Zurück geht nicht mehr

Die britische Islamistin Sally Jones will nach Hause. Das einzige Problem: Der IS lässt sie nicht gehen.

Für die Boulevardpresse in ihrer englischen Heimat ist sie eine Teufelin: Sally Jones in einem Video (beste erhältliche Qualität). Videostill: «The Sun»

Für die Boulevardpresse in ihrer englischen Heimat ist sie eine Teufelin: Sally Jones in einem Video (beste erhältliche Qualität). Videostill: «The Sun»

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Sally Jones will nach Hause. Aber der IS lässt sie nicht. Das berichtet eine frühere Schlachtgenossin der Britin namens Aisha, die die 49-Jährige jüngst in Syrien getroffen haben will. Aisha, von kurdischen Kämpfern festgenommen, erklärte Reportern, sie habe Sally Jones «in Tränen» vorgefunden. «Ihren Mann hat sie in einer Schlacht verloren. Sie hat einen kleinen Sohn.» Jones wolle nur eins: zurück nach England.

Liesse der IS die Britin je ziehen, würde sie allerdings daheim für immer hinter Schloss und Riegel landen. Denn die Frau, die Aisha «echt nett» findet, gilt bei ihren früheren Landsleuten als «Monster». Sie sei, formuliert es die Boulevardpresse in London, eine «wahre Teufelin».

Als Umm Hussain al-Britani liess sich Sally Jones in allerlei wilden Posen ablichten, darunter auch in dieser als Nonne mit Pistole. Foto: PD

Auf den Listen westlicher Geheimdienste rangiert Sally Jones als eine der gefährlichsten IS-Propagandistinnen überhaupt. Seit sie 2014 einem 20 Jahre jüngeren Landsmann aus Birmingham namens Junaid Hussain ins «Kalifat» folgte, erwarb sie sich einen verhängnisvollen Ruf. Unter dem Kriegsnamen Umm Hussain al-Britani liess sie sich in allerlei wilden Posen ablichten, darunter als Nonne mit Pistole. Sie führte eine Spezialbrigade Maschinenpistolen-schwingender IS-Kämpferinnen über syrische Hügel himmelwärts. Und sie eröffnete Christen aller Art: «Ihr habt es allesamt nötig, dass ihr mit einem stumpfen Messer enthauptet werdet und eure Köpfe auf die Gitter von Raqqa wandern.»

Wie ernst es ihr damit war, zeigte sich vor drei Jahren, als ihr damals zehnjähriger Sohn Jojo als eines von fünf Kindern identifiziert wurde, die live für ein IS-Video fünf kniende Gefangene erschossen. Jones’ Partner, der als Computer- und Hackingexperte für die Terrormiliz arbeitete, wurde vor zwei Jahren bei einem US-Drohnen­angriff in Raqqa getötet. «Vor den Ungläubigen habe ich keine Angst», sagte Jones nach seinem Tod. «England hasst mich offensichtlich.»

Schwarze Magie und Schreie

In der Tat erinnern sich frühere Nachbarn im südenglischen Chatham an Jones als an eine Frau, die immer Geldprobleme gehabt und als ledige Mutter einen «unkonventionellen Lebenswandel» geführt habe. Es sei «ein Albtraum» gewesen mit ihr im Viertel, heisst es: Jones habe «immer nur herumgeschrien», an schwarze Magie geglaubt.

Ganz früher einmal gehörte sie als Gitarristin einer Frauen-Punkband an, die sich «Krunch» nannte und eine Reihe von Auftritten absolvierte. Später sollte Jones darauf bestehen, sie habe keineswegs nur von der Sozialhilfe gelebt, sondern als Verkäuferin und Make-up-Künstlerin Geld verdient. Eine Zeit lang verkaufte sie online T-Shirts, bedruckte Becher und Schlüsselringe.

Als sie Junaid Hussain traf und sich dessen Ideen zu eigen machte, war sie zum Abzug nach Syrien bereit. Reporter, die sich im Nachhinein mit ihrer Geschichte beschäftigen, halten sie für eine der traurigsten in einer Fülle von traurigen Biografien. Viele Chancen, noch einmal lebend heimzukommen, gibt es nicht für Sally Jones.

Erstellt: 04.07.2017, 21:15 Uhr

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