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Warum die Briten wirklich in den Irak-Krieg zogen

Regierungsdokumente belegen, dass die Interessen der Ölindustrie ein wichtiger Grund für Grossbritanniens Einsatz im Irak-Krieg waren. Tony Blair hatte stets das Gegenteil behauptet.

Trotz gegenteiliger Beteuerungen, Öl-Interessen waren doch zentral: Der ehemalige britische Premier Tony Blair (bei einem Empfang seines Irak-Krieg-Partners George W. Bush).
Trotz gegenteiliger Beteuerungen, Öl-Interessen waren doch zentral: Der ehemalige britische Premier Tony Blair (bei einem Empfang seines Irak-Krieg-Partners George W. Bush).
Keystone

Fünf Monate vor dem Irak-Krieg fanden in Grossbritannien intensive Diskussionen zwischen Tony Blairs Regierung und Vertretern der Ölindustrie statt. Dies belegen Dokumente, die zwei britischen Medien vorliegen (Artikel Independent.co.uk und Artikel Dailymail.co.uk). Die damalige Handelsministerin Baroness Symons habe bereits im November 2002 britischen Ölfirmen einen Anteil an Iraks riesigen Ölreserven in Aussicht gestellt. Symons habe auch in Washington bei der Bush-Administration intensiv für die Interessen des Ölmultis BP am irakischen Öl lobbyiert.

Die Regierungspapiere, welche der Aktivist Greg Muttitt durch eine rechtliche Anfrage erhielt, «belegen, was viele von uns schon lange vermutet haben: Öl war zentral für die Überlegungen der Regierung Blair bezüglich Irak». Während BP und Shell die Berichte der britischen Zeitungen nicht kommentieren wollen, lautet die Stellungnahme der Regierung gegenüber «Independent online», es habe sich lediglich um «normale» Überlegungen zu Chancen und Risiken gehandelt, was aber nicht heisse, «dass diese Risiken und Chancen unsere Irak-Politik beeinflusst haben».

Blair: Es sei nie ums Öl gegangen

Pikant an den Papieren ist, dass die Treffen vor dem Irak-Krieg stattfanden. Zu einer Zeit, als der ehemalige britische Premier insistierte, dass Saddam Hussein an der Macht bleiben könne, sofern er mit den UNO-Inspektoren kooperiere. «Bei diesen ausführlichen Vorbereitungen hinter den Kulissen, Iraks Ressourcen aufzuteilen», sei wenig glaubhaft, dass keine Entscheidung über ein militärisches Eingreifen getroffen worden sei, kommentiert «Independent online».

Die Dokumente bewiesen nicht , dass es der britischen Regierung nur um kommerzielle Interessen ging. Aber sie belegten, dass, entgegen den Beteuerungen Blairs, Öl-Interessen durchaus in die Überlegungen über ein Eingreifen an der Seite der USA eingeflossen seien. Die Dokumente seien zudem nicht von der britischen Untersuchungskommission zum Irak-Krieg gesichtet worden, wodurch das Untersuchungsergebnis unbefriedigend sei.

Ölindustrie als «erstes Hauptziel»

Kurz nachdem George W. Bush den Irak-Krieg mit «Mission accomplished» fälschlicherweise als beendet erklärt hatte, trafen sich am 12. Mai 2003 Vertreter der britischen Ölindustrie mit Vertretern der Regierung, wie es in einem der 1000 Dokumente heisst, die der Aktivist Greg Muttitt in seinem neuen Buch «Fuel on the Fire» verarbeitet.

Sowohl Regierung wie Ölindustrie bestritten stets, dass solche Treffen stattfanden. Die Dokumente belegen das Gegenteil. So hätten Offizielle die Ölindustrie als «erstes Hauptziel» genannt auf die Frage, «wo (im Irak) spezifische Aussichten für die britische Wirtschaft bestünden». Man habe sich auch Überlegungen gemacht, wann ein «hochrangiger britischer Vertreter der Ölindustrie nach Irak gehen sollte, um die Lage auszuloten und, falls angebracht, im Öl-Beratungs-Gremium Einsitz nehmen sollte».

Was aus den «Deal-Machern» geworden ist

«Independent online» listet auf, was aus den «Deal-Machern» geworden ist. So wurde zum Beispiel Baroness Symons, die bei der Bush-Regierung für BP lobbyierte, später Beraterin bei der Investmentbank Merchant Bridge, die erheblich von Rekonstruktionsaufträgen im Irak profitierte. Heute ist sie internationale Beraterin, unter anderem in der Ölindustrie.

Tony Blair habe nach seiner Amtszeit als Premier schätzungsweise 20 Millionen Pfund verdient. Er habe unter anderem JP Morgan, die kuwaitische Königsfamilie und einen der grössten Investoren in der ölreichen Kurden-Region beraten.

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