Wie Gewalt entsteht

Nahost-Experte Moritz Baumstieger über die Eskalation am Tempelberg.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Drei Attentäter haben Mitte Juli auf dem Tempelberg zwei israelische Polizisten erschossen – mit Pistolen, die sie zuvor hineingeschmuggelt hatten. Auf den heim­tückischen Angriff reagierten die Behörden so, wie es im Hochsicherheitsland Israel nur logisch erscheint: Die Zugänge zur Al-Aqsa-Moschee wurden mit Metalldetektoren gesichert. Doch auch die palästinensische Seite reagiert, wie es ihr nur logisch erscheint: Sie empfindet die Detektoren als neuerlichen Beleg für Willkür. Aus ihrer Sicht dienen Checkpoints nur angeblich der Sicherheit. Oft werden sie stundenlang ­geschlossen und machen den Tempelberg für Palästinenser aus dem Umland unerreichbar.

Zehn Tage nach der Pistolenattacke haben beide Seiten also vermeintlich logisch reagiert, aus einem Zwischenfall ist eine Krise geworden. Ein halbes Dutzend palästinensischer Jugendlicher starb bei Protesten, Hunderte wurden verletzt. Und ein verblendeter junger Mann dachte, er würde sein Volk und die ­Al-Aqsa-Moschee retten, wenn er drei Siedler mit einem Messer abschlachtet. Die Erfahrung von Politikern in der Region hätte ausreichen sollen, um die Eskalation vorherzusehen. Israels Premier Benjamin Netanyahu wurde von seinem Geheimdienst gewarnt. Und er wurde darüber informiert, dass Kontrollposten der Sicherheit eher abträglich sind, wenn sich nach dem Ruf zum Gebet binnen Minuten Tausende Gläubige vor der Sperre drängen. Aber auch Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas wusste, welche Register er bedient, wenn er einen «Tag des Zorns» ausruft. Er wusste, dass in aufgeheizter Atmosphäre jede Demonstration in Gewalt umschlagen würde. Auch er versucht, mit der Krise innenpolitisch zu punkten, weil er der radikalislamischen Hamas nicht den Widerstand überlassen will.

Sinnvoll erschiene es da, wenn beide Seiten gemeinsam nach einer Lösung suchten. Netanyahu und Abbas entscheiden sich jedoch für das Gegenteil: Der eine beharrt auf den Detektoren, der andere bricht die Beziehungen zu Jerusalem ab. Und so wird die ­Eskalation immer nur weitergehen. Im schlimmsten Falle bis hin zu einer neuen Intifada.

Erstellt: 23.07.2017, 22:49 Uhr

Artikel zum Thema

Sechs Tote und 400 Verletzte in Jerusalem

Die Einschränkungen am Tempelberg führen zu gewalttätigen Protesten. Drei Palästinenser und drei Israeli sind dabei getötet worden. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Paid Post

Sea Happy – abtauchen und Marken sammeln

Füllen Sie beim täglichen Einkauf Ihre Sea Happy Sammelkarte und freuen Sie sich über Geschenke mit Unterwasser-Flair.

Kommentare

Service

Ihre Spasskarte

Mit Ihrer Carte Blanche von diversen Vergünstigungen profitieren.

Die Welt in Bildern

Essen auf Rädern: Eine Frau kauft sich ihr Abendessen bei einem Strassenhändler in Bangkok. (19. August 2019)
(Bild: Mladen Antonov) Mehr...