Wie Franziskus auf der Strasse ankommt

Papst der Armen? Hoffnungsträger? Schattenpapst? Tagesanzeiger.ch/Newsnet hat die Meinung von Passanten in Zürich zum neuen Papst eingeholt.

«Es ist wichtig, dass die Kirche sich mehr auf die Armenhilfe konzentriert»: Eine Passantin in Zürich zur Papstwahl.
Video: Chantal Hebeisen

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Mehrere Hundert Kameras waren gestern Abend auf den Schornstein im Vatikan gerichtet. Dann, um 19.06 Uhr, stieg nach dem fünften Wahlgang im Konklave endlich weisser Rauch auf, und gut eine Stunde später verkündete der Vatikan, dass der Argentinier Jorge Mario Bergoglio gewählt ist. Auch in der Schweiz haben viele Gläubige diese Szenen live am Fernsehen mitverfolgt, wie eine Umfrage in Zürich zeigt (siehe Video oben).

Eine, die die Papstwahl offenbar sehr intensiv verfolgt hat, ist Juristin Ruth Häfliger. Der erste Auftritt des neuen Papstes habe bei ihr einen zwiespältigen Eindruck hinterlassen, wie sie sagt: «Einerseits habe ich gemerkt, dass er eine charismatische Person mit sehr viel Symbolcharakter sein wird, andererseits habe ich die Befürchtung, dass die vielen Versprechen durch die reformbedürftige Kurie und den Papst nicht eingelöst werden können.»

Mächte im Hintergrund als Gefahr für die Armenhilfe

Papst Franziskus, der von vielen schon als «Papst der Armen» bezeichnet wird, löst bei den Katholiken auch Hoffnungen aus. «Er könnte ein Hoffnungsträger sein für jene Leute, die am meisten zur Kirche beitragen, nämlich die armen Leute», findet etwa Thomas Allemann aus Bern. Auch Häfliger glaubt, dass Bergoglio seine Erfahrungen bei der Bedürftigenhilfe zugute kommen werden. «Andererseits sind hier viele Glaubensdogmen vorhanden, die eine wirksame Hilfe bei den Armen verhindern werden», sagt sie.

Auch Student Damian Tschirky zeigt sich gegenüber der Hoffnung auf einen Papst für die Armen skeptisch: «Man hat schon beim letzten Papst gesehen, dass es im Hintergrund offenbar Kräfte gibt, die eine grosse Macht haben, und die werden auch ihm vermutlich einen Strich durch die Rechnung machen.» Business-Analystin Katharina Glauser findet, die Kirche habe ganz klar die Aufgabe, sich für die Armen einzusetzen: «Es ist wichtig, dass man sich mehr darauf konzentriert statt auf die Themen, von denen man hier in Europa glaubt, sie seien wichtig.»

Erstellt: 14.03.2013, 14:21 Uhr

Franziskus stimmt katholisch Zürich zuversichtlich

Der neue Papst Franziskus stimmt die Katholiken im Kanton Zürich zuversichtlich. Auf der Website der Katholischen Kirche im Kanton Zürich wird Generalvikar Josef Annen zitiert, der seiner Hoffnung auf «Reinigung und Erneuerung der Kirche» Ausdruck gab.

Anlass zur Hoffnung gäben die Persönlichkeit des neuen Papstes und auch der Name, den er gewählt habe. Die Reform der Kurie sei eine grosse Herausforderung für ihn. «Notwendig ist mehr transparente Information und Kommunikation gegen innen und aussen». «An den wichtigsten Schaltstellen» müssten die besten Leute sein, die das Wohl der Kirche, nicht Eigeninteressen verfolgten.

Synodalratspräsident Benno Schnüriger möchte unter dem neuen Papst «wieder ernster genommen und gehört werden». Neben Ermutigung und Ermächtigung brauche man wieder mehr Vertrauen von oben und weniger Zentralismus.(sda)

Artikel zum Thema

Franziskus – der erste Jesuit im Papstamt

Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien ist der neue Mann an der Spitze der katholischen Kirche. Als Erzbischof von Buenos Aires versagte sich der 76-Jährige viele hergebrachte Privilegien. Mehr...

«Der neue Papst ist ein Mann ohne Berührungsängste»

Der frühere Churer Weihbischof Peter Henrici ist erfreut über die Wahl von Franziskus. Auf den Theologenpapst folge ein Seelsorgerpapst. Mehr...

Franziskus und der Kollaborationsvorwurf

Hintergrund Hat der neugewählte Papst Jorge Mario Bergoglio in den 70er-Jahren der argentinischen Militärjunta in die Hände gespielt? Eine Spurensuche. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Weiterbildung

Banken umwerben Frauen

Weltweit steigt das Privatvermögen von Frauen. Banken zeigen, wie dieses gewinnbringend anzulegen ist.

Kommentare

Service

Ihre Kulturkarte

Abonnieren Sie den Carte Blanche-Newsletter und verpassen Sie kein Angebot.

Die Welt in Bildern

Aufgeblasen, aber nicht abgehoben: Vor dem Start in Chateau-d'Oex kontrollieren Besatzungsmitglieder die Hülle ihres Heissluftsballons. In der Schweizer Berggemeinde findet bis derzeit die 42. Internationalen Heissluftballonwoche statt. (26. Januar 2020)
(Bild: Jean-Christophe Bott) Mehr...