Von IS-Chef Baghdadi als Sklavin gehalten

Eine 16-jährige Jesidin spricht in einem CNN-Interview über ihre traumatische Gefangenschaft beim IS und ihre Flucht.

«Sie sagten: ‹Konvertiere zum Islam oder stirb›»: Zeinat im Gespräch mit CNN-Korrespondentin Atika Shubert. (Bild: CNN International)

«Sie sagten: ‹Konvertiere zum Islam oder stirb›»: Zeinat im Gespräch mit CNN-Korrespondentin Atika Shubert. (Bild: CNN International)

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«Er war immer böse», sagt Zeinat (Name geändert) über den Mann, der sie mehrere Monate als Sklavin festgehalten hatte. Die 16-jährige Jesidin realisierte erst nach ihrer Flucht, von wem sie terrorisiert und misshandelt worden war. Der Mann war Abu Bakr al-Baghdadi, der berüchtigte Chef des Islamischen Staats in Syrien und im Irak. Zeinat wurde vor einem Jahr von Jihadisten in die syrische IS-Hochburg Raqqa verschleppt, nachdem diese die von Jesiden bewohnte Sinjar-Region im Nordirak erobert hatten. Zeinat wurde von der Terrormiliz als Eigentum angesehen und als Sklavin gehalten – das gleiche Schicksal traf bis zu 3000 andere Frauen und Mädchen, die der jesidischen Religionsminderheit angehören. In der Familie von IS-Chef Baghdadi musste Zeinat kochen, putzen und andere Haushaltsarbeiten erledigen.

In einem CNN-Interview erzählt Zeinat über die schlimme Gefangenschaft beim IS. Gleich zu Beginn habe man sie eingeschüchtert und bedroht. «Sie sagten: ‹Konvertiere zum Islam oder stirb so wie der da.›» Mit «der da» war ein Mann aus dem Westen gemeint, dessen Enthauptung sie in einem Video anschauen musste. Zweimal flüchtete Zeinat mit anderen Mädchen. Beim ersten Mal landete sie bei einer Frau, die ihr angeblich helfen wollte. Stattdessen informierte diese Baghdadi. Die zweite Flucht glückte dank der Hilfe eines Mannes, der Zeinat Schleppern übergab, die sie in den Irak zurückbrachten. Heute lebt sie dort in einem Flüchtlingslager.

Erst beim zweiten Versuch gelang Zeinat die Flucht aus dem Haus von Abu Bakr al-Baghdadi in Raqqa. (Quelle: CNN International)

Zwischen der ersten und der zweiten Flucht musste die junge Jesidin wiederholte Misshandlungen ertragen. Der IS-Chef verprügelte sie und drohte ihr mit Vergewaltigung. In dieser noch traumatischeren Zeit lernte Zeinad die Amerikanerin Kayla Mueller kennen. Die 26-jährige Entwicklungshelferin wurde von Baghdadi ebenfalls als Sklavin gehalten. Er habe die Amerikanerin viermal vergewaltigt, berichtet Zeinad, die mit ihr eine Freundschaft entwickelte. «Wir waren wie Schwestern», sagt sie im CNN-Interview, «als ich geflüchtet bin, wollte sie aber nicht mitkommen.» Die Amerikanerin kam Anfang 2015 unter ungeklärten Umständen ums Leben. Der IS behauptet, dass sie bei Luftangriffen der jordanischen Luftwaffe getötet worden sei.

Erstellt: 09.09.2015, 17:15 Uhr

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