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Witwe von durch US-Drohne getöteter Geisel hat «keine Worte»

Obama übernimmt die Verantwortung für eine tödliche Fehlentscheidung, bei der zwei Entwicklungshelfer aus den USAund Italien sterben. Der Drohnenangriff galt dem Terrornetzwerk Al-Qaida.

Übernimmt die «volle Verantwortung»: US-Präsident Obama bei der Medienkonferenz anlässlich der getöteten Geiseln. (23.4.2015)
Übernimmt die «volle Verantwortung»: US-Präsident Obama bei der Medienkonferenz anlässlich der getöteten Geiseln. (23.4.2015)
Pablo Martinez Monsivais, Keystone

Bei Drohnenangriffen auf das Terrornetzwerk Al-Qaida in Pakistan haben die USA aus Versehen zwei westliche Geiseln der Terrorgruppe getötet. Dabei handelt es sich um einen Entwicklungshelfer aus den USA und einen italienischen Mitarbeiter der Welthungerhilfe. Präsident Barack Obama übernahm die Verantwortung für den Fehlschlag und sprach den Familien sein Beileid aus. Darüber hinaus bestätigte das Weisse Haus auch den Tod zweier Amerikaner in den Reihen der Al-Qaida, darunter ein Sprecher des getöteten Terrorchefs Osama bin Laden.

(Quelle: Storyful Editor)

Die Familie des getöteten Amerikaners, die italienische Regierung und die Welthungerhilfe zeigten sich zutiefst schockiert. «Es gibt keine Worte für die Enttäuschung und die Verzweiflung, die wir durchmachen», sagte die Witwe des 73-jährigen Warren Weinstein, Elaine Weinstein. Man habe so gehofft, dass sich die amerikanische und die pakistanische Regierung für seine Freilassung einsetze. Letztlich liege die Verantwortung allerdings bei den Geiselnehmern.

«Vollkommen verlassen»

Weinstein war als Experte für Geschäftsentwicklung in Pakistan für die Internationale Entwicklungsgesellschaft der USA tätig. Dort hatte er seit 2004 gelebt, gekidnappt wurde er 2011 – vier Tage vor Ablauf seines siebenjährigen Einsatzes. Er hatte sich zuletzt Ende 2013 in einem Video an Obama gewandt und gesagte, er fühle sich «vollkommen verlassen und vergessen» – auch von seiner eigenen Regierung.

Der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi äusserte tiefen Schmerz über den Tod des Welthungerhilfe-Mitarbeiters Giovanni Lo Porto. Das Aussenministerium in Rom nannte Lo Porto einen grosszügigen und kenntnisreichen Freiwilligen. Man habe drei Jahre lang daran gearbeitet, ihn zurück zu seiner Familie zu bringen. Stattdessen sei er nun einem «fatalen Irrtum unserer amerikanischen Verbündeten» zum Opfer gefallen.

Die Nachricht vom Tod Lo Portos habe alle getroffen, sagte Welthungerhilfe-Sprecherin Simone Pott. Lo Porto war seit Oktober 2011 für die Organisation tätig und im Januar 2012 gemeinsam mit dem Deutschen Bernd Mühlenbeck entführt worden, der vergangenes Jahr befreit wurde.

«Es ist eine grausame und bittere Wahrheit»

Nach Angaben aus US-Regierungskreisen kamen die beiden Entwicklungshelfer und die beiden amerikanischen Al-Qaida-Kämpfer bei zwei Drohnenangriffen am 14. und am 19. Januar in Pakistan an der Grenze zu Afghanistan ums Leben. Obama verteidigte die Angriffe im Grundsatz. Sie entsprächen den Richtlinien für Antiterroreinsätze in der Region. Es sei nicht bekanntgewesen, dass sich die Geiseln in dem als Ziel ausgewählten Anwesen befunden hätten.

«Es ist eine grausame und bittere Wahrheit, dass im Nebel des Krieges im Allgemeinen und unserem Kampf gegen Terroristen im Speziellen Fehler - manchmal tödliche Fehler - auftreten können», sagte Obama. Auf Grundlage vorliegenden Geheimdienstmaterials habe man geglaubt, dass auf einem Al-Kaida-Gelände keine Zivilisten anwesend gewesen seien. «Und wir glauben, dass die Operation gefährliche Mitglieder von Al-Qaida eliminiert hat.»

Darunter soll sich der US-Bürger und Al-Qaida-Folgling Ahmed Farouq befunden haben. Farouq war aber nicht das erklärte Ziel des Angriffs. Dies gelte auch für das beim zweiten Drohnenangriff getötete amerikanische Al-Qaida-Mitglied Adam Gadahn. Der 1978 in Oregon geborene Mann galt als Sprecher bin Ladens, der selbst im Mai 2011 von einem US-Spezialkommando in Pakistan getötet wurde.

Die USA greifen immer wieder mit ihren unbemannten Flugzeugen mutmassliche Extremisten im Grenzgebiet zwischen Pakistan und Afghanistan an. In dem weitgehend rechtsfreien Raum haben sich radikale Islamisten zurückgezogen, nicht nur von Al-Qaida, sondern auch von den Taliban.

AP/bru

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