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«Wir müssen uns alle schämen»

Eine Million Kinder mussten bislang aus Syrien flüchten. Die Vereinten Nationen ermahnen nun die Weltgemeinschaft: Die Tortur der Kinder sei kaum vorstellbar – und an der Grenze noch nicht vorbei.

Flucht durch die Wüste: Syrische Flüchtlinge unterwegs in den Irak. (20. August 2013)
Flucht durch die Wüste: Syrische Flüchtlinge unterwegs in den Irak. (20. August 2013)
Hadi Mizban, Keystone
Die UNO hat inzwischen eine Million Kinder als Flüchtlinge registriert.
Die UNO hat inzwischen eine Million Kinder als Flüchtlinge registriert.
Hadi Mizban, Keystone
Flucht mit dem Auto: Syrische Flüchtlinge an der Irakischen Grenze (20. August 2013)
Flucht mit dem Auto: Syrische Flüchtlinge an der Irakischen Grenze (20. August 2013)
Hadi Mizban, Keystone
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Seit Ausbruch des Syrien-Konflikts sind nach Angaben der Vereinten Nationen mittlerweile eine Million Kinder vor der Gewalt ins Ausland geflüchtet. Minderjährige machten damit die Hälfte aller syrischen Flüchtlinge aus, teilten das Kinderhilfswerk Unicef und das Flüchtlingskommissariat UNHCR mit.

Mehr als 740'000 Flüchtlinge seien unter elf Jahre alt. Die Zahl der Kinder, die zusätzlich innerhalb Syriens als sogenannte Binnenvertriebene auf der Flucht seien, schätzten die Organisationen auf mehr als zwei Millionen. Rund 7000 Kinder seien während des seit zweieinhalb Jahren anhaltenden Aufstands gegen die Herrschaft von Präsident Bashar al-Assad getötet worden.

«Jugend verliert Heimat»

Die meisten Kinder flohen den Angaben nach in den Libanon, nach Jordanien, in die Türkei, in den Irak und nach Ägypten. Immer mehr kämen aber auch nach Nordafrika und Europa, teilten die Organisationen mit.

Flüchtlingskinder seien körperlichen Strapazen, Angst, Stress und Traumata ausgeliefert, ihnen drohten Kinderarbeit, Zwangsheirat, sexuelle Ausbeutung und Menschenhandel, teilten die Hilfsorganisationen mit. «Die Jugend Syriens verliert ihre Heimat, ihre Familien, ihre Zukunft», erklärte UNO-Flüchtlingskommissar Antonio Guterres.

«Wir müssen uns alle schämen»

«Wir müssen uns alle schämen», erklärte Unicef-Direktor Anthony Lake. Die Weltgemeinschaft habe es versäumt, die Verantwortung zu übernehmen. «Wir sollten innehalten und uns fragen, ob wir weiterhin die Kinder Syriens ihrem Schicksal überlassen können.»

Für die Umsetzung eines regionalen Hilfsplans für syrische Flüchtlinge werden laut UNO allein bis Ende des Jahres drei Milliarden Dollar benötigt, um zumindest den akuten Versorgungsbedarf zu decken.

Derzeit stünden jedoch hiervon lediglich 38 Prozent bereit. Insgesamt seien mehr als fünf Milliarden Dollar nötig, um die Engpässe im Bereich Bildung, Gesundheit und Versorgung sowohl der Flüchtlingskinder als auch der Kinder in den Aufnahmegemeinden einigermassen bewältigen zu können.

Syrien fordert neue Vereinbarung

Nach den Berichten über einen Chemiewaffen-Angriff der syrischen Armee wächst derweil der Druck auf die Führung in Damaskus. Der stellvertretende syrische Ministerpräsident Kadri Jamil wies die Vorwürfe der Rebellen jedoch vehement zurück und sagte in einem Interview der Nachrichtenagentur AP, ausländische Kämpfer und ihre internationalen Unterstützer seien für das Massaker verantwortlich, dem auch viele Kinder zum Opfer gefallen sein sollen. Jamil sagte, er persönlich sei dafür, dass eine faire, transparente und internationale Delegation den Zwischenfall in Ghuta ermittle. Voraussetzung dafür sei aber eine neue Vereinbarung zwischen seiner Regierung und den Vereinten Nationen.

«Wir wollen nicht wie der Irak sein, unser Territorium für alle Arten von Ermittlern öffnen, die durch unsere Häuser und Schlafzimmer gehen», sagte er. «Syrien ist eine souveräne Nation und wird ihre Souveränität erhalten.» In Syrien kämpften 30'000 bis 40'000 ausländische Kämpfer für die Opposition, die auch «extremste Waffen» einsetzten, um die angestrebte internationale Konferenz zu verhindern. «Sie haben ihren Verstand verloren. Es ist ein politischer Angriff ebenso wie ein chemischer Angriff», sagte Jamil.

AP/sda/mw

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