bereits am Donnerstag sind die USA 34 bemannte und unbemannte Aufklärungsflüge über dem Irak geflogen, zweimal so viele wie noch am Dienstag. Die Entsendung von «Militärberatern» in die Nähe der Kampfgebiete soll auch dazu dienen, allfällige Luftschläge zu leiten. Zurzeit fehlen den USA offenbar die genauen Informationen, die nötig sind, um die richtigen Ziele zu treffen. Die Kämpfer von Isis mischen sich unter die Zivilbevölkerung. Die Gefahr von «Kollateralschäden» bei Angriffen aus der Luft ist gross.

US-Angriffe auch in Syrien möglich

Der US-Präsident bezeichnete solche Einsätze noch als Option. Er hat aber versprochen, Luftschläge würden «gezielt» und «präzise» sein. Dabei könnten die US-Streitkräfte auch erstmals innerhalb Syriens zuschlagen, wo Isis ebenfalls weite Gebiete kontrolliert. «Wir beschränken eine mögliche Aktion nicht auf ein bestimmtes Gebiet», sagte ein nicht genannter hochrangiger US-Regierungsmitarbeiter dem «Guardian».

Die USA könnten von Basen in der Türkei und Katar aus Angriffe fliegen, wofür sie jedoch die Zustimmung dieser Länder bräuchten. Im Persischen Golf stehen darüber hinaus vier Staffeln F/A-18-Kampfjets auf dem Flugzeugträger USS George HW Bush bereit. Die irakische Regierung hatte die USA um Unterstützung aus der Luft gebeten. Die Amerikaner könnten vom Golf aus jederzeit zuschlagen. Präsident Obama drängte die von Schiiten dominierte irakische Regierung jedoch zu einer Änderung ihrer Politik gegenüber den Sunniten und Kurden. Nur so könne eine Aussöhnung gelingen und eine langfristig stabile Ordnung hergestellt werden. Hinter den Kulissen arbeitet man offenbar an einem Abgang des irakischen Ministerpräsidenten Nouri al-Maliki. Dieser hat aber bereits bekannt gegeben, er würde nicht als Bedingung für US-Luftschläge zurücktreten.

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