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Zwei tunesische Politiker mit derselben Waffe getötet

Mohammed Brahmi starb offenbar durch dieselbe Waffe wie der im Februar getötete Oppositionspolitiker Chokri Belaid. Es gibt einen Verdächtigen. Das Attentat stürzt Tunesien in eine neue politische Krise.

Ein verletzter tunesischer Soldat wird nach Angriffen in der Nähe zur algerischen Grenze in einem Spital behandelt. (29. Juli 2013)
Ein verletzter tunesischer Soldat wird nach Angriffen in der Nähe zur algerischen Grenze in einem Spital behandelt. (29. Juli 2013)
Reuters
Beratungen nach Protesten: Das tunesische Kabinett hält unter Führung von Premierminister Ali Larayedh (rechts) eine Krisensitzung ab. (29. Juli 2013)
Beratungen nach Protesten: Das tunesische Kabinett hält unter Führung von Premierminister Ali Larayedh (rechts) eine Krisensitzung ab. (29. Juli 2013)
AFP
Trauer bei den Angehörigen: Die Frau des ermordeten Oppositionspolitikers, Mubarka Brahmi, wird von ihrem Sohn getröstet. (25. Juli 2013)
Trauer bei den Angehörigen: Die Frau des ermordeten Oppositionspolitikers, Mubarka Brahmi, wird von ihrem Sohn getröstet. (25. Juli 2013)
AFP
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Hinter dem jüngsten Mord am linksgerichteten tunesischen Oppositionspolitiker Mohammed Brahmi und dem Attentat auf dessen Kollegen Chokri Belaïd im Februar steckt ein und dieselbe islamistische Extremistenzelle (radikale Salafisten). Das teilte Innenminister Lotfi Ben Jeddou mit. Demnach stammten die tödlichen Schüsse auf die beiden Politiker aus der gleichen Tatwaffe. Das habe eine ballistische Untersuchung der Kugeln ergeben, die gestern auf Brahmi abgefeuert worden seien, sagte Jeddou.

Während das Präsidialamt die Flaggen heute auf Halbmast setzen liess, brachte ein Generalstreik das Leben in der Hauptstadt Tunis zum Stillstand.

Der 58-jährige Abgeordnete Brahmi war gestern beim Verlassen seines Hauses bei Tunis erschossen worden. Laut dem Ergebnis der Autopsie wurde er von 14 Kugeln getroffen. Seine Kinder berichteten, zwei Männer auf einem Motorrad hätten das Attentat verübt. Die Angehörigen machten die regierenden Islamisten der Ennahda-Partei für den Mord verantwortlich. Auch der Ablauf der Tat erinnerte an die Ermordung des linken Oppositionellen Belaid, der am 6. Februar ebenfalls vor seinem Haus erschossen worden war.

Bis heute nicht geklärt

Die Ermordung Belaids löste eine politische Krise aus und führte zu wochenlangen Protesten. Bis heute ist die Tat nicht aufgeklärt. Nach dem Mord an Brahmi gingen am Donnerstag tausende Menschen in Tunis und seiner Heimatstadt Sidi Bouzid spontan auf die Strasse. Heute demonstrierten erneut hunderte Menschen in Tunis. «Das Volk will den Sturz der Regierung», riefen die Demonstranten und nannten den Ennahda-Vorsitzenden Rached Ghannouchi einen «Mörder».

Ghannouchi wies die gegen ihn erhobenen Vorwürfe zurück. Der Mord an Brahmi sei eine «Katastrophe für Tunesien». Die Täter wollten das Land in den Bürgerkrieg stürzen und die demokratische Transition stören. Präsident Moncef Marzouki, der für heute einen Tag der Staatstrauer anordnete, sagte am Donnerstagabend, die Täter wollten den Arabischen Frühling diskreditieren. «Sie wollen beweisen, dass der Arabische Frühling überall gescheitert ist», sagte Marzouki.

Laut dem Vize-Generalsekretär der UGTT, Sami Tahri, wurde ihr Aufruf zum Generalstreik im ganzen Land befolgt. Neben Banken und Kliniken sei auch der öffentliche Nahverkehr stark betroffen. Die Fluggesellschaft Tunisair und mehrere europäische Fluglinien sagten alle Flüge ab.

sda/AFP/AP/fko

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