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Wo steckt Ghadhafi?

Seit dem Tod seines Sohnes ist Ghadhafi von der Bildfläche verschwunden. Die Anhänger des libyschen Despoten zeigen sich verwirrt, und erste Verschiebungen im Machtgefüge zeichnen sich ab.

Sein letzter Auftritt in der Öffentlichkeit: Muammar al-Ghadhafi hält am 30. April eine Rede am libyschen Staatsfernsehen.
Sein letzter Auftritt in der Öffentlichkeit: Muammar al-Ghadhafi hält am 30. April eine Rede am libyschen Staatsfernsehen.
Keystone

Die Frage, wo Muammar al-Ghadhafi steckt, beschäftigt momentan die libysche Bevölkerung. Seit dem Nato-Bombenanschlag vom 30. April auf die Residenz des jüngsten Sohnes des libyschen Machthabers war von ihm nichts mehr zu sehen.

Bis zu diesem Zeitpunkt war Ghadhafi für seine unerschrockenen Auftritte in der Öffentlichkeit bekannt. Auch wenn die Gefechte um ihn herum tobten, wagte sich der Despot auf die Strasse und schwang regelmässig seine Propagandareden. Seine bisweilen etwas wirren Auftritte gaben jenen Regierungstruppen moralischen Auftrieb, die in die heftigen Kämpfe im Westen des Landes verstrickt waren.

Ghadhafi befand sich in der Residenz

Doch wo ist Ghadhafi jetzt? Während des Luftanschlags, bei dem sein Sohn Saif al-Arab und drei Enkel ums Leben kamen, soll sich der Machthaber selbst in der Residenz aufgehalten haben. Spekulationen darüber, dass Ghadhafi bei der Attacke etwas zugestossen sei, er gar gestorben sei, wurden sogleich dementiert: Er habe die Residenz «unverletzt» verlassen, sagen seine Anhänger. Über seinen genauen Aufenthaltsort ist allerdings nichts bekannt. Die Nato bestätigt gegenüber dem «Daily Telegraph»: «Wir wissen nicht, wo Ghadhafi ist. Wir wissen auch nicht, ob er tot oder lebendig ist.»

Seine Absenz fällt auf. Dass Ghadhafi gar die Beerdigung seines Sohnes schwänzte, können viele nicht verstehen. «Seine Absenz verwirrt uns», sagte ein Regime-Anhänger gegenüber dem «Guardian». Auch wenn Ghadhafi offiziell die Fäden der Regierung in der Hand hält, gibt es Anzeichen, dass er sich längerfristig aus der Öffentlichkeit zurückziehen könnte. Der libysche Premierminister Mahmudi Baghdadi hat seinen Einflussbereich in den letzten Tagen vergrössert. In einer Rede kündigte er an, dass er künftig die Medien über die aktuellen Ereignisse informieren wird.

Stammesführer erhalten mehr Einfluss

Auch die Stammesführer haben seit dem Anschlag auf die Ghadhafi-Residenz eine prominentere Rolle erhalten. Letzte Woche sei gemäss «Guardian» eine Konferenz abgehalten worden, bei der Mitglieder aus rund 850 Stämmen zusammenkamen. Resultat der Zusammenkunft in der libyschen Hauptstadt Tripolis: Die Stammesführer sollen mehr Einfluss in nationalen Fragen erhalten.

Die anhaltende Absenz von Muammar al-Ghadhafi scheint viele Libyer zu einem Umdenken zu veranlassen. «Libyen steht vor einem Wechsel – jeder weiss das», sagt ein Anhänger des Regimes. Premierminister Mahmudi Baghdadi versichert jedoch, dass Ghadhafis Herrschaft nicht zu Ende ist: «Aktuell trauert er noch um seinen Sohn, aber er wird bald zurückkehren.»

Ein anderer libyscher Offizieller vermutet, dass Ghadhafi von seinen Sicherheitsleuten angewiesen wurde, die Öffentlichkeit zu meiden. Zumal der Nato-Anschlag auf seine Residenz vom 30. April als Anschlag gegen den Machthaber selbst gewertet werden kann.

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