Was will Putin in Syrien?

Die fünf wichtigsten Fragen zum Austausch zwischen Russland und den USA und den russischen Kampfjets in Syrien.

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1. Warum reden die USA und Russland plötzlich über Syrien?

Anderthalb Jahre haben sich Russland und die USA ausgeschwiegen – nun haben sie gleich auf höchster militärischer Ebene Kontakt aufgenommen. US-Verteidigungsminister Ashton Carter und sein russischer Kollege Sergei Schoigu tauschten sich telefonisch über den Konflikt in Syrien aus. «Spiegel online» vermutet, dass die USA mit der Annäherung wohl vor allem beabsichtigen, Putin nächste Woche bei der UNO-Generalversammlung «nicht alleine das Feld zu überlassen.» Aus russischer Sicht könnte die plötzliche Dialogbereitschaft dazu dienen, angesichts der UNO-Versammlung die internationale Aufmerksamkeit von der Ukraine-Krise wegzulenken, mutmasst der «Guardian».

2. Was will Russland in Syrien?

Kurz nach dem Austausch mit den USA hat Russland seine militärische Präsenz in Syrien ausgebaut, indem Kampfflugzeuge in Syrien stationiert wurden. Bodentruppen hatte Russland bereits vorher dort. Diese Truppenbewegungen seien in erster Linie dazu da, «Russlands Zugeständnisse an die syrische Regierung» auszudrücken, zitiert ein US-Offizieller den russischen Verteidigungsminister Schoigu im «Guardian». Um welche «Zugeständnisse» es sich handelt und warum dazu das Militär notwendig ist, sei unklar geblieben.

3. Was sind die Interessen der USA?

Julianne Smith, ehemalige Offizielle des Weissen Hauses und heute für das Center for a New American Security tätig, sprach gegenüber der «Washington Post» von «zwei grossen Aufgaben», welche die USA in Syrien hätten: Zum einen eine diplomatische Einigung zu vermitteln, zum anderen den Islamischen Staat zu besiegen. «Beide führen über Russland», sagte Smith. Verschiedene US-Vertreter betonten schon mehrfach, dass sie eine Beruhigung der Lage in Syrien für unmöglich hielten, solange Assad an der Macht ist.

4. Wie geht es nach den Gesprächen zwischen Russland und den USA weiter?

Das ist noch völlig offen. US-Aussenminister John Kerry sagte, die beiden Parteien würden sich bemühen, eine gemeinsame Basis zu finden. Gleichzeitig gibt es keine Hinweise darauf, dass einer der beiden seine Interessen zurückstellt. Nichts deutet darauf hin, dass Russland den syrischen Machthaber Assad plötzlich fallen lässt. Auch die USA hätten angesichts der bevorstehenden Wahlen und der stetigen Beteuerungen, mit Assad gebe es keine friedliche Zukunft, bei einem Entgegenkommen einiges zu verlieren. Vielleicht sind die Ziele der Gespräche auch bescheidener Natur. «Es kann sein, dass man nur vermeiden will, sich in Syrien unnötig in die Quere zu kommen», sagt Dmitri Trenin vom Moskauer Carnegie Center dem «Spiegel». Putin habe sein Ziel, die USA zu Gesprächen zu zwingen, bereits erreicht.

5. Greifen russische Truppen in den Konflikt ein?

Bisher gibt es keine Hinweise darauf, dass sich Russland militärisch am Konflikt beteiligt. Ausgeschlossen ist das dennoch nicht. Putins Sprecher sagte, eine entsprechende Anfrage Syriens würde geprüft, die Frage sei zum jetzigen Zeitpunkt jedoch hypothetisch. Der syrische Aussenminister Walid al-Moallem betonte, man benötige momentan keine Unterstützung, werde aber nicht zögern, Russland anzufragen. (rre)

Erstellt: 19.09.2015, 14:48 Uhr

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