«Wenn er so reden würde, dass man ihn versteht, wäre das schon viel»

Die weltliche wie die geistliche Seite der katholischen Kirche Zürichs haben dieselbe Hoffnung: Franziskus I. möge die Ortskirchen stärken und die Kurie reformieren. Benno Schnüriger und Josef Annen sind guter Dinge.

Freuen sich über die Papstwahl: Synodalratspräsident Benno Schnüriger (l.) und Generalvikar Josef Annen.

Freuen sich über die Papstwahl: Synodalratspräsident Benno Schnüriger (l.) und Generalvikar Josef Annen. Bild: Thomas Burla, Arno Balzarini/Keystone

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Am emotionalsten auf die Papstwahl reagiert hat der Informationsbeauftragte des Generalvikariats für die Kantone Zürich und Glarus. «Der neue Papst hat mich ab dem ersten Satz berührt», sagt Arnold Landtwing gegenüber Tagesanzeiger.ch/Newsnet. Wie Franziskus mit seinem jovialen «Buona sera» sofort die Nähe zum Volk gesucht habe, sei sensationell gewesen. Ebenso der Abschied mit «Buona notte». «Das habe ich bei keiner Papstwahl je gesehen.» Landtwing spricht nicht nur von einer Sensation, sondern gleich von fünf.

Neben der Volksnähe fiel ihm die demütige Geste auf. Franziskus habe vor dem ersten Urbi-et-orbi-Segen um den eigenen Segen durch die Menschen auf dem Petersplatz und in der ganzen Welt gebeten. «Das ist mir voll eingefahren», sagt Landtwing offen. Auch habe Franziskus den abgetretenen Papst nicht vergessen und für ihn gebetet. «Das spricht für seine Spiritualität», so Landtwing.

Sensation Nummer 4 sei, dass schon wieder kein Italiener, sondern sogar erstmals ein Nicht-Europäer gewählt wurde. Und schliesslich fiel Landtwing die Namenswahl auf. Franz von Assisi lebte ebenfalls in einer Zeit mit viel Prunk. Er habe die Kirche von innen heraus erneuert und einen Bettelorden gegründet. Dass ein Jesuit wie Jorge Mario Bergoglio den Namen eines franziskanischen Heiligen annehme, sei bemerkenswert, so Landtwing.

«Er hat einen schönen Namen gewählt, der für Erneuerung steht»

Auch Landtwings Chef, Generalvikar Josef Annen, freut sich über die Wahl Bergoglios. «Er hat einen schönen Namen gewählt, der für Erneuerung steht», sagt er. Nun hofft Annen, dass der «Kardinal der Armen» die Kraft findet, die Kurie zu reformieren. Mit dem nicht-europäischen Papst werde es eine gewisse Internationalisierung des Vatikans geben, denkt Annen. «Das freut mich.»

Auch hofft er, dass Franziskus das Verhältnis des Vatikans zu den Ortskirchen verbessern wird. Diese brauchen mehr Mitsprache und Eigenständigkeit, meint der Generalvikar. Die katholische Kirche könne nicht von nur einer Person geführt werden. Ob sein Vorgesetzter Vitus Huonder, der Bischof von Chur, ebenfalls so denkt, kann Annen nicht sagen. Aber: «Der Bischof fühlt sich dem Papst sehr verbunden. Er wird mit ihm den Weg gehen.»

«Wenn er so reden würde, dass man ihn versteht, wäre das schon viel»

Was Annen von der geistlichen Seite der Zürcher katholischen Kirche sagt, kann auch Benno Schnüriger von der weltlichen, staatskirchlichen Seite her unterschreiben. «Die Ortskirchen müssen gestärkt werden», fordert der Präsident des Synodalrats. «Man kann nicht alle Kirchen gleichschalten.» Der Klerus müsse eine Mitsprache bei der Ernennung der Bischöfe haben, so Schnüriger. Er hofft, dass nächstes Mal die Basis einen Dreiervorschlag nach Rom schicken kann.

Weiter hofft Schnüriger, dass Franziskus in Rom eine Art Regierungsreform in Gang setzt. Dafür müsse er neue Kardinäle wählen. Bisher habe im Vatikan jeder für sich gewerkelt – wie ein Ameisenhaufen habe das ausgesehen. Nur so sei es etwa möglich gewesen, dass Benedikt Holocaust-Leugner wieder in die Kirche aufgenommen habe, meint Schnüriger. Es habe ein Informationsdefizit gegeben.

Gefreut hat Schnüriger auch, dass nach dem Ästheten Benedikt mit Franziskus ein volksnaher Papst ans Ruder kommt. «Wenn er auf die Basis hören und nur schon so reden würde, dass man ihn versteht, wäre das schon viel.»

Erstellt: 13.03.2013, 22:27 Uhr

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