Wegen ein paar Flaschen Wein

Der Brite Karl Andree wurde in Saudiarabien zu 350 Stockschlägen verurteilt.

Er lebt seit 25 Jahren auf der Arabischen Halbinsel: Karl Andrees drei Kinder fordern David Cameron auf, sich für ihren Vater beim saudischen König einzusetzen. Foto: BBC

Er lebt seit 25 Jahren auf der Arabischen Halbinsel: Karl Andrees drei Kinder fordern David Cameron auf, sich für ihren Vater beim saudischen König einzusetzen. Foto: BBC

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Alkohol ist in Saudiarabien strikt verboten. Aber unter den Expats, den ausländischen Experten, die dort zu Tausenden arbeiten, wird dennoch viel getrunken. In der Regel leben sie unter sich in abgetrennten Siedlungen, in denen alkoholische Getränke weitverbreitet sind. «Die meisten Leute brauen ihr eigenes Bier oder keltern eigenen Wein», erzählte ein Brite, der seit Jahren in Jidda lebt, der BBC. «Mancherorts gibt es sogar Vereine, die Brauwettbewerbe veranstalten.»

Von den Behörden wird das toleriert, solange der Alkohol hinter den hohen Mauern der «Compounds» verborgen bleibt. Gefährlich ist es jedoch, wenn man versucht, das berauschende Gebräu zu verkaufen oder aus den Expatsiedlungen hinauszubringen. Strassensperren sind weitverbreitet, Kontrollen scharf.

Die harsche Strafe richtete sich nach dem islamischen Recht.

Karl Andree wusste das – der 74-Jährige lebt seit 25 Jahren auf der Arabischen Halbinsel. Doch vor einem Jahr liess er sich bei einer Polizeikontrolle in Jidda erwischen: Er hatte mehrere Flaschen selbst gebrauten Wein im Kofferraum seines Autos. Die harsche Strafe richtete sich, wie bei den Saudis üblich, nach dem islamischen Recht der Scharia: 12 Monate Haft und 350 Stockschläge.

Das Jahr in einem der berüchtigten saudischen Gefängnisse hat der britische Erdölexperte inzwischen hinter sich. Nun stellt sich die Frage, ob der zweite Teil der Strafe vollstreckt wird. Seine Kinder schlagen Alarm. «Mein Vater hat dreimal Krebs gehabt», sagte sein Sohn Simon (33) der Zeitung «The Sun». «Es geht ihm gesundheitlich sehr schlecht. Die Prügelstrafe würde er nicht überleben.»

Auch die Todesstrafe wird regelmässig angewandt

Prügelstrafen sind in Saudiarabien weitverbreitet. Für internationale Schlagzeilen sorgte zuletzt der Fall eines Bloggers, der wegen «Beleidigung des Islam» zu 10 Jahren Haft und 1000 Stockschlägen verurteilt wurde. Auch die Todesstrafe wird im islamisch-konservativen Königreich regelmässig angewandt: Seit 1985 wurden mehr als 2200 Menschen hingerichtet, davon waren fast die Hälfte Ausländer.

Karl Andrees drei Kinder fordern den britischen Premierminister David Cameron auf, sich für ihren Vater beim saudischen König einzusetzen. Einige Kommentatoren zweifelten jedoch, dass Grossbritannien allzu dezidiert am königlichen Hof vorstellig werden kann – zu umfangreich sind die Wirtschaftsbeziehungen, zu wichtig sind die Saudis als Verbündete im Nahen Osten.

Nachdem der Fall durch die Presse gegangen war, beteuerte die britische Regierung jetzt, dass sie schon mehrfach um eine Begnadigung gebeten habe. Die Prügelstrafe werde mit Sicherheit nicht vollstreckt werden, der gesundheitliche Zustand des Briten lasse gar keine andere Möglichkeit zu. Doch Karl Andree befindet sich weiter im Gefängnis. Die Behörden in Riad schweigen.

Erstellt: 18.10.2015, 18:33 Uhr

Artikel zum Thema

Saudis wollen Rentner wegen selbst gemachten Weins auspeitschen

Ein 74-jähriger Brite sitzt in Saudiarabien seit einem Jahr im Gefängnis. Er hat gegen das strenge Alkoholgesetz verstossen. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Ganz schön angeknipst: Ein Mitglied des Bingo Zirkus Theater steht anlässlich des 44. internationalen Zirkusfestivals in Monte Carlo auf der Bühne. (16. Januar 2020)
(Bild: Daniel Cole ) Mehr...