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US-Soldaten in Skandal-Video identifiziert

Das US-Militär hat kurz nach dem Auftauchen des Videos die Identität von zwei der vier Soldaten herausgefunden, die auf tote Taliban-Kämpfer uriniert haben sollen. Die beiden sind in North Carolina stationiert.

Skandal im US-Militär: Ein Video zeigt, wie US-Soldaten angeblich auf tote Taliban-Kämpfer urinieren. (Video: Reuters)

Ein im Internet kursierendes Video zeigt die mutmassliche Schändung getöteter Taliban-Kämpfer durch US-Soldaten. Die Aufnahme hat international aber besonders in Afghanistan Entsetzen und Empörung ausgelöst.

Mindestens zwei der vier beteiligten US-Soldaten wurden bereits identifiziert, wie ein Vertreter der US-Marineinfanterie heute sagte. Bei ihnen handle es sich um zwei Marines, die auf der Militärbasis Camp Lejeune im US-Staat North Carolina stationiert seien. Ein Beamter des Verteidigungsministeriums sagte gar, die Identität aller vier Soldaten sei bekannt.

Mitglieder des 3. Bataillons

Dem Nachrichtensender CNN zufolge waren die vier Soldaten zwischen Februar und Oktober 2011 vorwiegend in der afghanischen Provinz Helmand im Einsatz. Gemäss der Agentur Reuters sind sie Mitglieder des 3. Bataillons.

Der Fall wird gemäss dem US-Verteidigungsministerium von der Strafverfolgungsbehörde der Marine (NCIS) untersucht, die auch für die Marineinfanterie zuständig ist. Die Echtheit des Videos wurde noch nicht offiziell bestätigt. Verteidigungsminister Leon Panetta erklärte jedoch, sein Ministerium habe keine Hinweise, dass es sich um eine Fälschung handle.

Entsetzen in Afghanistan

In Afghanistan löste diese Leichenschändung Entsetzen aus. Präsident Hamid Karzai forderte die USA auf, die Täter so schwer wie möglich zu bestrafen. Die Tat sei «zutiefst unmenschlich».

Ein Vertreter des Hohen Friedensrates Afghanistans erklärte, wegen solcher Aufnahmen könnten die Taliban leicht junge Menschen für sich gewinnen. «Solche Taten haben einen sehr, sehr schlechten Einfluss auf die Friedensbemühungen», sagte Arsala Rahmani.

Auch Pentagon-Chef Panetta verurteilte die gezeigte Leichenschändung aufs Schärfste. «Dieses Verhalten ist für Angehörige des US-Militärs absolut unangemessen» sagte er gemäss der «New York Times». Die Beteiligten würden dafür «im vollen Ausmass» zur Verantwortung gezogen.

Die Nato verurteilte die Tat als verwerflich und ekelhaft. Die NATO-Schutztruppe für Afghanistan erklärte in Kabul, es handle sich um eine «respektlose und unerklärliche Tat», die unvereinbar sei mit den Verhaltensstandards, welche die ISAF ihren Soldaten auferlege.

Erinnerungen an Abu Ghraib

Im nur 39 Sekunden langen Video, das offenbar in Afghanistan aufgenommen wurde, sind vier US-Marines zu sehen, die über drei blutverschmierten Leichen urinieren. Diese tragen für Afghanistan landestypische Kleidung.

Einer der Soldaten sagt «Schönen Tag noch, Kumpel», während er sich darüber im Klaren zu sein scheint, gefilmt zu werden. Die Aufnahme ist seit Mittwoch im Umlauf. Das Video erinnert an den Skandal von Abu Ghraib. 2004 waren Bilder von US-Soldaten veröffentlicht worden, die in dem irakischen Gefängnis Häftlinge misshandelten.

«Barbarischer Akt»

«Das ist ein barbarischer Akt», sagte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid. Der Vorfall werde dazu beitragen, «dass die Amerikaner und ihre Alliierten ein kurzes Leben in Afghanistan haben».

Das Video werde aber keine Auswirkungen auf die Pläne der Taliban haben, ein Büro im Golf-Emirat Katar zu eröffnen. Mudschahid betonte aber, die Eröffnung bedeute nicht, dass es Friedensverhandlungen gebe.

Ein anderer Taliban-Sprecher äusserte sich in zurückhaltender: Es handle sich bei dem Video nicht um einen «politischen Vorgang». Die Aufnahmen würden die Gespräche oder den geplanten Gefangenenaustausch nicht beeinflussen.

In Misskredit geraten

Die USA bemühen sich derzeit nach über zehn Jahren Krieg um die Aufnahme von Friedensverhandlungen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban. Ein Unterhändler von US-Präsident Barack Obama soll am Wochenende in die Region reisen und unter anderen mit Karzai und Vertretern der Türkei, Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate sprechen.

Die US-Streitkräfte sind bereits wegen anderen Vorfällen bei den Afghanen in Misskredit geraten. So kam es immer wieder zu Bombenangriffen auf Hochzeitsgesellschaften. Zudem soll ein «Kill Team» aus Soldaten in der Provinz Kandahar unbewaffnete Afghanen umgebracht haben.

SDA/wid

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