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Wie Bin Laden über sieben Jahre lang frei herumlaufen konnte

Laut Osama Bin Ladens Witwe war der Al-Qaida-Chef bereits 2001 nach Pakistan geflohen. Die US-Regierung vermutet, dass sein Verschwinden durch den pakistanischen Geheimdienst ermöglicht wurde.

Die CIA hofft, hier wichtige Fingerabdrücke zu finden: Osama Bin Ladens Haus in Abbottabad.
Die CIA hofft, hier wichtige Fingerabdrücke zu finden: Osama Bin Ladens Haus in Abbottabad.
Keystone
Die Zerstörung gibt einen Eindruck über das Ausmass der Intervention: Im Innern von Bin Ladens Anwesen.
Die Zerstörung gibt einen Eindruck über das Ausmass der Intervention: Im Innern von Bin Ladens Anwesen.
Reuters
Einer der Söhne Osama Bin Ladens, Omar Bin Laden, in Saudiarabien im Jahr 2007.
Einer der Söhne Osama Bin Ladens, Omar Bin Laden, in Saudiarabien im Jahr 2007.
Reuters
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Der Geheimdienst Pakistans gerät schwer unter Druck: Vor seinem Tod lebte Osama Bin Laden knapp siebeneinhalb Jahre unbehelligt und unerkannt in Pakistan gelebt. Die US-Regierung will nun eine Erklärung aus Islamabad, da sie eine Verstrickung des pakistanischen Geheimdienstes vermutet.

In ersten Verhören sagte Bin Ladens Witwe Amal al-Sadah aus, der Chef des Terrornetzwerks Al-Qaida habe bei der US-Invasion Afghanistans im Oktober 2001 das Höhlensystem in den Tora Bora-Bergen verlassen und sich bis 2003 im Gebirge im Grenzgebiet zu Pakistan versteckt. Danach sei er in das pakistanische Dorf Chak Shah Mohammad im Bezirk Haripur umgezogen, ehe er mit seiner Familie im Jahr 2005 in das etwa 40 Kilometer entfernte Haus in Abbottabad ging, in dem er vor wenigen Tagen von einem US-Kommandotrupp getötet wurde.

An der falschen Stelle gesucht

Das berichteten übereinstimmend die «New York Times» und die pakistanische «Dawn». «Man stelle sich vor, dieser Typ hat fast siebeneinhalb Jahre in Haripur und Abbottabad gelebt, und wir alle - Amerikaner und Pakistaner - haben ihn an der falschen Stelle gesucht», zitierte die «Dawn» einen namentlich nicht genannten Vertreter der pakistanischen Sicherheitskräfte, der am Verhör der Witwe Bin Ladens beteiligt war.

Bin Laden war in der Nacht zum Montag von US-Spezialeinheiten in Pakistan aufgespürt und erschossen worden. Wie seine Witwe weiter erklärte, hatten sich die beiden gerade ins Schlafzimmer zurückgezogen und das Licht gelöscht, als sie die ersten Schüsse hörten. Der Terrorchef habe noch nach seiner Kalaschnikow greifen wollen, als die US-Kommandos in das Zimmer stürmten und ihren Mann erschossen. Sie selbst sei von einer Kugel ins Bein getroffen worden.

Einsatzkräfte geehrt

US-Präsident Barack Obama gratulierte am Freitagabend den am Einsatz beteiligten Elitekämpfern der Navy-Seals persönlich. «Ihr habt einen tollen Job gemacht», sagte Obama auf dem Militärstützpunkt Fort Campbell im US-Bundesstaat Kentucky.

Die US-Regierung forderte unterdessen die pakistanischen Behörden auf, Namen von Topagenten ihres Geheimdienstes ISI preiszugeben. Die US-Ermittler argwöhnen, dass pakistanische Agenten lange vom Aufenthalt Bin Ladens in Abbottabad wussten oder ihn gar gedeckt haben. Die pakistanische Regierung und die Armee streiten dies ab.

Ein US-Regierungssprecher erklärte dagegen der «New York Times», es gebe deutliche Hinweise. Der pakistanische Geheimdienst sei «im besten Fall bewusst blind» gewesen, wurde der ehemalige CIA-Agent Art Keller zitiert, der vor Jahren an der Jagd nach dem Topterroristen beteiligt war. «Bewusste Blindheit ist in Pakistan ein Überlebensmechanismus.»

Verhängnisvolles Telefonat

Auf die Spur von Bin Laden kamen die Fahnder offenbar durch ein privates Telefonat.Wie die «Washington Post» berichtete, erregte ein Handy-Gespräch von Bin Ladens Kurier mit einem alten Freund die Aufmerksamkeit der US-Ermittler.

Demnach habe der Freund den Kurier, Abu Ahmed al-Kuwaiti, gefragt, wo er denn so lange gesteckt habe. Daraufhin habe der geantwortet: «Ich bin wieder bei den Leuten, bei denen ich früher war.» Als die US-Ermittler dieses hörten, sei ihnen klar gewesen, dass sie auf eine heisse Spur geführt worden seien, so die «Washington Post».

SDA/kpn

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