30 Tote und 100 Verletzte bei Explosion in der Türkei

Ein Sprengsatz in einem Kulturzentrum in Suruc und eine Explosion in Kobane: Mutmassliche Terroristen schlagen zu, als Aktivisten Wiederaufbaupläne bekannt geben wollen.

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Im Südosten der Türkei sind bei einer Explosion nahe der Grenze zu Syrien nach Behördenangaben mindestens 30 Menschen getötet worden. Ausserdem seien bei der Detonation in der wenige Kilometer vom syrischen Kobane entfernten Stadt Suruc fast 100 Menschen verletzt worden. Das türksiche Innenministerium spricht von einem «Terroranschlag».

Die private Nachrichtenagentur DHA meldete, zu der Explosion in einem Kulturzentrum sei es gekommen, als eine politische Gruppe ihre Wiederaufbaupläne für Kobane erläuterte. Etwa 300 Angehörige einer sozialistischen Jugendorganisation seien in dem Gebäude gewesen. Sie hätten bei der Beseitigung der Zerstörungen in Kobane helfen wollen.

Auf Twitter kursiert ein Bild, das offenbar kurz vor der Explosion aufgenommen wurde:

«Im Namen meiner Nation verfluche ich diejenigen, die diese Grausamkeit begingen»

Es habe sich um einen Selbstmordanschlag gehandelt, sagte ein Mitarbeiter des Ministerpräsidenten. Ein Behördenvertreter sagte, vermutlich stecke die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hinter dem Anschlag. Zu dem Verbrechen bekannte sich jedoch zunächst niemand.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan wurde bei einem Besuch in Zypern über die Ermittlungen zu der Explosion informiert, wie die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu berichtete. «Persönlich und im Namen meiner Nation verurteile und verfluche ich diejenigen, die diese Grausamkeit begingen», sagte Erdogan bei einer Pressekonferenz, die im türkischen Fernsehen ausgestrahlt wurde. Der stellvertretende türkische Ministerpräsident Yalcin Akdogan bezeichnete die Bombenexplosion im Kurznachrichtendienst Twitter als Terrorakt.

Anschlag auch in Kobane

Kurz darauf ging auch in Kobane ein Sprengsatz hoch. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte teilte mit, ein Attentäter habe an einem Kontrollposten im Süden von Kobane ein Auto in die Luft gesprengt. Zwei kurdische Kämpfer seien durch die Explosion getötet worden.

Kobane war im vergangenen Jahr zu einem Symbol des Bürgerkriegs in Syrien geworden: Kurden und Kämpfer der Terrormiliz Islamischer Staat lieferten sich wochenlang erbitterte Gefechte um die Stadt. Die türkische Regierung erlaubte erst nach langem Zögern, Nachschub und Kämpfer zur Unterstützung der Kurden über die Grenze zu lassen. Die Kurden gewannen daraufhin die Oberhand und zwangen den IS zum Rückzug.

In Suruc befindet sich auch eines der grössten Flüchtlingslager für Syrer, die vor den Kämpfen in ihrem Land geflohen sind. In dem im Januar eröffneten Camp leben rund 35'000 Menschen. (slw/sda)

Erstellt: 20.07.2015, 13:12 Uhr

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