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US-Kampfhelikopter über Bagdad

Nach dem Angriff auf die US-Botschaft reagiert Washington scharf. Die Regierung schickt 750 zusätzliche Soldaten in die Region.

Warnschüsse gegen die Demonstranten in der grünen Zone: Ein Kampfhelikopter der USA schiesst Leuchtraketen über Bagdad ab. Video: Tamedia/Storyful

Die US-Regierung verlegt wegen der jüngsten Spannungen im Irak per sofort 750 zusätzliche Soldaten in die Region. Darüber hinaus stünden weitere Soldaten bereit, um in den nächsten Tagen auszurücken, erklärte Verteidigungsminister Mark Esper am Dienstag (Ortszeit).

Die Verlegung der Soldaten der 82. Luftlandedivision aus dem US-Bundesstaat North Carolina sei eine Vorsichtsmassnahme angesichts der erhöhten Bedrohungslage im Irak, erklärte Esper.

«Die Vereinigten Staaten werden unsere Bürger und Interessen überall auf der Welt schützen», sagte Esper. Hunderte Soldaten würden «sehr wahrscheinlich» anschliessend weiter in den Irak verlegt, sagte ein hochrangiger US-Regierungsmitarbeiter der Nachrichtenagentur AFP.

Trump: Kein Krieg der USA mit dem Iran zu erwarten

US-Präsident Donald Trump geht nach eigenen Worten nicht davon aus, dass es zum Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran kommen wird. «Ich sehe nicht, dass dies passieren wird», sagte Trump am Dienstagabend (Ortszeit) auf eine entsprechende Reporterfrage in seinem Luxusresort Mar-a-Lago im US-Bundesstaat Florida. «Ich mag den Frieden», fügte der Präsident hinzu, bevor er sich zu einer Silvesterfeier begab.

Nur Stunden zuvor hatte das US-Militär zum Schutz der Botschaft in Bagdad die Verlegung von rund 100 Marineinfanteristen aus Kuwait eingeleitet, nachdem Hunderte Demonstranten gewaltsam versucht hatten, die diplomatische Vertretung zu stürmen.

Das US-Militär setzte unter anderem zwei Kampfhelikopter ein, um die Demonstranten zurückzudrängen. Ein vom Militär veröffentlichtes Video zeigte, wie Helikopter vom Typ «Apache» Signalraketen über der Botschaft abfeuerten. Auslöser der Proteste in Bagdad waren US-Luftangriffe vom Wochenende auf schiitische Milizen, die laut Washington vom Iran unterstützt werden.

Trump droht Iran mit Vergeltung

Trump machte daher den Iran für die jüngsten Ausschreitungen verantwortlich und drohte mit Vergeltung. Jegliche Schäden oder Opfer würden dem Iran teuer zu stehen kommen, schrieb Trump am Dienstagabend (Ortszeit) auf Twitter. «Das ist keine Warnung, das ist eine Drohung. Frohes Neues Jahr!» schrieb Trump.

Der Iran verfügt im Irak über grossen politischen Einfluss und steht damit in Rivalität zu den USA. Ein Sprecher des Aussenministeriums in Teheran wies jedoch Vorwürfe zurück, wonach der Iran für die Proteste an der Botschaft verantwortlich sei.

Aus Protest gegen US-Luftangriffe auf pro-iranische Milizen im Irak hatten tausende Demonstranten das Botschaftsgelände gestürmt. Sie riefen «Tod Amerika», forderten den Abzug der US-Truppen im Irak, warfen Steine, verbrannten US-Flaggen und rissen Überwachungskameras aus den Wänden.

Tor durchbrochen

Dabei durchbrachen hunderte Kämpfer und Anhänger der pro-iranischen Hasched-al-Schaabi-Miliz das Tor in der Aussenwand des Botschaftsgeländes. US-Sicherheitskräfte auf dem Gelände feuerten Schüsse, Tränengas und Blendgranaten ab, um die Demonstranten zu vertreiben. Nach Angaben der Hasched-al-Schaabi-Miliz wurden 62 Menschen verletzt.

Einige Stunden nach dem Angriff landete ein Helikopter mit US-Marineinfanteristen auf dem Botschaftsgelände, um das US-Personal zu schützen. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich ein Teil der Demonstranten bereits von dem Gelände zurückgezogen. Mehrere hundert Menschen harrten dort aber aus.

Hintergrund der Eskalation sind die US-Luftangriffe auf die pro-iranischen Hisbollah-Brigaden, bei denen am Sonntag 25 Kämpfer und Kommandanten getötet worden waren.

Die Hisbollah-Brigaden sind Teil der überwiegend schiitischen Hasched-al-Schaabi-Milizen, die 2014 für den Kampf gegen die sunnitische Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) gebildet worden waren. Heute sind die Hasched-al-Schaabi-Milizen offiziell in die irakischen Streitkräfte integriert, viele Einheiten haben aber ihre Eigenständigkeit bewahrt.

Mit ihren Luftangriffen hatte die US-Armee auf den Tod eines US-Zivilisten bei einem Raketenangriff auf einen US-Militärstützpunkt im Irak reagiert. Bei dem Angriff im nordirakischen Kirkuk waren mehr als 30 Raketen abgefeuert worden.

SDA

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