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Wie gefährlich ist Südafrika?

Die Angst vor Überfällen im WM-Land Südafrika wird kräftig geschürt. Die grassierende Kriminalität trifft aber nur selten weisse Touristen.

Wegen grosser Nachfrage ausverkauft: Schutzweste für Fans gegen Messerattacken.
Wegen grosser Nachfrage ausverkauft: Schutzweste für Fans gegen Messerattacken.
Keystone

Jeden Tag werden in Südafrika rund 50 Menschen getötet. Mit 40 Morden je 100'000 Einwohner hat das Land am Südzipfel Afrikas nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO eine der höchsten Mordraten der Welt.

Im Vorfeld der Fussball-Weltmeisterschaft gehört die Kriminalität denn auch zu den grössten Problemen des Landes. 373'000 ausländische Fans werden vom 11. Juni bis 11. Juli zum ersten Turnier dieser Art auf afrikanischem Boden erwartet. Doch nur selten werden weisse Touristen Opfer der Gewaltverbrechen.

«WM-Bedrohung durch Macheten»

Die Angst vor Überfällen wird kräftig geschürt: So warnte eine britische Boulevardzeitung vor der «WM-Bedrohung durch Macheten». Im Internet werden mit Fussball-Abzeichen geschmückte Schutzwesten gegen Messerattacken vermarktet.

Für britische Touristen rangiert das Land jedoch nach Angaben des Londoner Aussenministeriums auf der Liste der gefährlichsten Länder nur auf dem zehnten Platz. Von den 870'000 Briten, die im vergangenen Jahr Südafrika besuchten oder dort lebten, brauchten demnach nur 139 Hilfe vom Konsulat, verglichen mit 5500 in Spanien und 2000 in Frankreich.

Kein erhöhtes Kriminalitätsrisiko

Franz Beckenbauer zeigte Verständnis für deutsche Fans, die wegen Sicherheitsbedenken möglicherweise nicht zur WM fahren - wobei er den südafrikanischen Behörden zugleich grosse Anstrengungen im Kampf gegen die Kriminalität attestierte: «Die Verantwortlichen tun alles, um die Sicherheit zu gewährleisten. Sie bereiten sich fast auf einen Angriff vor. Mehr können sie nicht tun.»

Jedoch müssen auch Touristen aus Deutschland nach Auskunft der deutschen Botschaft in Pretoria kein erhöhtes Kriminalitätsrisiko in Südafrika fürchten: «Im ersten Quartal dieses Jahres wissen wir von keinem einzigen Fall, bei dem ein deutscher Tourist in Südafrika Opfer eines Gewaltverbrechens wurde», sagt Botschaftssprecher Martin Schäfer. Nach Angaben der französischen Botschaft sind Morde an französischen Touristen so selten, dass die Vertretung darüber nicht einmal Buch führt.

Kriminalität konzentriert sich auf Armenviertel

«In Südafrika werden 80 Prozent der Morde zwischen Menschen begangen, die sich kennen, und mehr als 50 Prozent davon unter dem Einfluss von Alkohol in Konflikten, die immer gewaltsamer werden», sagt Gareth Newham vom Institut für Sicherheitsstudien (ISS). Hinzu komme, dass die Kriminalität sich auf die Armenviertel konzentriere, wo weisse Touristen in aller Regel nicht hinkämen.

Gefährdet sind hingegen die 80'000 Besucher, die aus den afrikanischen Nachbarländern erwartet werden. Viele von ihnen werden bei Bekannten oder Verwandten in den Armenvierteln und damit im Epizentrum der Kriminalität wohnen. Newham zufolge sind afrikanische Einwanderer in Südafrika häufiger Opfer von Verbrechen als Südafrikaner selbst.

«Hohes Mass an Gewalt unwahrscheinlich»

Rund um Stadien und Hotels wurden beim Confederations Cup 2009 in Südafrika immerhin 39 Fälle von Diebstahl gemeldet, vor allem Handys und Geldbeutel. Im Dezember brachen Maskierte in ein Hotelzimmer ein und raubten zwei deutsche Touristen aus. Sie liessen die Urlauber gefesselt, aber unversehrt zurück. Newham zufolge werden auch solche Übergriffe seltener: «Während der Weltmeisterschaft werden Stadien, Hotels und alle anderen Orte mit vielen Touristen von der Polizei schwer bewacht sein. Also ist ein hohes Mass an Gewalt sehr unwahrscheinlich.»

120 Millionen Euro flossen in Südafrika in die Anwerbung, Ausbildung und Ausrüstung von 41'000 neuen Polizisten. Nun hat das Land nach Angaben von Polizeichef Bheki Cele 186'000 Polizeikräfte für 47 Millionen Einwohner. Zum Vergleich: In Grossbritannien sorgen 140'000 Polizisten für die Sicherheit von 60 Millionen. Auch gegen die Gefahr, die von ausländischen Besuchern ausgehen könnte, wappnet sich der Polizeichef: Südafrika wird mit Hilfe von Interpol tausenden aktenkundigen Hooligans aus Europa die Einreise verweigern.

AFP/jak

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