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Zwei entscheidende Spieler im iranischen Atompoker

Die Genfer Gespräche über das Nuklearprogramm des Iran sind auch ein Aufeinandertreffen der Topdiplomaten Wendy Sherman (USA) und Mohammed Jawad Sarif (Iran). Wer sind die beiden?

Unterbreitete Zugeständnisse: Irans Aussenminister Mohammed Jawad Sarif. (16. Oktober 2013)
Unterbreitete Zugeständnisse: Irans Aussenminister Mohammed Jawad Sarif. (16. Oktober 2013)
Keystone
«Ein sehr intensives und sehr wichtiges Treffen»: Cathrine Ashton an der Pressekonferenz in Genf. (16. Oktober 2013)
«Ein sehr intensives und sehr wichtiges Treffen»: Cathrine Ashton an der Pressekonferenz in Genf. (16. Oktober 2013)
Keystone
Die Verhandlungen zwischen dem Iran und der 5+1-Gruppe unter der Leitung der EU dauern zwei Tage. Bild: EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton bei der Ankunft in Genf.
Die Verhandlungen zwischen dem Iran und der 5+1-Gruppe unter der Leitung der EU dauern zwei Tage. Bild: EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton bei der Ankunft in Genf.
Keystone
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In Genf hat am Dienstag die erste Runde der neuen Verhandlungen über das iranische Atomprogramm begonnen. Am Verhandlungstisch mit den Iranern sitzen Vertreter der fünf ständigen UNO-Sicherheitsratsmitglieder USA, Russland, China, Frankreich und Grossbritannien sowie Deutschland (5+1-Gruppe). Angesichts des politischen Tauwetters zwischen dem Iran und dem Westen sind die Chancen auf positive Verhandlungsergebnisse so gut wie selten.

Zwei entscheidende Figuren bei den Genfer Gesprächen, die unter der Leitung von EU-Chefdiplomatin Catherine Ashton stattfinden, sind Irans Aussenminister Mohammed Jawad Sarif und Wendy Sherman, Chefunterhändlerin der USA. Wer sind Sarif und Sherman?

Eine US-Diplomatin, die klare Ansagen macht

Die 1949 geborene Sherman ist eine hochgeachtete Diplomatin mit «eiserner Haltung und ausgeprägtem Gespür für Details», wie das US-Magazin «Foreign Policy» einst in einem Porträt schrieb. Sherman gilt auch als Diplomatin, die klare Ansagen macht. Vor den laufenden Gesprächen in Genf äusserte sie deutlich die Erwartung, dass die Iraner konkrete Massnahmen vorschlagen müssten, deren Umsetzungen auch überprüft werden könnten. Wenn die Iraner keine substanziellen Zugeständnisse machten, seien die USA bereit, neue Wirtschaftssanktionen gegen den Iran zu beschliessen.

Zuletzt hatte die 5+1-Gruppe gefordert, dass der Iran die Anreicherung von Uran mit einem 20-prozentigen Reinheitsgrad einstellt, einen Teil seiner Vorräte ins Ausland bringt und seine Atomanlage Fordow schliesst. US-Chefunterhändlerin Sherman sagt, dass eine Lockerung der Sanktionen denkbar sei, falls die Iraner echte Kooperationsbereitschaft zeigten. Sherman operiert mit «Zuckerbrot und Peitsche».

Bereits Atomgespräche mit den Nordkoreanern

Sherman, derzeit die Nummer 3 im amerikanischen Aussenministerium, hat eine für eine Spitzendiplomatin ungewöhnliche Karriere durchlaufen. Die studierte Soziologin aus Maryland engagierte sich zunächst als Spendensammlerin und Wahlhelferin der Demokratischen Partei. In den Anfängen ihres Berufslebens arbeitete sie in gemeinnützigen Organisationen, unter anderem als Sozialarbeiterin und später in leitenden Funktionen. 1997 machte sie die damalige Aussenministerin Madeleine Albright zur Beraterin im State Departement, wo sie bereits als Assistentin von Albright-Vorgänger Warren Christopher gedient hatte.

