Zum Hauptinhalt springen

Regierungsgegner marschieren in Bangkok auf Ministerien zu

Die Massenproteste gegen die thailändische Regierung zeigen Wirkung: Offenbar wollte Ministerpräsidentin Yingluck zurücktreten – ihr Bruder verhinderte dies, schreibt eine regierungskritische thailändische Zeitung.

Mit Protestmärschen zu Ministerien haben mehrere tausend Demonstranten ihren Protest gegen die thailändische Regierung heute ausgeweitet. Zehntausende demonstrierten gegen die Politik der Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra und errichteten Blockaden rund um Regierungsgebäude.

Ihre Aktionen blieben friedlich. Von den Protestlagern an verschiedenen Standorten der Innenstadt von Bangkok zogen jeweils einige Tausend Menschen zu den Regierungsbüros und riefen Regierungsbeamte auf, sich der Protestbewegung anzuschliessen.

Sie drangen nicht in die Gebäude ein. Die meisten Büros waren nur spärlich besetzt. Die Mitarbeiter vieler Regierungsinstitutionen sowie der Notenbank hatten Ersatz-Büros aufgesucht, um den Protesten aus dem Weg zu gehen.

Die Demonstranten wollen die Regierung stürzen und die Wahlen am 2. Februar verhindern. Sie verlangen vor Neuwahlen Reformen des politischen Systems. Im Machtkampf mit der Regierung zeichnete sich kein Kompromiss ab. Der Protestanführer hat alle Gespräche abgelehnt.

Zum Rücktritt zwingen

«Wir kämpfen bis zum Sieg», sagte Protestanführer Suthep Thaugsuban bei einer Kundgebung. «Wir werden weder die Flughäfen belagern noch die Züge oder die Börse besetzen», versprach er. «Wir wollen die Ministerpräsidentin nur zwingen, zurückzutreten.»

Laut Suthep ist es Ziel der überwiegend der Oberschicht angehörenden Demonstranten, die Arbeit jeder Regierungsinstitution zu unterbinden. Sollte dies nicht möglich sein, würden Yingluck und Minister festgenommen.

«Wir beginnen damit, ihre Wasser- und Stromleitungen zu Hause zu kappen», kündigte Suthep an. Die Opposition wirft Yingluck vor, eine Marionette ihres vor einer Haftstrafe ins Ausland geflohenen Bruders und früheren Ministerpräsidenten Thaksin Shinawatra zu sein.

Yingluck: «Ich bleibe»

«Ich bleibe im Amt, um das demokratische System hochzuhalten, das dem thailändischen Volk gehört», schrieb die Regierungschefin auf ihrer Facebook-Seite. Sie soll am Sonntag zum Rücktritt bereit gewesen sein, berichtete die Zeitung «Nation». Ihr Bruder habe sie davon abgehalten.

Thaksin war bis zum Militärputsch 2006 Regierungschef. Er lenkt die Geschäfte der Regierungspartei Pheu Thai aus dem Exil, wie Regierungsmitglieder angeblich eingeräumt haben. Er lebt in Dubai. Die regierungskritische Zeitung berief sich auf nicht genannte Quellen innerhalb der Regierungspartei.

Kreuzungen besetzt

In Bangkoks Stadtzentrum entlang der Einkaufs- und Hotelstrasse Sukhumvit Road hielten die Demonstranten weiter mehrere grosse Kreuzungen besetzt. Der Verkehr musste umgeleitet werden. Grosse Einkaufszentren in der Umgebung schlossen bereits um 18.00 statt 22.00 Uhr Ortszeit.

Der öffentliche Schienenverkehr über Hochbahn und U-Bahn lief weiter. Gestern hatten bereits Zehntausende die Innenstadt Bangkoks lahmgelegt. Die Proteste blieben friedlich. Gut 15'000 Polizisten und Soldaten waren im Einsatz, hielten sich aber im Hintergrund.

SDA/czu

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch