Was macht Qatar Airways nun?

Die diplomatische Krise um Katar bringt deren Fluggesellschaft in Bedrängnis. Profitieren könnten europäische Airlines. 8 Fragen und Antworten zu Qatar Airways.

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Nach dem diplomatischen Bruch zwischen Katar und fünf Nachbarländern, welche dem Emirat Unterstützung von Terroristen vorwerfen, spitzt sich die Lage für die nationale Fluggesellschaft Qatar Airways zu. Der Luftraum von Saudiarabien wurde für katarische Flugzeuge gesperrt, jener von Bahrain ist nur in einem einzigen Korridor passierbar.

Katar ist wegen seiner starken internationalen Verflechtungen auf einen funktionierenden Waren- und Personenverkehr angewiesen und hat dafür 1993 die Airline Qatar Airways gegründet. Sie könnte nun ernsthaft in Schlingern geraten. Acht Fragen und Antworten zur aktuellen Situation:

Wie ist die Lage?

Mit der Terror-Anklage haben Saudiarabien und seine Partner einen Verkehrs- und Handelsboykott gegen Katar verhängt. Seit Montag sind die Flugverbindungen von und nach Saudiarabien, Ägypten, Bahrain und in die Vereinigten Arabischen Emirate gekappt und die Lufträume für Qatar-Jets gesperrt. Sie können die Region nach Europa nur über den Iran und die Türkei verlassen. Westliche Airlines wie Lufthansa oder British Airways fliegen Katars Hauptstadt Doha weiter an.

Wie an der Schnur aufgereiht – die Qatar-Airways-Flüge von heute:

Vorher – nachher: Dieser Vergleich zeigt den Unterschied

Wem schadet der Boykott?

Dass Qatar-Airways-Chef Akbar al Baker vorzeitig vom Branchengipfel des Airline-Verbandes IATA im mexikanischen Cancún abgereist ist, belegt den Ernst der Lage für die Fluggesellschaft. Im heimischen Doha muss al Baker das Krisenmanagement leiten. Die grössten Probleme sind der Ausfall vieler Flüge zu den arabischen Nachbarn und längere Flugzeiten für die internationalen Verbindungen.

Was macht Qatar Airways nun?

Die Fluggesellschaft des Emirats Katar musste zwangsläufig dutzende Kurzstrecken streichen, die normalerweise viele Umsteiger zum Flughafen Doha bringen. Erste Analysen gehen von bis zu 30 Prozent Umsatzverlust aus. Kunden, die bereits gebucht haben, sollen alternative Flugangebote erhalten, kostenlos umbuchen können oder das Geld für ihre Tickets zurückbekommen. Am Dienstag charterte Qatar Airways drei Maschinen von Oman Air für Flüge vom saudi-arabischen Jeddah nach Muskat und von dort weiter nach Doha.

Zudem muss die Airline auf anderen Verbindungen den Luftraum von Ägypten und anderen Ländern, die ihren Luftraum für sie sperren, umfliegen. Das kostet Zeit und Kerosin. Am Dienstag reihten sich die Qatar-Jets wie an einer Perlenschnur gezogen auf Routen über den Iran ein. Flüge von und nach Europa oder Amerika seien von Flugstreichungen nicht betroffen, heisst es bei der Airline.

Wie bedeutend ist Qatar Airways?

Die Fluggesellschaft wurde 1993 aus den Reihen der Herrscherfamilie des Emirats Katar gegründet. Gemeinsam mit Emirates aus Dubai und Etihad aus dem Vereinigten Arabischen Emiraten stieg sie seit der Jahrtausendwende zu einem der grossen Herausforderer von etablierten Airlines aus aller Welt auf. Sie verfügte zuletzt über eine Flotte von rund 200 Flugzeugen und ist damit kleiner als die von Emirates, aber grösser als jene von Etihad. Bei ihrem Geschäft ist sie auf das internationale Publikum angewiesen, denn Katars Heimatmarkt ist äusserst klein: Das Emirat hat gerade einmal 2,6 Millionen Einwohner.

Video - Im März hat Qatar Airways eine neue Business-Class vorgestellt

Die neue «Q Suite» wird auch in die Flugzeuge eingebaut, welche nach Zürich und Genf fliegen.

Wer kann von dem Konflikt profitieren?

In erster Linie wohl die Konkurrenten Etihad und Emirates, deren Drehkreuze nur wenige hundert Kilometer von Katar entfernt liegen. Sie verlieren indes auch Kurzflüge. Die Gesellschaften verfolgen ähnliche Geschäftsmodelle und stehen in direkter Konkurrenz zu Qatar um preisbewusste Langstrecken-Fluggäste aus Europa, Asien und Afrika.

Welche Auswirkungen hat das für Passagiere in der Schweiz?

Die Flüge von Doha nach Zürich oder Genf und zurück sind von den Einschränkungen im Luftraum nur insofern betroffen, als dass die Maschinen ihre Flugroute leicht ändern müssen. Dasselbe gilt für Weiterflüge ab Doha in Richtung Asien oder Australien. Verspätungen sind möglich, die Flüge können aber stattfinden.

Die Flüge zwischen Katar und Ägypten, Saudiarabien, Dubai oder Abu Dhabi sind hingegen ganz gestrichen. Wer mit Qatar Airways oder einer anderen Airline zwischen diesen Destinationen fliegen wollte, muss umbuchen.

Was bedeutet das für Lufthansa und die anderen europäischen Airlines?

Bereits seit einiger Zeit schwächeln die einstmals als gefährliche Herausforderer wahrgenommenen Airlines vom persischen Golf. Sie verdienen kaum noch Geld und bleiben hinter den eigenen Wachstumserwartungen zurück. Mit ihren Direktverbindungen haben die westlichen Fluggesellschaften zudem ein Produkt für Fluggäste, die nicht in einer Wüstenstadt mehrere Stunden auf ihre Anschlüsse warten wollen. Ihre Geschäfte dürften also erst einmal stabiler laufen, zumal sie selbst weiter in die betroffene Region fliegen können.

Was wird aus den europäischen Luftverkehrs-Beteiligungen der Katarer?

Das ist noch völlig unklar. Die geschäftlichen Verbindungen von Qatar Airways nach Europa sind vielfältig. Im Luftfahrtbündnis Oneworld kooperiert sie mit Fluggesellschaften wie Air Berlin, American Airlines und British Airways. An der British-Airways-Mutter IAG ist das Unternehmen seit 2016 mit rund 15 Prozent beteiligt. (anf/SDA)

Erstellt: 06.06.2017, 20:45 Uhr

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