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Wiens Abzug wird für die UNO zum Problem

Seit bald 40 Jahren bildet das österreichische Bataillon das Rückgrat des UN-Einsatzes auf dem Golan. Mit Skipatrouillen und Schneefahrzeugen leisten sie spezielle Dienste. Einen adäquaten Ersatz zu finden wird schwer.

Der Abzug kommt zu Unzeit: Ein israelischer Soldat beim Kontrollposten Kuneitra.
Der Abzug kommt zu Unzeit: Ein israelischer Soldat beim Kontrollposten Kuneitra.
Reuters

Die Ankündigung der Wiener Regierungsspitze, die österreichischen Blauhelme von den Golanhöhen abzuziehen, stürzt eine der am längsten währenden UN-Missionen in eine schwere Krise. Denn das österreichische Bataillon bildet seit 39 Jahren das Rückgrat der Truppenentflechtung an diesem Weltbrennpunkt. In Israel herrscht nun akut die Sorge, die Abkommen von 1974 könnten nachhaltig gefährdet sein. Erwartet wird eine schnelle Reaktion des UN-Sicherheitsrats.

Nachdem sich syrische Rebellen und Regierungstruppen heute heftige Gefechte um den Kontrollposten Kuneitra an der Waffenstillstandslinie geliefert hatten, kündigte Bundeskanzler Werner Faymann in Wien an, die Soldaten seines Landes abzuziehen. Mit der zuständigen UN-Abteilung werde bereits ein «geordneter Rückzug» vorbereitet.

Ununterbrochen beteiligt

Aufgabe des Truppenkontingents UNDOF, das der Sicherheitsrat am 31. Mai 1974 mit der Resolution 350 ins Leben rief, ist die Überwachung eines Entflechtungsabkommens, das Syrien und Israel am selben Tag in Genf unterzeichneten. Von den ursprünglich rund 1100 Beobachtern sind nur noch etwa 900 bis 1000 übrig, seit Kroatien und Japan ihre Soldaten dieses Jahr fristgemäss abzogen und diese Kontingente nicht ersetzt wurden.

Österreich stellte von Beginn an ein ganzes Bataillon und damit derzeit über 40 Prozent der verbliebenen Kräfte. Es ist auch das einzige Land, das ununterbrochen an der UNDOF beteiligt war.

In Israel wurde mit besonderer Sorge beobachtet, dass syrische Panzer bei Kuneitra in die von der UNO kontrollierte Zone rollten. Ein offizieller Protest wurde bei der UNDOF eingelegt. Reserveoberst Jacques Neria, früher Vizechef der Auswertungsabteilung des israelischen Militärgeheimdienstes, glaubt aber nicht, dass diese Verletzung der Abkommen von langer Dauer ist. «Die waren in einer zugespitzten Lage und verfolgten die Rebellen», sagt der Experte im Gespräch mit AFP. «Syrien dürfte nicht interessiert sein, jetzt in eine Konfliktlage mit Israel zu geraten», vermutet Neria, der früher als politischer Berater von Ministerpräsident Jizchak Rabin fungierte.

Der Abzug kommt zur Unzeit

Sollte Syrien aufgrund der «kleinen Siege» der vergangenen Tage glauben, es könne dort mit den Panzern bleiben, «muss von allen Seiten Druck auf sie ausgeübt werden. Denn dann würde Israel zwangsläufig reagieren», sagt der israelische Experte. Aber er sei sicher, dass sich die Lage bald normalisiere.

Umso weniger Verständnis bringt Reserveoberst Neria für den Entschluss der österreichischen Regierung auf. «Das ist unlogisch und es gibt das Risiko, dass die Philippiner mit ihren 350 Soldaten nun das Gleiche machen», sorgt er sich. Nach dem Sieg der Regierungsseite bei Kuneitra werde sich die Lage eher entspannen; der Abzug komme zur Unzeit.

Der Sicherheitsrat muss nun schnell prüfen, wie er das erprobte Bataillon adäquat ersetzen kann, was nicht einfach sein wird. Sechs der bislang 20 UNDOF-Kommandeure waren Angehörige des österreichischen Bundesheeres, zumeist im Rang eines Generalmajors. Zuständig ist das Bataillon mit seinen rund 380 Soldaten für das nördliche Drittel der Entflechtungszone. Diese liegt in den höheren Regionen und ist entlang der Flanken des Bergs Hermon im Winter oft tief schneebedeckt. Die Truppen aus der Alpenrepublik leisten hier mit Ski-Patrouillen und Schneefahrzeugen Dienste, die nicht jede UN-Nation bieten kann.

«Der UN-Sicherheitsrat ist in der Pflicht, für Abhilfe zu sorgen. Es gibt eine Resolution, es gibt ein Mandat und alle Seiten müssen ihre Verpflichtungen einhalten», analysiert Neria die Lage. «Und diese Zone darf auf keinen Fall ohne UN-Beobachter bleiben.»

ncw/ogo»

AFP/wid

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