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Wie die Generäle gegen die Zeugen der Gewalt vorgehen

In Kairo starben drei Journalisten, die über die Räumung der Protestlager berichteten. Mehrere weitere wurden verletzt. Es gibt Anzeichen dafür, dass das Regime so gezielt unabhängige Beobachter einschüchtern will.

Der britische Kameramann Mick Deane bezahlte seinen Einsatz in Kairo für Sky News mit dem Leben (undatierte Archivaufnahme).
Der britische Kameramann Mick Deane bezahlte seinen Einsatz in Kairo für Sky News mit dem Leben (undatierte Archivaufnahme).
Reuters
«The Gulf News», eine staatlich kontrollierte Zeitung der Vereinigten Arabischen Emirate, berichtete auf ihrer Website, die 26-jährige Habiba Ahmed Abd Elaziz sei in der Nähe der Moschee Rabaa al-Adawiya erschossen worden, als die Sicherheitskräfte gegen eine Sitzblockade vorgingen. Sie habe Urlaub gehabt und sei nicht für die Zeitung «Xpress» in Kairo gewesen, für die sie arbeitet.
«The Gulf News», eine staatlich kontrollierte Zeitung der Vereinigten Arabischen Emirate, berichtete auf ihrer Website, die 26-jährige Habiba Ahmed Abd Elaziz sei in der Nähe der Moschee Rabaa al-Adawiya erschossen worden, als die Sicherheitskräfte gegen eine Sitzblockade vorgingen. Sie habe Urlaub gehabt und sei nicht für die Zeitung «Xpress» in Kairo gewesen, für die sie arbeitet.
Keystone
Reporter bringen sich in Kairo in Sicherheit. (14. August 2013)
Reporter bringen sich in Kairo in Sicherheit. (14. August 2013)
Keystone
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Beim gewaltsamen Vorgehen der Sicherheitskräfte in Kairo starben gegen 460 Menschen, die meisten von ihnen waren Anhänger des gestürzten Präsidenten Mursi. Einige Medienvertreter versuchten, sich vor Ort ein Bild zu machen. So auch Redaktion Tamedia–Korrespondent Tomas Avenarius (zum Bericht). Offiziell heisst es, die Sicherheitskräfte würden nur Tränengas und Schreckschüsse einsetzen. Regierung und Muslimbrüder beschuldigen sich aber gegenseitig, mit scharfer Munition zu schiessen.

Einen Kameramann des britischen Senders Sky News, Mick Deane, traf eine Kugel tödlich. Laut Augenzeugen muss es sich um einen gezielten Schuss gehandelt haben. Der 61-jährige Deane, der zuvor die Räumung des grösseren Protestlagers bei der Rabaa-al-Adawiya-Moschee im Stadtteil Nasr gefilmt hatte, sei nach einer Pause aufgestanden. Er habe seine Kamera in der Hand gehabt und sei deutlich als Journalist erkennbar gewesen. Das berichtet «Spiegel online» unter Berufung auf einen anderen westlichen Journalisten, der Augenzeuge von Deanes Ermordung wurde. Als es geschah, habe der Strassenabschnitt ruhig gewirkt. Es habe zu dem Zeitpunkt dort keine Ausschreitungen gegeben und es seien auch keine weiteren Schüsse gefallen.

Zwei weitere Journalisten getötet, zwei angeschossen

Zwei weitere Journalisten starben gestern im Umfeld des Protestcamps in Nasr City: die 26-jährige Habiba Ahmed Abd Elaziz, die für die «The Gulf News», eine staatlich kontrollierte Zeitung der Vereinigten Arabischen Emirate, arbeitete. Sie sei aber im Urlaub gewesen und erschossen worden, als die Sicherheitskräfte gegen eine Sitzblockade von Anhängern des abgesetzten Präsidenten Mohammed Mursi vorgingen. Auch der ägyptische Journalist Ahmed Abdel Gawad, der für die staatliche Zeitung «al-Akbar» schrieb, wurde bei den Auseinandersetzungen an der Moschee Rabaa al-Adawiya getötet.

Zwei Pressefotografen wurden verwundet, berichtet der «Guardian». Asmaa Waguih, der für Reuters arbeitet, sei ins Bein geschossen worden. Und ein Fotograf von Associated Press sei am Nacken von zwei Schrotkugeln verletzt worden. Er habe aber etwas später weitergearbeitet.

Unter Feuer, verhaftet und geschlagen

Bei weiteren Vorfällen wurde auf Journalisten geschossen. Einige wurden geschlagen und abgeführt, wie die News-Website «Daily Beast» berichtet. Korrespondent Mike Giglio berichtet, wie er selber drangsaliert wurde, als er beim Camp in Nasr City eine Verhaftung beobachtete. Mehrere Zivilpolizisten hätten ihn geohrfeigt und geschlagen, bis er das Passwort zu seinem Computer herausrückte. Danach habe man ihn weiter geschlagen, gefesselt und in ein Sportstadion gebracht, das als Internierungslager diente.

Dort sei er auf zwei verhaftete Pressefotografen gestossen: Louis Jammes aus Frankreich und den Ägypter Mahmoud Abu Zeid. Später trafen sie einen weiteren französischen Fotografen, der ebenfalls angab, misshandelt worden zu sein. Eine Bekannte von Giglio erzählte ihm nach seiner Freilassung, die Polizei habe das Feuer auf ihren Wagen eröffnet. Sie sei mit zwei ausländischen Fotografen unterwegs gewesen und ist überzeugt, dass die Polizeistreife sie als Ausländer erkannt haben muss.

«Daily Beast»-Autor Mike Giglio, «Spiegel online» und «Guardian» verdächtigen die ägyptische Regierung, diese Vorfälle bewusst herbeigeführt zu haben. Die Regierung falle damit in ein Verhaltensmuster zurück, das sie bereits an den Tag gelegt hatte bei den Protesten, die 2011 zum Sturz von Präsident Hosni Mubarak führten, konstatiert «Spiegel online». Auch heute sollen Journalisten mit Schikane und Brutalität eingeschüchtert und damit von den Schauplätzen ferngehalten werden. So gibt es weniger unabhängige Zeugen für das gewaltsame Vorgehen der Regierung gegen Demonstranten.

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