Sherman machte rasch Karriere und wurde mit schwierigen Aufgaben betraut. Ende der 1990er-Jahre gehörte sie der US-Delegation an, die mit dem Regime von Diktator Kim Jong-il Verhandlungen über das nordkoreanische Nuklearprogramm führte. Insofern hat Sherman bereits Erfahrungen, die nützlich sind für die anstehenden Atomgespräche mit den Iranern.

Mitverantwortlich für Waffenstillstand Iran-Irak

Bei den Genfer Gesprächen ist auch die iranische Delegation mit einer Topbesetzung anwesend: An der Spitze steht Aussenminister Mohammed Jawad Sarif, ein in den USA ausgebildeter Spitzendiplomat, der sich 1988 bei den Waffenstillstandsverhandlungen zwischen dem Iran und dem Irak seine Meriten verdient hat. Da war er noch nicht einmal 30 Jahre alt. Sarif hat vor den Genfer Gesprächen durchblicken lassen, dass sein Land eine gründlichere Kontrolle des eigenen Atomprogramms hinnehmen würde.

Irans Vizeaussenminister Abbas Araghchi, der heute Dienstag und morgen Mittwoch ebenfalls am Verhandlungstisch in Genf sitzt, erklärte jedoch, die «rote Linie» für sein Land sei die Frage der Urananreicherung: «Wir werden auf keinen Fall erlauben, dass die Urananreicherung ausgesetzt, begrenzt oder gestoppt wird.»

Ein iranischer Aussenminister, der twittert

Sarif, der von 2002 bis 2007 als UNO-Botschafter wirkte, gilt als moderner Technokrat, der auch inoffizielle Kontakte mit amerikanischen Diplomaten pflegte. Sarif ist – neben Präsident Hassan Rohani – mitverantwortlich für die jüngsten Annäherungen zwischen dem Iran und dem Westen. Seit der 53-Jährige Anfang August als Aussenminister der Islamischen Republik angetreten ist, schlägt er versöhnliche Töne an, und er nutzt modernste Kommunikationsmittel. So unterhält Sarif als erster ranghoher Vertreter seines Staates ein offizielles Twitterkonto.

Sarif hatte Anfang September für Aufsehen gesorgt, als er über Twitter Grüsse zum jüdischen Neujahrsfest verschickte und gleichzeitig betonte, dass der Iran den Holocaust nicht mehr leugne. Sarif ist auch im sozialen Netzwerk Facebook aktiv. Dort schrieb er, der Iran verurteile «das von den Nazis verübte Massaker an den Juden, und wir verurteilen das von den Zionisten verübte Massaker an den Palästinensern».

Hardliner als Chefunterhändler abgesetzt

Bei den Verhandlungen mit dem Westen über das Atomprogramm seines Landes ist das Aussenministerium des Iran federführend. Zunächst sollte Saeed Jalili als Delegationsleiter nach Genf fahren. Vor einem Monat setzte ihn aber Präsident Rohani ab. Jalili, der seit 2007 Chefunterhändler in Atomfragen war, galt im Westen als kompromissloser Ideologe. Die Absetzung von Jalili wurde von westlichen Beobachtern positiv aufgenommen. Dass Aussenminister Sarif bei den Atomgesprächen federführend sei, bedeute zwar nicht, dass eine rasche Einigung mit dem Westen bevorstehe. Es lege aber nahe, dass sich der Iran auf ernsthafte Diplomatie einlassen wolle.

Nach Jahren aggressiver Rhetorik seines Vorgängers Mahmud Ahmadinejad hat der iranische Präsident Rohani einen Kurswechsel in der Aussenpolitik und Gesprächsbereitschaft in der Atomfrage signalisiert. Viele im Westen und vor allem Israel sind jedoch nach wie vor skeptisch, ob die Ankündigungen ernst gemeint sind.

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