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Warum Israel um den «persischen Hitler» trauert

Nach dem Abgang von Mahmoud Ahmadinejad an der Spitze wird es für Israel schwierig, die Welt von einem nötigen Angriff auf den Iran zu überzeugen. Die Medien suchen bereits nach einem neuen Buhmann.

Seine zweite Amtszeit war schwer: Der iranische Präsident  Mahmoud Ahmadinejad im Süden des Libanon. (14. Juni 2013)
Seine zweite Amtszeit war schwer: Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad im Süden des Libanon. (14. Juni 2013)
Reuters
Bemühte sich sehr um Allianzen mit Staaten aus Lateinamerika: Ahmadinejad (l.) und der verstorbene venezolanische Präsident Hugo Chavez in Caracas. (25. November 2009)
Bemühte sich sehr um Allianzen mit Staaten aus Lateinamerika: Ahmadinejad (l.) und der verstorbene venezolanische Präsident Hugo Chavez in Caracas. (25. November 2009)
AFP
Angespannte Beziehung: Der Afghan President Hamid Karzai (R) talks with Iranian President Mahmoud Ahmadinejad during a news conference in Kabul March 10 2010. Ahmadinejad arrived on Wednesday for a visit to Afghanistan, after U.S. Secretary of Defense Robert Gates said he was wary of Tehran's influence in the country. REUTERS/ Omar Sobhani (AFGHANISTAN - Tags: POLITICS) - RTR2BG5N
Angespannte Beziehung: Der Afghan President Hamid Karzai (R) talks with Iranian President Mahmoud Ahmadinejad during a news conference in Kabul March 10 2010. Ahmadinejad arrived on Wednesday for a visit to Afghanistan, after U.S. Secretary of Defense Robert Gates said he was wary of Tehran's influence in the country. REUTERS/ Omar Sobhani (AFGHANISTAN - Tags: POLITICS) - RTR2BG5N
Reuters
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Indem Mahmoud Ahmadinejad an der Staatsspitze des Iran von einem Gemässigten ersetzt wird, verliert Israel seinen nützlichen «Buhmann». Es wird schwieriger werden, die westlichen Verbündeten von der Notwendigkeit eines militärischen Präventivschlags gegen die iranischen Atomambitionen zu überzeugen, sind sich die Experten in Israel einig. Manche sprechen sogar von einem «vergifteten Geschenk», das Ayatollah Ali Khamenei in Person von Hassan Rohani dem Westen beschert habe.

«Was machen wir bloss ohne den Buhmann, den Fanatiker Ahmadinejad? Was wird aus uns ohne den persischen Hitler?», ironisiert der Leitartikel in der meistverbreiteten israelischen Tageszeitung «Jediot Ahronot». Und schlägt als Antwort vor: «Entweder wir müssen zur Wirklichkeit zurückkehren oder wir müssen ganz schnell einen neuen Satan finden.»

Leiserer Auftritt

Seit der überraschende Sieg Rohanis, der als gemässigter Geistlicher gilt, bei den iranischen Präsidentschaftswahlen bekannt wurde, häufen sich die Warnungen des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanyahu und der Falken in seinem Kabinett: Die Wahl ändere nichts, der Druck auf Teheran müsse aufrecht erhalten und verstärkt werden, auch die militärische Option sei nicht vom Tisch.

Israel, das bisher trotz fehlender offizieller Bestätigung als einzige Atommacht im Nahen Osten gilt, verdächtigt den Iran gemeinsam mit grossen Teilen der internationalen Staatengemeinschaft, unter dem Deckmantel eines zivilen Nuklearprogramms an der Entwicklung von Atomwaffen zu arbeiten.

Netanyahu hatte seit dem Herbst immer wieder gewarnt, der Iran nähere sich binnen Monaten der «roten Linie», die einen Präventivschlag gegen die Urananreicherung nötig mache. Er werde nun erst einmal leiser auftreten und sich in Geduld üben müssen, analysieren israelische Experten.

Skurrile Persönlichkeit

«Mit Rohani als neuem Gesicht des Iran, der auf die Aufhebung der internationalen Sanktionen hinarbeitet und sich nicht zur demagogischen Holocaustleugnung seines Vorgängers hinreissen lässt, wird es für Netanyahu schwieriger werden, die Welt von der Notwendigkeit zu überzeugen, die iranischen Nuklearanlagen anzugreifen», schreibt Amos Harel, verteidigungspolitischer Experte der linksliberalen «Haaretz».

Obwohl es zutreffend sei, dass Ahmadinejad in der iranischen Atompolitik keine führende Rolle hatte, «machten seine etwas skurrile Persönlichkeit und seine irrsinnigen Erklärungen es für Israel doch leichter, die Gefahren aufzuzeigen, die einem mit Massenvernichtungswaffen ausgerüsteten extremem Ajatollah-Regime innewohnen würden», analysiert Harel.

Den Druck auf den Iran mindern

Die israelischen Experten heben auch hervor, dass der künftige iranische Staatschef gut im Stoff sei, weil er früher die iranische Delegation bei den Atomverhandlungen geleitet habe. Ephraim Kam vom Institut für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Tel Aviv folgert: «Das gemässigte Image des neuen iranischen Präsidenten wird nicht nur den internationalen Druck auf den Iran mindern, sondern vielleicht sogar eine Übereinkunft in der Nuklearfrage begünstigen, die für Israel nicht hinnehmbar sein wird.»

Freddy Eitan vom Jerusalemer Zentrum für Öffentliche und Staatsangelegenheiten (CAPE) pflichtet bei: «Mit diesem vergifteten Geschenk, das Ayatollah Khamenei dem Westen beschert hat, wird unsere Arbeit komplizierter. Und wir werden praktisch alleine dastehen in unserem Überlebenskampf.»

AFP/wid

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