Obama in Kuba-Slang – «Que bola, Cuba?»

Was für ein Auftakt zum historischen Besuch: Regen, Regen, Regen – und kein Staatschef, der die Obamas am Flughafen empfängt.

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US-Präsident Barack Obama ist am Sonntag zu seinem historischen Besuch in Kuba eingetroffen. Obama landete am Nachmittag in der Hauptstadt Havanna zu dem dreitägigen Aufenthalt, der den bisherigen Höhepunkt des Annäherungskurses zwischen den vormals verfeindeten Ländern markiert.

«Que bola, Cuba?» (Wie gehts, Kuba?), schrieb Obama zu Beginn seiner Visite im Kurznachrichtendienst Twitter und nutzte dabei landestypischen Slang. Er freue sich darauf, die Kubaner zu treffen und zu hören, fügte der US-Präsident hinzu.

Es ist die erste Reise eines amtierenden US-Präsidenten in den karibischen Nachbarstaat seit fast 90 Jahren. Zu Beginn wollte Obama einen Spaziergang durch die Altstadt von Havanna unternehmen, bevor er am Montag mit Staatschef Raúl Castro zusammentrifft. Am Dienstag hält der US-Präsident eine Rede in einem Theater der Hauptstadt. Auch Treffen mit Privatunternehmern und Oppositionellen sowie der Besuch eines Baseballspiels stehen auf seinem Programm. Obama wird von seiner Frau Michelle und seinen zwei Töchtern Malia und Sasha begleitet.

Raúl Castro nicht am Flughafen erschienen

Etliche Würdenträger hatten Obama am Sonntag bei seiner Ankunft in Havanna begrüsst, unter anderem Kubas Aussenminister Bruno Rodríguez und der kubanische Botschafter in den USA, José Cabañas. Der kubanische Präsident Raúl Castro war bei dem Empfang jedoch nicht dabei.

Das Weisse Haus wertet die Abwesenheit Castros nicht als Affront. Es sei «nie erwogen oder besprochen» worden, dass Castro am Airport sein würde, sagte Obamas stellvertretender Sicherheitsberater Ben Rhodes am Sonntagabend in Washington. Vielmehr betrachteten die Kubaner die für Montag geplante Zeremonie mit dem US-Präsidenten und Castro als offizielle Begrüssungsveranstaltung.

Castros Nichterscheinen löste prompt Kritik des republikanischen Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump aus, der dies in einem Tweet als Zeichen «fehlenden Respekts» wertete. Kubas Präsident hatte im vergangenen September Papst Franziskus bei dessen Besuch in dem Karibikstaat willkommengeheissen und auch den russischen-orthodoxen Patriarchen Kirill I. im Februar.

«Historische Möglichkeit»

Obama ist auch mit US-Botschaftsmitarbeitern zusammenkommen. Bei dem Treffen in einem Hotel in Havanna würdigte Obama seinen Besuch als eine «historische Möglichkeit, mit dem kubanischenVolk» in Kontakt zu treten. Es sei wunderbar, in Kuba zu sein.

Obama erinnerte auch an Calvin Coolidge, der vor ihm der erste US-Präsident überhaupt war, der Kuba besuchte. Coolidge sei 1928 an Bord eines Kriegsschiffes auf der Karibikinsel angekommen und habe für die Reise drei Tage gebraucht. Bei ihm habe es nur drei Stunden gedauert, sagte Obama.

Einige Hundert Schaulustige

Er bedankte sich auch bei jenen Mitarbeitern der US-Vertretung, die ihre Kinder zu dem Treffen mitgebracht hatten. Wenn diese erwachsen seien, sei es hoffentlich für sie normal, «dass ein US-Präsident Kuba besucht», sagte Obama.

Im Anschluss brach Obama mit seiner Frau Michelle und ihren Töchtern Malia und Sasha zu einem Rundgang durch die Altstadt von Havanna auf. Einige Hundert Schaulustige spendeten der Präsidentenfamilie Applaus, als sie vor einer Kathedrale auftauchte.

Der US-Präsident und seine Familie auf Kuba: Obamas historischer Besuch in Havanna.

Ende 2014 hatten Präsident Obama und Raúl Castro ein Ende der Eiszeit vereinbart, die diplomatischen Beziehungen wurden 2015 wieder vollständig aufgenommen, das US-Handelsembargo gelockert, etwa im Finanzbereich und für direkte Fährverbindungen. Seit wenigen Tagen gibt es auch wieder einen direkten Postverkehr.

Kuba fordert als nächsten Schritt eine vollständige Aufhebung des US-Handelsembargos und eine Rückgabe des seit 1903 unter US-Kontrolle stehenden Stützpunktes Guántanamo. Vor Obama war überhaupt erst ein US-Präsident auf Kuba, 1928 Calvin Coolidge.

Menschenrechtslage beschäftigt

Es wird damit gerechnet, dass Obama auch die weiter schwierige Menschenrechtslage in Kuba ansprechen wird. Noch wenige Stunden vor der Ankunft des US-Präsidenten kam es zu Festnahmen dutzender Regierungsgegnerinnen.

Castro verfolgt eine vorsichtige Öffnungspolitik. Ein Treffen Obamas mit Raúls Bruder und Revolutionsführer Fidel war nicht geplant. Fidel hatte nach der Revolution die Sowjetunion zum wichtigsten Verbündeten genommen. Die Stationierung sowjetischer Atomraketen brachte die Welt dann 1962 an den Rand des Atomkriegs.

Die Annäherung seines Bruders und Nachfolgers als Staatschef, Raúl Castro, an die USA, sieht Fidel skeptisch. «Ich vertraue der US-Politik nicht, ich habe kein Wort mit denen gewechselt», hatte Fidel im Januar 2015 nach den ersten Schritten zur Annäherung gesagt.

Kurz vor Obama war Venezuelas sozialistischer Präsident Nicolás Maduro auf Kuba. Dieser traf auch Fidel Castro, wie auf dem Titelbild der Sonntagsausgabe der Zeitung «Juventud Rebelde» zu sehen war. Kuba und Venezuela arbeiten sehr eng zusammen. (fal/sda)

Erstellt: 20.03.2016, 20:54 Uhr

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