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Wahlen im Jemen werden von Gewalt überschattet

Die jemenitische Bevölkerung wählte einen Nachfolger für den entmachteten Präsidenten Saleh. Doch die Wahlen sorgten teils für Unmut. Bei Gewaltausbrüchen starben mindestens zehn Personen.

zh
Aufruhr vor den Wahllokalen: In Aden geht ein Mann an brennenden Autoreifen vorbei. (21. Februar 2012)
Aufruhr vor den Wahllokalen: In Aden geht ein Mann an brennenden Autoreifen vorbei. (21. Februar 2012)
Keystone

Überschattet von Gewalt im Süden und einem Boykott schiitischer Rebellen im Norden hat die Bevölkerung Jemens am Dienstag einen neuen Präsidenten gewählt. Zur Wahl stand nur ein Kandidat, Abd Rabbo Mansur Hadi, bisher Stellvertreter des aus dem Amt gejagten langjährigen Staatschefs Ali Abdullah Saleh. Zum Urnengang aufgerufen waren mehr als 12 Millionen Stimmberechtigte. In der Hauptstadt Sanaa bildeten sich schon am Morgen lange Schlangen vor den Wahllokalen. Auch aus anderen Städten des Nordens wurde von einer regen Wahlbeteiligung berichtet.

«Wir erklären die Ära von Ali Abdullah Saleh für beendet und werden einen neuen Jemen aufbauen», sagte Friedensnobelpreisträgerin Tawakul Karman, als sie in der Universität in Saana ihre Stimme abgab.

Sie forderte den künftigen Präsidenten auf, sich auch um die Belange der Jugend zu kümmern. Sonst drohe ihm ein ähnliches Schicksal wie seinem Vorgänger. Viele Wähler in Saana betonten, sie hätten ihre Stimme nicht abgegeben, um Hadi zu wählen, sondern vielmehr um Saleh endlich loszuwerden.

Boykott der Rebellen

In den schiitischen Hochburgen hingegen blieben die Wahllokale leer oder geschlossen. Dort hatten die Rebellen, die seit 2004 gegen Saleh gekämpft hatten, zum Wahlboykott aufgerufen.

Entscheidend für die politische Legitimität des neuen Präsidenten wird die Wahlbeteiligung sein. Ein Vertreter der Wahlkommission schätzte sie auf 80 Prozent. Ein genaues Ergebnis soll erst in einigen Tagen feststehen.

«Wir schlagen ein neues Kapitel auf»

Abd Rabbo Mansur Hadi will das Land nach eigenen Worten aus Chaos und Armut führen und einen Bürgerkrieg verhindern. «Wahlen sind der einzige Weg aus der Krise», sagte er nach der Abstimmung. «Wir schlagen ein neues Kapitel auf», verkündete Hadi unter dem Applaus seiner Anhänger.

Der 66-jährige Berufssoldat aus dem Süden soll für eine Übergangszeit von zwei Jahren im Amt bleiben. Danach wird erneut gewählt.

Mit seinem Vorgänger Saleh hatte bereits der vierte arabische Autokrat innerhalb eines Jahres nach monatelangen Protesten die Macht abgegeben müssen. Saleh hatte das Land 33 Jahre lang mit harter Hand geführt. Im Januar setzte er sich in die USA ab. Er kündigte aber an, dass er in den Jemen zurückkehren werde.

Tote und Verletzte

Überschattet wurde die Wahl von Gewaltaktionen im Süden des Landes, bei denen mindestens zehn Menschen starben, darunter zwei Polizisten und ein zehnjähriges Kind. Ein Soldat starb in Mukalla bei einem Angriff auf ein Wahllokal.

Auch in Aden waren vereinzelt Schüsse zu hören. Vor einem Wahllokal war vor der Abstimmung eine Bombe explodiert. Zahlreiche Menschen wurden verletzt.

Der Jemen gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. 42 Prozent der etwa 23 Millionen Jemeniten leben von weniger als zwei Dollar pro Tag. Eine galoppierende Inflation treibt die Preise für Brennstoff und Lebensmittel in die Höhe.

(SDA)

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